Stand­hei­zun­gen in Omni­bus­sen – und die Ener­gie­steu­er­ent­las­tung

Für den Betrieb von Stand­hei­zun­gen in Omni­bus­sen mit nicht gekenn­zeich­ne­tem Gas­öl (Die­sel­kraft­stoff) ist besteht kein Anspruch auf eine Steu­er­ent­las­tung gemäß § 49 Abs. 1 Ener­gieStG.

Stand­hei­zun­gen in Omni­bus­sen – und die Ener­gie­steu­er­ent­las­tung

Die Steu­er­ent­las­tung gemäß § 49 Abs. 1 Ener­gieStG wird auf Antrag für nach­weis­lich nach § 2 Abs. 1 Nr. 4 Ener­gieStG ver­steu­er­te Gas­öle gewährt, soweit sie nach­weis­lich ver­heizt wor­den sind und ein beson­de­res wirt­schaft­li­ches Bedürf­nis für die Ver­wen­dung nicht gekenn­zeich­ne­ten Gas­öls zum Ver­hei­zen vor­liegt. Die Höhe der Steu­er­ent­las­tung rich­tet sich nach der Dif­fe­renz zum güns­ti­ge­ren Heiz­stoff­tarif gemäß § 2 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 Ener­gieStG. Ent­las­tungs­be­rech­tigt ist gemäß § 49 Abs. 3 Ener­gieStG der Ver­wen­der.

Die Gewäh­rung der Steu­er­ent­las­tung nach § 49 Abs. 1 Ener­gieStG liegt nicht im Ermes­sen der Finanz­be­hör­de. Viel­mehr führt § 49 Abs. 1 Ener­gieStG zu einem zwin­gen­den Ent­las­tungs­an­spruch, des­sen Vor­aus­set­zun­gen der vol­len gericht­li­chen Über­prü­fung unter­lie­gen. Dies betrifft auch den unbe­stimm­ten Rechts­be­griff des beson­de­ren wirt­schaft­li­chen Bedürf­nis­ses für die Ver­wen­dung nicht gekenn­zeich­ne­ten Gas­öls zum Ver­hei­zen.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf [1] reicht es für ein sol­ches Bedürf­nis aber nicht aus, dass die Umrüs­tung der Stand­hei­zun­gen der Bus­se mit sepa­ra­ten Tanks im Ver­gleich zur erziel­ba­ren Steu­er­ent­las­tung mit hohen Kos­ten ver­bun­den wäre (hier: Umrüs­tungs­kos­ten ein­schließ­lich der Schaf­fung ent­spre­chen­der Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen sowie erhöh­te Per­so­nal­kos­ten). Des­halb kann im Streit­fall offen blei­ben, ob die­se Kos­ten tat­säch­lich in der von der Unter­neh­me­rin genann­ten Höhe zu berück­sich­ti­gen wären.

Zur Begrün­dung ist ins­be­son­de­re auf den Wort­laut des § 49 Abs. 1 Ener­gieStG und die Regel-Aus­nah­me-Sys­te­ma­tik des Ener­gieStG bei der Ver­wen­dung gekenn­zeich­ne­ten Gas­öls zum Ver­hei­zen zurück­zu­grei­fen. Zwar weist die Unter­neh­me­rin zutref­fend dar­auf hin, dass nach dem Erwä­gungs­grund 18 der Ener­gie­StRL die Ver­wen­dung eines Ener­gie­er­zeug­nis­ses als Heiz­stoff nied­ri­ger als die Ver­wen­dung als Kraft­stoff besteu­ert wer­den soll und die Kenn­zeich­nungs­pflicht der RL 95/​60/​EG nur für steu­er­be­frei­te oder steu­er­be­güns­tig­te Ver­wen­dun­gen, nicht aber für Ent­las­tungs­ver­fah­ren wie § 49 Abs. 1 Ener­gieStG gilt [2]. Die Mit­glied­staa­ten müs­sen jedoch durch wirk­sa­me Steu­er­auf­sichts­maß­nah­men dafür Sor­ge tra­gen, dass der güns­ti­ge­re Heiz­stoff­tarif nicht miss­bräuch­lich in Anspruch genom­men wird [3]. Vor dem Hin­ter­grund die­ser uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben sieht § 2 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 Ener­gieStG vor, den güns­ti­ge­ren Heiz­stoff­tarif grund­sätz­lich nur für Gas­öle anzu­wen­den, die i.S. der §§ 2 bis 8 der Ver­ord­nung zur Durch­füh­rung des Ener­gie­steu­er­ge­set­zes gekenn­zeich­net sind. Das Ent­las­tungs­ver­fah­ren nach § 49 Abs. 1 Ener­gieStG, das zu einer Anwen­dung des Heiz­stoff­tarifs für nicht gekenn­zeich­ne­te Gas­öle führt, hat dage­gen einen Aus­nah­me­cha­rak­ter. Dies wird auch durch den Wort­laut des § 49 Abs. 1 Ener­gieStG deut­lich, der nicht nur ein wirt­schaft­li­ches Bedürf­nis, son­dern ein „beson­de­res“ wirt­schaft­li­ches Bedürf­nis für die Ver­wen­dung nicht gekenn­zeich­ne­ten Gas­öls zum Ver­hei­zen ver­langt. Auch wenn § 49 Abs. 1 Ener­gieStG den Nach­weis der Ver­wen­dung zum Ver­hei­zen vor­aus­setzt und des­sen Anwen­dung des­halb kein all­ge­mei­nes Kon­troll­de­fi­zit aus­lö­sen kann, folgt dar­aus, dass Deutsch­land die uni­ons­recht­li­che Vor­ga­be, die miss­bräuch­li­che Inan­spruch­nah­me des güns­ti­ge­ren Heiz­stoff­tarifs zu ver­hin­dern, pri­mär durch die mög­lichst umfas­sen­de Berück­sich­ti­gung der Kenn­zeich­nungs­pflicht umsetzt und den Heiz­stoff­tarif nur aus­nahms­wei­se auch auf nicht gekenn­zeich­ne­te Gas­öle aus­deh­nen will. Im Übri­gen ist aus den Rege­lun­gen für den grenz­über­schrei­ten­den Kraft­fahr­zeug­ver­kehr in Art. 24 Ener­gie­StRL und § 46 Abs. 1 Satz 2 Ener­gieStG abzu­lei­ten, dass dem Gesetz­ge­ber die Pro­ble­ma­tik der Stand­hei­zun­gen und der hier­zu in den Kraft­fahr­zeu­gen mit­ge­führ­ten Ener­gie­er­zeug­nis­se bewusst war. Hät­te er für Stand­hei­zun­gen im Rah­men des § 49 Abs. 1 Ener­gieStG auf die Ver­wen­dung gekenn­zeich­ne­ten Gas­öls ver­zich­ten wol­len, wäre somit eine aus­drück­li­che Rege­lung zu erwar­ten gewe­sen, zumal eine sol­che Aus­deh­nung wegen der gro­ßen Zahl der betrof­fe­nen Fahr­zeu­ge und des pro Fahr­zeug rela­tiv gerin­gen Ent­las­tungs­be­trags einen erheb­li­chen Ver­wal­tungs­auf­wand zur Fol­ge hät­te.

Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Gesichts­punk­te ist § 49 Abs. 1 Ener­gieStG und ins­be­son­de­re der unbe­stimm­te Rechts­be­griff des beson­de­ren wirt­schaft­li­chen Bedürf­nis­ses eng aus­zu­le­gen. Allein das Miss­ver­hält­nis zwi­schen den Kos­ten, die durch den Ein­bau sepa­ra­ter Tanks für gekenn­zeich­ne­tes Heiz­öl ent­stün­den, und dem erziel­ba­ren Ent­las­tungs­be­trag ist hier­für nicht aus­rei­chend. Ande­ren­falls wür­de das dar­ge­leg­te Regel-Aus­nah­me-Prin­zip infra­ge gestellt, wenn nicht sogar umge­kehrt. Denn für den Betrieb der Stand­hei­zun­gen in Omni­bus­sen des öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehrs wird regel­mä­ßig kei­ne gro­ße Men­ge Die­sel­kraft­stoff benö­tigt, so dass der poten­ti­el­le Ent­las­tungs­be­trag pro Fahr­zeug gering aus­fällt. Sons­ti­ge Gesichts­punk­te, die zu einem beson­de­ren wirt­schaft­li­chen Bedürf­nis für die Ver­wen­dung nicht gekenn­zeich­ne­ten Gas­öls zum Ver­hei­zen füh­ren, sind nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs nicht erkenn­bar. Dar­an ändert auch der Hin­weis der Unter­neh­me­rin nichts, sie arbei­te als kom­mu­na­les Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men nicht kos­ten­de­ckend. Auch bei Ver­lust­un­ter­neh­men kann es jeden­falls dann nicht auf rein finan­zi­el­le Erwä­gun­gen ankom­men, wenn ‑wie im Streit­fall- kei­ne Anhalts­punk­te bestehen, dass die Ver­sa­gung des Ent­las­tungs­be­trags für die wirt­schaft­li­che Exis­tenz des Unter­neh­mens von ent­schei­den­der Bedeu­tung ist. Der wei­te­re Hin­weis der Unter­neh­me­rin, beim Ein­bau sepa­ra­ter Tanks sei wegen der gerin­ge­ren Tank­grö­ße eine täg­li­che Betan­kung statt alle zwei Tage erfor­der­lich, ist eben­falls weder aus­rei­chend noch schlüs­sig. Denn die Grö­ßen des sepa­ra­ten Tanks und des Haupt­tanks könn­ten an die Ver­brauchs­ver­hält­nis­se ange­passt wer­den, so dass es zu kei­ner Ände­rung der Betan­kungs­in­ter­val­le käme.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 31. Mai 2016 – VII R 23/​14

  1. FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 16.04.2014 – 4 K 3337/​13 VE[]
  2. vgl. EuGH, Urteil Mei­land Aze­wi­jn vom 09.09.2004 – C‑292/​02, EU:C:2004:499, Zeit­schrift für Zöl­le und Ver­brauch­steu­ern ‑ZfZ- 2004, 411[]
  3. EuGH, Urteil Kommission/​Finnland vom 27.11.2003 – C‑185/​00, EU:C:2003:639, ZfZ 2004, 86[]