Ener­gie­spar­lam­pen – und ihr Queck­sil­ber­ge­halt

Der Bun­des­ge­richts­hof hat ein Ver­bot des Ver­triebs von Ener­gie­spar­lam­pen bestä­tigt, bei denen ein­zel­ne Lam­pen der Char­ge einen zu hohem Queck­sil­ber­ge­halt auf­wie­sen.

Ener­gie­spar­lam­pen – und ihr Queck­sil­ber­ge­halt

In dem hier ent­schie­de­nen Fall hat­te ein Umwelt- und Ver­brau­cher­schutz­ver­band bean­stan­det, bestimm­te von der Beklag­ten im Jah­re 2012 ver­trie­be­ne Kom­pakt­leucht­stoff­lam­pen („Ener­gie­spar­lam­pen“) ent­hiel­ten mehr Queck­sil­ber als gesetz­lich zuläs­sig. Mit sei­ner Kla­ge ver­lang­te er von dem Ver­triebs­un­ter­neh­men, den Ver­trieb die­ser Ener­gie­spar­lam­pen zu unter­las­sen.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Sta­de hat das Ver­triebs­un­ter­neh­men antrags­ge­mäß ver­ur­teilt [1]. Die hier­ge­gen gerich­te­te Beru­fung des Ver­triebs­un­ter­neh­mens ist vor dem Ober­lan­des­ge­richt Cel­le im Wesent­li­chen ohne Erfolg geblie­ben [2]. Das Ober­lan­des­ge­richt Cel­le hat dabei ange­nom­men, das Ver­triebs­un­ter­neh­men habe Kom­pakt­leucht­stoff­lam­pen ver­trie­ben, die den gesetz­lich zuläs­si­gen Queck­sil­ber­ge­halt über­schrit­ten, und damit gegen die Bestim­mung des § 5 Abs. 1 Satz 1 Elek­troG aF bzw. die seit dem 9. Mai 2013 gel­ten­den Vor­schrif­ten der § 3 Abs. 1 Nr. 1, § 4 Abs. 1 Elek­tro­StoffV ver­sto­ßen. Der Ver­trieb von Pro­duk­ten, die den gesetz­lich zuläs­si­gen Queck­sil­ber­ge­halt über­schrit­ten, sei wett­be­werbs­wid­rig, weil zum Schutz der Ver­brau­cher vor gesund­heits­schäd­li­chen Stof­fen der Absatz von Pro­duk­ten unter­sagt sei, die die vor­ge­schrie­be­nen Grenz­wer­te über­schrit­ten. Der Bun­des­ge­richts­hof hat die­ses Urteil nun bestä­tigt und die vom OLG Cel­le im Beru­fungs­ur­teil zuge­las­se­ne Revi­si­on des Ver­triebs­un­ter­neh­mens zurück­ge­wie­sen:

Nach § 5 Abs. 1 Satz 1 Elek­troG aF und § 4 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit § 3 Abs. 1 Nr. 1 Elek­tro­StoffV durf­te der Queck­sil­ber­ge­halt der von der Beklag­ten ver­trie­be­nen Lam­pen bestimm­te abso­lu­te Grenz­wer­te nicht über­schrei­ten. Im Jahr 2012 betrug der Grenz­wert je Leuch­te 5 mg Queck­sil­ber. Die­ser Grenz­wert ist zwi­schen­zeit­lich auf 2,5 mg je Leuch­te abge­senkt wor­den.

Die in § 5 Abs. 1 Satz 1 Elek­troG aF, § 4 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit § 3 Abs. 1 Nr. 1 Elek­tro­StoffV ent­hal­te­nen Ver­bo­te stel­len Markt­ver­hal­tens­re­ge­lun­gen im Sin­ne von § 3a UWG dar, weil sie neben abfall­wirt­schaft­li­chen Zie­len auch dem Gesund­heits- und Ver­brau­cher­schutz die­nen. Von queck­sil­ber­hal­ti­gen Ener­gie­spar­lam­pen gehen nicht nur im Zusam­men­hang mit der Ent­sor­gung, son­dern auch im Fal­le ihres Zer­bre­chens erheb­li­che Gesund­heits­ge­fah­ren aus.

Im Streit­fall waren die Grenz­wer­te mit 13 mg und 7,8 mg bei zwei der geprüf­ten Lam­pen über­schrit­ten, so dass die Beklag­te gegen das Ver­bot nach § 5 Abs. 1 Satz 1 Elek­troG aF ver­sto­ßen hat und die Lam­pen auch nicht den Anfor­de­run­gen genü­gen, die auf­grund der jetzt gül­ti­gen Rege­lung in der Elek­tro­StoffV maß­geb­lich sind. Es liegt bei einer Über­schrei­tung der Grenz­wer­te des Queck­sil­ber­ge­halts auch kein Baga­tell­ver­stoß vor, der einem Unter­las­sungs­an­spruch ent­ge­gen­stün­de.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 21. Sep­tem­ber 2016 – I ZR 234/​15

  1. LG Sta­de, Urteil vom 13.12.2012 – 8 O 112712[]
  2. OLG Cel­le, Urteil vom 08.10.2015 – 13/​U 5/​13, GRUR-RR 2016, 245, WRP 2016, 119[]