Preis­an­pas­sun­gen – und die Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen der Gas-Richt­li­nie

§ 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV ist mit den Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen der Gas-Richt­li­nie 2003/​55/​EG nicht ver­ein­bar [1]. § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV kann daher ein gesetz­li­ches Recht des Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens, gegen­über Tarif­kun­den die Prei­se ein­sei­tig nach bil­li­gem Ermes­sen zu ändern, nicht (mehr) ent­nom­men wer­den [2].

Preis­an­pas­sun­gen – und die Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen der Gas-Richt­li­nie

Der Grund­satz der richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung natio­na­len Rechts fin­det dort sei­ne Gren­ze, wo die natio­na­le Vor­schrift nicht richt­li­ni­en­kon­form aus­ge­legt wer­den könn­te, ohne dabei die Gren­zen der ver­fas­sungs­recht­li­chen Bin­dung des Rich­ters an das Gesetz zu spren­gen. Eine richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung setzt daher vor­aus, dass durch eine sol­che Aus­le­gung der erkenn­ba­re Wil­le des Gesetz- oder Ver­ord­nungs­ge­bers nicht ver­än­dert wird, son­dern die Aus­le­gung sei­nem Wil­len (noch) ent­spricht [3].

Ein den Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen der Gas-Richt­li­nie 2003/​55/​EG ent­spre­chen­des Preis­än­de­rungs­recht kann nicht aus einer richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung des § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV oder der die Grund­ver­sor­gung betref­fen­den Vor­schrif­ten des Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes her­ge­lei­tet wer­den, da eine sol­che Aus­le­gung über den erkenn­ba­ren Wil­len des natio­na­len Gesetz- und Ver­ord­nungs­ge­bers hin­aus­gin­ge.

Die hier­durch im Tarif­kun­den­ver­trag ein­ge­tre­te­ne Rege­lungs­lü­cke ist im Wege einer gebo­te­nen ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung (§§ 157, 133 BGB) dahin­ge­hend zu schlie­ßen, dass das Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men berech­tigt ist, Kos­ten­stei­ge­run­gen sei­ner eige­nen (Bezugs)Kosten, soweit die­se nicht durch Kos­ten­sen­kun­gen in ande­ren Berei­chen aus­ge­gli­chen wer­den, an den Tarif­kun­den wei­ter­zu­ge­ben, und das Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men ver­pflich­tet ist, bei einer Tarif­an­pas­sung Kos­ten­sen­kun­gen eben­so zu berück­sich­ti­gen wie Kos­ten­er­hö­hun­gen. Der nach die­ser Maß­ga­be berech­tig­ter­wei­se erhöh­te Preis wird zum ver­ein­bar­ten Preis. Für eine zusätz­li­che Bil­lig­keits­kon­trol­le gemäß § 315 BGB ist des­halb kein Raum.

Die Beur­tei­lung, ob die Preis­er­hö­hun­gen des Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens – wie im Rah­men des vor­ge­nann­ten Preis­än­de­rungs­rechts erfor­der­lich – des­sen (Bezugs)Kostensteigerungen (hin­rei­chend) abbil­den, hat der Tatrich­ter auf der Grund­la­ge der Umstän­de des Ein­zel­falls und unter Berück­sich­ti­gung der Schät­zungs­mög­lich­keit nach § 287 Abs. 2 in Ver­bin­dung mit § 287 Abs. 1 Satz 1 ZPO vor­zu­neh­men.

Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Wei­ter­ga­be der Kos­ten­sen­kun­gen und Kos­ten­er­hö­hun­gen nicht tages­ge­nau erfol­gen muss, son­dern auf die Kos­ten­ent­wick­lung in einem gewis­sen Zeit­raum abzu­stel­len ist. Die Bemes­sung die­ses Zeit­raums obliegt der Beur­tei­lung des Tatrich­ters nach den Umstän­den des Ein­zel­falls. In den meis­ten Fäl­len wird das Gas­wirt­schafts­jahr ein geeig­ne­ter Prü­fungs­maß­stab sein [4].

