Zumut­bar­keit von Voll­stre­ckungs­maß­nah­men bei säu­mi­gen Kun­den – und der Ent­las­tungs­an­spruch

Die Recht­spre­chung des BFH zur gericht­li­chen Gel­tend­ma­chung der Kauf­preis­for­de­run­gen – z.B. zum Merk­mal der Recht­zei­tig­keit [1], zur Ver­ein­ba­rung von Raten­zah­lun­gen [2] oder zur Bean­tra­gung eines Mahn­be­scheids selbst bei Insol­venz des Kauf­preis­schuld­ners [3] – lässt sich nicht ohne Wei­te­res auf die Fäl­le über­tra­gen, bei denen bereits ein Voll­stre­ckungs­ti­tel vor­liegt und bei denen den Hand­lun­gen des Antrag­stel­lers, die vor dem Erwir­ken die­ses Titels vor­ge­nom­men wor­den sind (z.B. Mah­nun­gen oder der Antrag auf Erlass eines Mahn­be­scheids), kei­ne ent­schei­dungs­er­heb­li­che Bedeu­tung mehr zukommt.

Zumut­bar­keit von Voll­stre­ckungs­maß­nah­men bei säu­mi­gen Kun­den – und der Ent­las­tungs­an­spruch

Ande­rer­seits kön­nen in den Ent­schei­dun­gen, die zur Erwir­kung eines Titels ergan­gen sind, Grund­sät­ze zum Tra­gen kom­men, die auch bei der Durch­füh­rung der sich anschlie­ßen­den Zwangs­voll­stre­ckung zu beach­ten sind. Nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs hat die gericht­li­che Gel­tend­ma­chung zu einem Zeit­punkt zu erfol­gen, zu dem ein im Geschäfts­ver­kehr die Grund­sät­ze ord­nungs­ge­mä­ßer kauf­män­ni­scher Geschäfts­füh­rung beach­ten­der und wie ein sorg­fäl­ti­ger Kauf­mann han­deln­der Mine­ral­öl­lie­fe­rant erken­nen muss, dass die Durch­set­zung des Kauf­preis­an­spruchs die Inan­spruch­nah­me der Zivil­ge­rich­te erfor­dert [4].

Ande­rer­seits hat ein Mine­ral­öl­lie­fe­rant, der bereits ein Ver­säum­nis­ur­teil gegen den Mine­ral­öl­emp­fän­ger erwirkt hat, beim Abschluss eines außer­ge­richt­li­chen Ver­gleichs eben­falls die Grund­sät­ze ord­nungs­ge­mä­ßer kauf­män­ni­scher Geschäfts­füh­rung zu beach­ten [5]. Bereits die­se Bei­spie­le bele­gen, dass die von der Beschwer­de auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge einer all­ge­mein­gül­ti­gen Klä­rung nicht fähig ist.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 14. Janu­ar 2015 – VII B 61/​14

  1. BFH-Ent­schei­dun­gen vom 08.01.2003 – VII R 7/​02, BFHE 200, 475, 478, ZfZ 2003, 165; und vom 21.05.2001 – VII B 53/​00, BFH/​NV 2001, 1304[]
  2. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 28.01.2003 – VII B 148/​02, BFH/​NV 2003, 661; und vom 08.02.2000 – VII B 269/​99, BFHE 191, 179, ZfZ 2000, 307[]
  3. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 19.11.2007 – VII R 1/​05, BFH/​NV 2008, 621; und vom 08.08.2006 – VII R 15/​06, BFH/​NV 2007, 109[]
  4. BFH, Ent­schei­dun­gen in BFH/​NV 2008, 1886; und vom 02.02.1999 – VII B 247/​98, BFHE 188, 217, ZfZ 1999, 305[]
  5. BFH, Urteil in BFHE 215, 392, ZfZ 2007, 45[]