Pro­be­boh­run­gen für ein Geo­ther­mie-Kraft­werk

Das Unter­neh­men Geo Ener­gy darf ab sofort mit den Arbei­ten begin­nen, die sich auf die Her­rich­tung eines Bohr­plat­zes in Wörth-Schaidt beschrän­ken. Dort will die Fir­ma nach dem Bau des Bohr­plat­zes zunächst Test­boh­run­gen zur Auf­su­chung von Ther­mal­was­ser in einer Tie­fe von bis zu 3000 m durch­füh­ren. Falls die­se erfolg­reich sind, plant das Unter­neh­men, auf einem Teil der Flä­che des Bohr­plat­zes ein Geo­ther­mie­kraft­werk zu errich­ten.

Pro­be­boh­run­gen für ein Geo­ther­mie-Kraft­werk

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt hat einem Antrag der Fir­ma auf vor­läu­fi­gen Rechts­schutz statt­ge­ge­ben und die sofor­ti­ge Voll­zie­hung der Zulas­sung eines soge­nann­ten Son­der­be­triebs­plans – begrenzt auf die Her­rich­tung des Bohr­plat­zes zur Vor­be­rei­tung der Tief­boh­run­gen – ange­ord­net.

Das Lan­des­amt für Geo­lo­gie und Berg­bau in Mainz hat­te im Juli 2010 die Zulas­sung für die­sen Son­der­be­triebs­plan – unter zahl­rei­chen Auf­la­gen vor allem was­ser­wirt­schaft­li­cher Art – erteilt. Die Stadt Wörth und der Was­ser­zweck­ver­band Bien­wald erho­ben im August 2010 dage­gen Wider­spruch. Auch Eigen­tü­mer von in der Nähe des Bohr­plat­zes lie­gen­den Grund­stü­cken wand­ten sich gegen die nach den Vor­schrif­ten des Bun­des­berg­ge­set­zes erteil­te Zulas­sung. Die Besorg­nis der Stadt Wörth und der pri­va­ten Wider­spruchs­füh­rer gilt der mög­li­chen Gefahr von seis­mi­schen Erschüt­te­run­gen bzw. Erd­be­ben und ihren Fol­gen für die Grund­stü­cke und Gebäu­de in dem davon betrof­fe­nen Gebiet. Der Was­ser­zweck­ver­band befürch­tet vor allem Beein­träch­ti­gun­gen der Trink­was­ser­ver­sor­gung, weil der Bohr­platz inner­halb der Zone III des Was­ser­schutz­ge­biets liegt, in dem sich sei­ne Brun­nen zur Trink­was­ser­ge­win­nung befin­den.

Auf­grund der Wider­sprü­che konn­te die Fir­ma Geo­En­er­gy mit den Arbei­ten bis­her nicht begin­nen. Seit Anfang 2011 läuft das Media­ti­ons­ver­fah­ren „Tie­fe Geo­ther­mie Vor­der­pfalz“, an dem u.a. ver­schie­de­ne Bür­ger­initia­ti­ven, das Land Rhein­land-Pfalz und die Fa. Geo­En­er­gy betei­ligt sind. Dabei geht es um grund­sätz­li­che Fra­gen der Geo­ther­mie und ver­schie­de­ne Stand­or­te für Geo­ther­mie­an­la­gen. Unter Hin­weis auf das Media­ti­ons­ver­fah­ren ent­schied das Lan­des­amt für Geo­lo­gie und Berg­bau nicht über die Wider­sprü­che und auch nicht über den von Geo­En­er­gy bereits Ende 2010 gestell­ten Antrag auf sofor­ti­ge Voll­zie­hung des Son­der­be­triebs­plans „Bohr­platz“.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt gab dem Antrag von Geo­En­er­gy jetzt statt. Das Media­ti­ons­ver­fah­ren ste­he dem nicht ent­ge­gen, weil Frie­dens­pflich­ten inso­weit nicht ver­ein­bart wor­den sei­en. Die Wider­sprü­che sei­en wahr­schein­lich unbe­grün­det. Mit der Her­rich­tung des Bohr­plat­zes, um die es der­zeit allein gehe, sei unstrei­tig kei­ne Erd­be­ben­ge­fahr ver­bun­den. Boh­run­gen sei­en jetzt nur bis in eine Tie­fe von ca. 55 m nötig, um zwei oder drei Stand­roh­re zu set­zen, durch die spä­ter die Tief­boh­run­gen geführt wür­den. Auch eine Ver­un­rei­ni­gung des Trink­was­sers im Zusam­men­hang mit der Her­rich­tung des Bohr­plat­zes sei nicht zu befürch­ten. Die­ser Gefahr sei durch die – auf fach­li­chen Stel­lung­nah­men beru­hen­den – aus­führ­li­chen Verhaltens‑, Unter­su­chungs – und Prüf­pflich­ten, die der Antrag­stel­le­rin in der Zulas­sung auf­er­legt sei­en, vor­ge­beugt wor­den.

Die Ein­wen­dun­gen der Gemein­de und der Bür­ger, die die mög­li­chen seis­mi­schen Fol­gen der Tief­boh­run­gen beträ­fen, sei­en im Wider­spruchs­ver­fah­ren zum – eben­falls schon zuge­las­se­nen – Son­der­be­triebs­plan „Tief­boh­rung“ zu prü­fen. Für die Errich­tung und den Betrieb eines Geo­ther­mie­kraft­werks sei ohne­hin ein eige­ner Haupt­be­triebs­plan erfor­der­lich. Im der­zei­ti­gen Ver­fah­rens­sta­di­um wür­den Rech­te der Wider­spruchs­füh­rer nicht ver­letzt. Es über­wie­ge des­we­gen ange­sichts hoher Vor­lauf- und Bereit­stel­lungs­kos­ten das Inter­es­se der antrag­stel­len­den Fir­ma dar­an, die Arbei­ten zur Her­rich­tung des Bohr­plat­zes zeit­nah durch­füh­ren zu kön­nen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Neu­stadt, Beschluss vom 28. Juli 2011 – 5 L 344/​11.NW