Von dem aus der ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung fol­gen­den Preis­än­de­rungs­recht des Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens nicht umfasst sind Preis­er­hö­hun­gen, die über die blo­ße Wei­ter­ga­be von (Bezugs)Kostensteigerungen hin­aus­ge­hen und der Erzie­lung eines (zusätz­li­chen) Gewinns die­nen. Etwas ande­res gilt – sowohl im Fal­le der Rück­for­de­rung als auch im Fal­le der Rest­for­de­rung von Ent­gelt für Ener­gie­lie­fe­run­gen – aller­dings unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen dann, wenn bei einem lang­jäh­ri­gen Ener­gie­lie­fe­rungs­ver­hält­nis der Kun­de die Preis­er­hö­hung nicht inner­halb eines Zeit­raums von drei Jah­ren nach Zugang der jewei­li­gen Jah­res­ab­rech­nung, in der die Preis­er­hö­hung erst­mals berück­sich­tigt wor­den ist, bean­stan­det hat [5]. Der danach maß­geb­li­che Preis tritt an die Stel­le des Anfangs­prei­ses [6].

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te das kla­gen­de Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men Stei­ge­run­gen sei­ner eige­nen Gas­be­zugs­kos­ten zum Anlass genom­men, die­se durch ent­spre­chen­de Preis­er­hö­hun­gen an die beklag­ten Tarif­kun­den wei­ter­zu­ge­ben. Die­se wider­spra­chen den Preis­er­hö­hun­gen und zahl­ten die Erhö­hungs­be­trä­ge nicht oder ledig­lich zu einem gerin­gen Teil. Mit ihren Kla­gen hat das Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men die Zah­lung des rest­li­chen Ent­gelts für die von ihm erbrach­ten Erd­gas­lie­fe­run­gen begehrt. Die Kla­gen hat­te in den Vor­in­stan­zen vor dem Land­ge­richt [7] und dem Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf [8] Erfolg. Die vom Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf zuge­las­se­ne Gas­ver­sor­ge­rin des beklag­ten Gas­kun­den hat der Bun­des­ge­richts­hof nun eben­falls zurück­ge­wie­sen: zwar ste­he dem Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men ein Recht zur Wei­ter­ga­be von (Bezugs)Kostensteigerungen nicht (mehr) aus § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV, aber auf­grund einer gebo­te­nen ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung (§§ 157, 133 BGB) des Gas­lie­fe­rungs­ver­tra­ges der Par­tei­en zu:

Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat der Gas­ver­sor­ge­rin im Ergeb­nis zu Recht einen Anspruch aus § 433 Abs. 2 BGB in Ver­bin­dung mit dem Gas­lie­fe­rungs­ver­trag der Par­tei­en auf Zah­lung rest­li­chen Ent­gelts in Höhe von 813, 35 € nebst Zin­sen für die Gas­lie­fe­run­gen in den Abrech­nungs­jah­ren 2004 bis 2007 zuer­kannt und dem Beklag­ten (auch) hin­sicht­lich des über­ein­stim­mend in der Haupt­sa­che für erle­digt erklär­ten Teils der ursprüng­li­chen Kla­ge­for­de­rung die Kos­ten des Beru­fungs­ver­fah­rens auf­er­legt (§ 91a Abs. 1 Satz 1 ZPO). Aller­dings war die Gas­ver­sor­ge­rin ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf im Rah­men des hier vor­lie­gen­den Tarif­kun­den­ver­trags nicht schon des­we­gen zu einer Erhö­hung des Arbeits­prei­ses berech­tigt, weil nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs dem – hier maß­geb­li­chen – § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV ein nur den in die­ser Vor­schrift genann­ten Wirk­sam­keits­er­for­der­nis­sen unter­lie­gen­des gesetz­li­ches Recht ent­nom­men wor­den ist, die Prei­se ein­sei­tig nach bil­li­gem Ermes­sen zu ändern. Denn an der vor­be­zeich­ne­ten Recht­spre­chung kann nach dem auf Vor­la­ge des Bun­des­ge­richts­hofs ergan­ge­nen Urteil des Uni­ons­ge­richts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on vom 23.10.2014 (EuGH, Urteil vom 23.10.2014 – C‑359/​11 und C‑400/​11, NJW 2015, 849 – Schulz und Egbring­hoff)) nicht fest­ge­hal­ten wer­den, da § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV nicht mit den Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen der Gas-Richt­li­nie 2003/​55/​EG ver­ein­bar ist. Ein die­sen Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen ent­spre­chen­des gesetz­li­ches Preis­än­de­rungs­recht des Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens im Tarif­kun­den­be­reich kann auch nicht aus einer richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung des § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV oder der die Grund­ver­sor­gung betref­fen­den Vor­schrif­ten des – der AVB­GasV zugrun­de­lie­gen­den – Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes her­ge­lei­tet wer­den, da eine sol­che Aus­le­gung über den erkenn­ba­ren Wil­len des (natio­na­len) Gesetz- und Ver­ord­nungs­ge­bers hin­aus­gin­ge. Eine unmit­tel­ba­re Anwen­dung der Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen der Gas-Richt­li­nie 2003/​55/​EG kommt im vor­lie­gen­den Fall eben­falls nicht in Betracht.

Jedoch ergibt sich aus einer gebo­te­nen ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung (§§ 157, 133 BGB) des Gas­lie­fe­rungs­ver­tra­ges der Par­tei­en, dass die Gas­ver­sor­ge­rin berech­tigt ist, Kos­ten­stei­ge­run­gen ihrer eige­nen (Bezugs)Kosten wäh­rend der Ver­trags­lauf­zeit an den Beklag­ten wei­ter­zu­ge­ben, und sie ver­pflich­tet ist, bei einer Tarif­an­pas­sung Kos­ten­sen­kun­gen eben­so zu berück­sich­ti­gen wie Kos­ten­er­hö­hun­gen. Hier­von aus­ge­hend war die Gas­ver­sor­ge­rin zu den streit­ge­gen­ständ­li­chen Erhö­hun­gen des Arbeits­prei­ses berech­tigt und begeg­nen die­se, wie das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf ohne Rechts­feh­ler fest­ge­stellt hat, auch der Höhe nach kei­nen Beden­ken.

Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat den Ener­gie­lie­fe­rungs­ver­trag der Par­tei­en – ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Gas­ver­sor­ge­rin – rechts­feh­ler­frei als einen Tarif­kun­den­ver­trag (jetzt: Grund­ver­sor­gungs­ver­trag) ange­se­hen. Ver­geb­lich rügt die Gas­ver­sor­ge­rin, aus der von der Gas­ver­sor­ge­rin vor­ge­nom­me­nen Best­preis­ab­rech­nung fol­ge, dass es sich um einen Son­der­kun­den­ver­trag han­de­le.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kommt es für die Fra­ge, ob es sich bei öffent­lich bekannt gemach­ten Ver­trags­mus­tern und Prei­sen um Tarif- bezie­hungs­wei­se Grund­ver­sor­gungs­ver­trä­ge mit all­ge­mei­nen Tarif­prei­sen im Sin­ne von § 6 Abs. 1 des Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes (EnWiG 1935) in der im Bun­des­ge­setz­blatt Teil III, Glie­de­rungs­num­mer 7521, ver­öf­fent­lich­ten berei­nig­ten Fas­sung, All­ge­mei­nen Tari­fen im Sin­ne von § 10 Abs. 1 des Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes vom 24.04.1998 ( EnWG 1998) [9] oder All­ge­mei­nen Prei­sen im Sin­ne von § 36 Abs. 1 des Geset­zes über die Elek­tri­zi­täts- und Gas­ver­sor­gung (Ener­gie­wirt­schafts­ge­setz – EnWG 2005) vom 07.07.2005 [10] han­delt, dar­auf an, ob das betref­fen­de Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men die Ver­sor­gung zu den öffent­lich bekannt gemach­ten Bedin­gun­gen und Prei­sen – aus der Sicht eines durch­schnitt­li­chen Abneh­mers – im Rah­men einer Ver­sor­gungs­pflicht nach den genann­ten Vor­schrif­ten oder unab­hän­gig davon im Rah­men der all­ge­mei­nen Ver­trags­frei­heit anbie­tet [11]. Ers­te­res ist hier nach den rechts­feh­ler­frei­en Fest­stel­lun­gen des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf der Fall.

Wie das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf eben­falls zutref­fend erkannt hat, steht es nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs einem Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men – anders als die Gas­ver­sor­ge­rin meint – auch im Rah­men der Grund­ver­sor­gung frei, ver­schie­de­ne Tari­fe anzu­bie­ten, und zwar auch sol­che, bei denen – wie hier – die Tarif­ein­stu­fung auto­ma­tisch nach dem Prin­zip der Best­preis­ab­rech­nung erfolgt [12].

Mit ihrer dem­ge­gen­über ver­tre­te­nen Auf­fas­sung, ein etwai­ges Tarif­kun­den­ver­hält­nis der Par­tei­en sei durch die Ankün­di­gung der Gas­ver­sor­ge­rin, eine Best­preis­ab­rech­nung vor­zu­neh­men, in ein (Norm)Sonderkundenverhältnis umge­wan­delt wor­den, ver­kennt die Gas­ver­sor­ge­rin zudem, dass ein Tarif­kun­den­ver­hält­nis nicht ohne wei­te­res durch ein­sei­ti­ge Erklä­rung des Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens in ein (Norm)Sonderkundenverhältnis umge­wan­delt wer­den kann [13]. Eine hier­für nach der vor­ste­hend genann­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs viel­mehr erfor­der­li­che aus­drück­li­che oder kon­klu­den­te Ver­trags­än­de­rung hat das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf nicht fest­ge­stellt. Über­gan­ge­nen Sach­vor­trag zeigt die Gas­ver­sor­ge­rin inso­weit nicht auf.

Im Ergeb­nis rechts­feh­ler­frei hat das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf ange­nom­men, dass der Gas­ver­sor­ge­rin im Rah­men des Tarif­kun­den­ver­trags der Par­tei­en das Recht zustand, den Arbeits­preis in dem streit­ge­gen­ständ­li­chen Umfang zu erhö­hen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat ein berech­tig­tes Inter­es­se (auch) von Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men, Kos­ten­stei­ge­run­gen wäh­rend der Ver­trags­lauf­zeit an ihre Kun­den wei­ter­zu­ge­ben, grund­sätz­lich aner­kannt [14]. Für den Tarif­kun­den­be­reich hat der Bun­des­ge­richts­hof bis zu sei­nem Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen in der Sache – VIII ZR 71/​10 [15] der – hier gemäß § 115 Abs. 2 Satz 3 EnWG 2005 und der Über­gangs­re­ge­lung in § 23 der Ver­ord­nung über All­ge­mei­ne Bedin­gun­gen für die Grund­ver­sor­gung von Haus­halts­kun­den und die Ersatz­ver­sor­gung mit Gas aus dem Nie­der­druck­netz (Gas­grund­ver­sor­gungs­ver­ord­nung – GasGVV) vom 26.10.2006 [16] maß­geb­li­chen – Vor­schrift des § 4 Abs. 1 und 2 der Ver­ord­nung über All­ge­mei­ne Bedin­gun­gen für die Gas­ver­sor­gung von Tarif­kun­den vom 21.06.1979 [17] ent­nom­men, dass dem Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men das Recht zusteht, Prei­se nach bil­li­gem Ermes­sen (§ 315 BGB) zu ändern [18]. Wei­ter hat er aus die­ser Vor­schrift abge­lei­tet, dass den Gas­ver­sor­ger auf­grund der gesetz­li­chen Bin­dung des all­ge­mei­nen Tarifs an den Maß­stab der Bil­lig­keit zugleich die Rechts­pflicht trifft, bei einer Preis­än­de­rung Kos­ten­sen­kun­gen eben­so und nach glei­chen Maß­stä­ben zu berück­sich­ti­gen wie Kos­ten­er­hö­hun­gen [19].

In § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV war bestimmt, dass das Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men zu den jewei­li­gen all­ge­mei­nen Tari­fen und Bedin­gun­gen Gas zur Ver­fü­gung stellt und dass Ände­run­gen der all­ge­mei­nen Tari­fe und Bedin­gun­gen erst nach öffent­li­cher Bekannt­ga­be wirk­sam wer­den. Mit der Ein­fü­gung des Wor­tes „jewei­li­gen“ soll­te nach der Begrün­dung des Ver­ord­nungs­ge­bers [20] aus­drück­lich klar­ge­stellt wer­den, dass das Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men die Mög­lich­keit hat, die all­ge­mei­nen Tari­fe durch öffent­li­che Bekannt­ga­be glei­tend, das heißt ohne Kün­di­gung, zu ändern. In der Begrün­dung zu § 4 AVB­GasV heißt es hier­zu [21]:

„Nach Absatz 1 sind die GVU [Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men] ver­pflich­tet, die Kun­den zu den ‚jewei­li­gen’ all­ge­mei­nen Tari­fen und Bedin­gun­gen, wozu auch die­je­ni­gen Rege­lun­gen gehö­ren, die sie in Aus­fül­lung der vor­lie­gen­den Ver­ord­nung vor­se­hen, zu ver­sor­gen. Auf die­se Wei­se wird sicher­ge­stellt, dass sich z.B. Tarif­än­de­run­gen ohne ent­spre­chen­de Kün­di­gun­gen der lau­fen­den Ver­trä­ge nach öffent­li­cher Bekannt­ga­be (Absatz 2) voll­zie­hen kön­nen. Dies trägt dem Umstand Rech­nung, dass es sich um Mas­sen­schuld­ver­hält­nis­se mit lang­fris­ti­ger Ver­trags­bin­dung han­delt. Die GVU müs­sen die Mög­lich­keit haben, Kos­ten­stei­ge­run­gen wäh­rend der Ver­trags­lauf­zeit in den Prei­sen an die Kun­den wei­ter­zu­ge­ben. Ent­spre­chen­de Ver­trags­kün­di­gun­gen, ver­bun­den mit dem Neu­ab­schluss von Ver­trä­gen, wür­den hier vor allem zu prak­ti­schen Schwie­rig­kei­ten füh­ren […]“

Dar­aus hat der Bun­des­ge­richts­hof her­ge­lei­tet, dass § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV, auch wenn dar­in ein Preis­än­de­rungs­recht nicht aus­drück­lich kodi­fi­ziert ist, den Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men im Bereich der Ver­sor­gung von Tarif­kun­den ein ein­sei­ti­ges Leis­tungs­be­stim­mungs­recht gewährt [22].

Die­se Vor­schrif­ten sind mit Wir­kung zum 8.11.2006 durch § 5 Abs. 2 GasGVV ersetzt wor­den, ohne dass sich dadurch in der Sache etwas ändern soll­te [23]. Nach § 6 Abs. 1 Satz 2 GasGVV ist der Grund­ver­sor­ger auch wei­ter­hin nur ver­pflich­tet, dem Kun­den zu den jewei­li­gen All­ge­mei­nen Prei­sen und Bedin­gun­gen Gas zur Ver­fü­gung zu stel­len. Ent­spre­chend geht § 17 Abs. 1 Satz 3 GasGVV davon aus, dass All­ge­mei­ne Prei­se für Gas auf einer ein­sei­ti­gen Leis­tungs­be­stim­mung durch den Ver­sor­ger beru­hen kön­nen, die der Kun­de nach § 315 BGB auf ihre Bil­lig­keit hin über­prü­fen las­sen kann [24].

Da die im Streit­fall maß­geb­li­che Rege­lung des § 4 Abs. 1 und 2 AVB-GasV hin­sicht­lich Anlass, Vor­aus­set­zun­gen und Umfang des dem Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men zuste­hen­den ein­sei­ti­gen Leis­tungs­be­stim­mungs­rechts [25] kei­ne nähe­ren tat­be­stand­li­chen Kon­kre­ti­sie­run­gen ent­hält, hängt die Mög­lich­keit, die­ser Vor­schrift im Aus­le­gungs­we­ge ein wirk­sa­mes Preis­än­de­rungs­recht zu ent­neh­men, davon ab, ob sol­che tat­be­stand­li­chen Kon­kre­ti­sie­run­gen von Art. 3 Abs. 3 Satz 4 bis 6 in Ver­bin­dung mit Anhang A Buchst. b oder c der Richt­li­nie 2003/​55/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 26.06.2003 über gemein­sa­me Vor­schrif­ten für den Erd­gas­bin­nen­markt und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 98/​30/​EG [26] gefor­dert wer­den [27].

Der Bun­des­ge­richts­hof hat des­halb mit vor­ge­nann­tem Beschluss vom 18.05.2011 dem Uni­ons­ge­richts­hof fol­gen­de Fra­gen gemäß Art. 267 AEUV zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:

„Ist Art. 3 Abs. 3 in Ver­bin­dung mit Anhang A Buchst. b und/​oder c der Richt­li­nie 2003/​55/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 26.06.2003 über gemein­sa­me Vor­schrif­ten für den Erd­gas­bin­nen­markt und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 98/​30/​EG dahin aus­zu­le­gen, dass eine natio­na­le gesetz­li­che Rege­lung über Preis­än­de­run­gen in Erd­gas­lie­fe­rungs­ver­trä­gen mit Haus­halts-Kun­den, die im Rah­men der all­ge­mei­nen Ver­sor­gungs­pflicht belie­fert wer­den (Tarif­kun­den), den Anfor­de­run­gen an das erfor­der­li­che Maß an Trans­pa­renz genügt, wenn in ihr Anlass, Vor­aus­set­zun­gen und Umfang einer Preis­än­de­rung zwar nicht wie­der­ge­ge­ben sind, jedoch sicher­ge­stellt ist, dass das Gas­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men sei­nen Kun­den jede Preis­er­hö­hung mit ange­mes­se­ner Frist im Vor­aus mit­teilt und den Kun­den das Recht zusteht, sich durch Kün­di­gung vom Ver­trag zu lösen, wenn sie die ihnen mit­ge­teil­ten geän­der­ten Bedin­gun­gen nicht akzep­tie­ren wol­len?“

Der Uni­ons­ge­richts­hof hat die­se Fra­ge sowie die ihm durch Beschluss vom 29.06.2011 [28] vor­ge­leg­te, zu gemein­sa­mer Ent­schei­dung ver­bun­de­ne gleich­lau­ten­de Fra­ge zu § 4 Abs. 1 und 2 der Ver­ord­nung über All­ge­mei­ne Bedin­gun­gen für die Elek­tri­zi­täts­ver­sor­gung von Tarif­kun­den vom 21.06.1979 [29] bezie­hungs­wei­se zu § 5 Abs. 2 der Ver­ord­nung über All­ge­mei­ne Bedin­gun­gen für die Grund­ver­sor­gung von Haus­halts­kun­den und die Ersatz­ver­sor­gung mit Elek­tri­zi­tät aus dem Nie­der­span­nungs­netz vom 26.10.2006 (Strom­grund­ver­sor­gungs­ver­ord­nung – StromGVV) [16] und zu Art. 3 Abs. 5 Satz 3 bis 5 in Ver­bin­dung mit Anhang A Buchst. b oder c der Richt­li­nie 2003/​54/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 26.06.2003 über gemein­sa­me Vor­schrif­ten für den Elek­tri­zi­täts­bin­nen­markt und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 96/​92/​EG [30] mit Urteil vom 23.10.2014 [31] wie folgt beant­wor­tet:

„Art. 3 Abs. 5 in Ver­bin­dung mit Anhang A der Richt­li­nie 2003/​54/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 26.06.2003 über gemein­sa­me Vor­schrif­ten für den Elek­tri­zi­täts­bin­nen­markt und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 96/​92/​EG und Art. 3 Abs. 3 in Ver­bin­dung mit Anhang A der Richt­li­nie 2003/​55/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 26.06.2003 über gemein­sa­me Vor­schrif­ten für den Erd­gas­bin­nen­markt und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 98/​30/​EG sind dahin aus­zu­le­gen, dass sie einer natio­na­len Rege­lung wie der im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­chen ent­ge­gen­ste­hen, die den Inhalt von unter die all­ge­mei­ne Ver­sor­gungs­pflicht fal­len­den Ver­brau­cher­ver­trä­gen über Strom- und Gas­lie­fe­run­gen bestimmt und die Mög­lich­keit vor­sieht, den Tarif die­ser Lie­fe­run­gen zu ändern, aber nicht gewähr­leis­tet, dass die Ver­brau­cher recht­zei­tig vor Inkraft­tre­ten die­ser Ände­rung über deren Anlass, Vor­aus­set­zun­gen und Umfang infor­miert wer­den.“

Zur Begrün­dung hat der Uni­ons­ge­richts­hof im Wesent­li­chen aus­ge­führt:

Neben den in den bei­den Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen des Bun­des­ge­richts­hofs genann­ten Richt­li­ni­en (Gas-Richt­li­nie und Strom-Richt­li­nie) fin­de hier – anders als in dem eben­falls auf Vor­la­ge des Bun­des­ge­richts­hofs [32] ergan­ge­nen, Gas­lie­fe­rungs­ver­trä­ge mit Son­der­kun­den betref­fen­den Urteil des Uni­ons­ge­richts­hofs vom 21.03.2013 [33] – nicht auch die Richt­li­nie 93/​13/​EWG des Rates vom 05.04.1993 über miss­bräuch­li­che Klau­seln in Ver­brau­cher­ver­trä­gen (Klau­sel-Richt­li­nie) [34], Anwen­dung. Denn nach Art. 1 der Klau­sel-Richt­li­nie unter­lä­gen Ver­trags­klau­seln, die – wie hier – auf bin­den­den Rechts­vor­schrif­ten beruh­ten, nicht den Bestim­mun­gen die­ser Richt­li­nie.

Zweck der Gas-Richt­li­nie und der Strom-Richt­li­nie sei die Ver­bes­se­rung der Funk­ti­ons­wei­se des Elek­tri­zi­täts- und des Gas­bin­nen­markts. Ein nicht­dis­kri­mi­nie­ren­der, trans­pa­ren­ter und zu ange­mes­se­nen Prei­sen gewähr­leis­te­ter Netz­zu­gang sei Vor­aus­set­zung für einen funk­tio­nie­ren­den Wett­be­werb und von größ­ter Bedeu­tung für die Voll­endung des Elek­tri­zi­täts- und des Gas­bin­nen­markts. Den Bestim­mun­gen der vor­ge­nann­ten Richt­li­ni­en lägen Belan­ge des Ver­brau­cher­schut­zes zugrun­de. Die­se Belan­ge stün­den in engem Zusam­men­hang sowohl mit der Libe­ra­li­sie­rung der in Rede ste­hen­den Märk­te als auch mit dem eben­falls mit die­sen Richt­li­ni­en ver­folg­ten Ziel, eine sta­bi­le Elek­tri­zi­täts- und Gas­ver­sor­gung zu gewähr­leis­ten.

Abs. 3 der Gas-Richt­li­nie und Art. 3 Abs. 5 der Strom-Richt­li­nie ent­hiel­ten die Bestim­mun­gen, die die Errei­chung des vor­ste­hend genann­ten Ziels ermög­lich­ten. Aus dem Wort­laut die­ser Vor­schrif­ten gehe her­vor, dass die Mit­glied­staa­ten geeig­ne­te Maß­nah­men zum Schutz der End­kun­den zu ergrei­fen und ins­be­son­de­re dafür Sor­ge zu tra­gen hät­ten, dass für schutz­be­dürf­ti­ge Kun­den ein ange­mes­se­ner Schutz bestehe. Da die Strom- und Gas­ver­sor­ger, wenn sie – wie hier – als Ver­sor­ger letz­ter Instanz han­del­ten, ver­pflich­tet sei­en, im Rah­men der durch die natio­na­len Rechts­vor­schrif­ten auf­er­leg­ten Ver­pflich­tun­gen mit allen Kun­den, die dar­um ersuch­ten und die dazu berech­tigt sei­en, zu den in die­sen Rechts­vor­schrif­ten vor­ge­se­he­nen Bedin­gun­gen Ver­trä­ge zu schlie­ßen, sei­en aller­dings die wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen die­ser Ver­sor­ger inso­weit zu berück­sich­ti­gen, als sie sich die ande­re Ver­trags­par­tei nicht aus­su­chen und den Ver­trag nicht belie­big been­den könn­ten. Was zum ande­ren kon­kret die Rech­te der Kun­den betref­fe, müss­ten die Mit­glied­staa­ten nach den oben genann­ten Vor­schrif­ten der Richt­li­ni­en in Bezug auf die Trans­pa­renz der all­ge­mei­nen Ver­trags­be­din­gun­gen einen hohen Ver­brau­cher­schutz gewähr­leis­ten. Den Kun­den müs­se neben ihrem in Anhang A Buchst. b bei­der Richt­li­ni­en ver­an­ker­ten Recht, sich vom Lie­fer­ver­trag zu lösen, auch die Befug­nis erteilt wer­den, gegen Ände­run­gen der Lie­fer­prei­se vor­zu­ge­hen.

Um die­se Rech­te in vol­lem Umfang und tat­säch­lich nut­zen und in vol­ler Sach­kennt­nis eine Ent­schei­dung über eine mög­li­che Lösung vom Ver­trag oder ein Vor­ge­hen gegen die Ände­rung des Lie­fer­prei­ses tref­fen zu kön­nen, müss­ten die Kun­den recht­zei­tig vor dem Inkraft­tre­ten die­ser Ände­rung über deren Anlass, Vor­aus­set­zun­gen und Umfang infor­miert wer­den. Folg­lich genü­ge eine natio­na­le Rege­lung wie die im Aus­gangs­ver­fah­ren frag­li­che, die nicht gewähr­leis­te, dass einem Haus­halts­kun­den die vor­ste­hend ange­führ­te Infor­ma­ti­on recht­zei­tig über­mit­telt wer­de, den in der Gas-Richt­li­nie und in der Strom-Richt­li­nie auf­ge­stell­ten Anfor­de­run­gen nicht.

An die­ses Aus­le­gungs­er­geb­nis sind die natio­na­len Gerich­te gebun­den. Des­halb kann – ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Gas­ver­sor­ger­ins­er­wi­de­rung – an der bis­he­ri­gen Sicht­wei­se des Bun­des­ge­richts­hofs, wonach § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV ein gesetz­li­ches Preis­än­de­rungs­recht zu ent­neh­men ist, des­sen wirk­sa­me Aus­übung an kei­ne wei­te­ren als die in die­ser Vor­schrift genann­ten Vor­aus­set­zun­gen geknüpft ist, jeden­falls für die Zeit nach Ablauf der gemäß Art. 33 Abs. 1 der Gas-Richt­li­nie bis zum 1.07.2004 rei­chen­den Frist zu deren Umset­zung nicht mehr fest­ge­hal­ten wer­den.

Im Wege einer richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung oder einer richt­li­ni­en­kon­for­men Rechts­fort­bil­dung des § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV oder der die Grund­ver­sor­gung betref­fen­den Vor­schrif­ten des – der AVB­GasV zugrun­de lie­gen­den und ihr über­ge­ord­ne­ten – Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes lässt sich ein den Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen der Gas-Richt­li­nie nach Maß­ga­be der vor­ge­nann­ten Aus­füh­run­gen des Uni­ons­ge­richts­hofs ent­spre­chen­des Recht des Gas­ver­sor­gers zur ein­sei­ti­gen Ände­rung der Prei­se eben­falls nicht her­lei­ten.

Aus­gangs­punkt für eine richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung oder Rechts­fort­bil­dung ist § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV, der durch das vor­be­zeich­ne­te Urteil des Uni­ons­ge­richts­hofs und die sich dar­aus erge­ben­de Unver­ein­bar­keit mit den Trans­pa­renz­erfor­der­nis­sen der Gas-Richt­li­nie nicht unan­wend­bar gewor­den ist. Gemäß Art. 267 Abs. 1 Buchst. b AEUV ent­schei­det der Uni­ons­ge­richts­hof beim Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­ren ledig­lich über die Aus­le­gung des Uni­ons­rechts [35], nicht hin­ge­gen über die Ver­ein­bar­keit natio­na­ler Rechts­nor­men mit den gemein­schafts­recht­li­chen Vor­schrif­ten und dem­zu­fol­ge auch nicht über die Fra­ge der mög­li­chen Unan­wend­bar­keit der betref­fen­den natio­na­len Rechts­nor­men wegen deren Uni­ons­rechts­wid­rig­keit [36].

Die natio­na­len Gerich­te sind nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs auf­grund des Umset­zungs­ge­bots gemäß Art. 288 Abs. 3 AEUV und des Grund­sat­zes der Gemein­schafts­treue gemäß Art. 4 Abs. 3 EUV ver­pflich­tet, die Aus­le­gung des natio­na­len Rechts unter vol­ler Aus­schöp­fung des Beur­tei­lungs­spiel­raums, den ihnen das natio­na­le Recht ein­räumt, soweit wie mög­lich am Wort­laut und Zweck der Richt­li­nie aus­zu­rich­ten, um das mit der Richt­li­nie ver­folg­te Ziel zu errei­chen [37].

Die­ser von der Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs gepräg­te Grund­satz der richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung ver­langt von den natio­na­len Gerich­ten mehr als eine blo­ße Aus­le­gung im enge­ren Sin­ne. Er erfor­dert auch, das natio­na­le Recht, wo dies nötig und mög­lich ist, richt­li­ni­en­kon­form fort­zu­bil­den [38]. Eine Rechts­fort­bil­dung setzt eine ver­deck­te Rege­lungs­lü­cke im Sin­ne einer plan­wid­ri­gen Unvoll­stän­dig­keit des Geset­zes vor­aus [39]. Eine sol­che ist etwa dann anzu­neh­men, wenn der Gesetz­ge­ber mit der von ihm geschaf­fe­nen Rege­lung eine Richt­li­nie umset­zen woll­te, hier­bei aber deren Inhalt miss­ver­stan­den hat [40].

Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind hier indes nicht erfüllt. Eine richt­li­ni­en­kon­for­me Rechts­fort­bil­dung, die im Ergeb­nis dazu führ­te, die Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen der Gas-Richt­li­nie in der Aus­le­gung, die die­se durch das oben genann­te Urteil des Uni­ons­ge­richts­hofs vom 23.10.2014 gefun­den haben, in das natio­na­le Recht, hier nament­lich in § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV, ergän­zend auf­zu­neh­men, wür­de die den Gerich­ten durch den Wil­len des natio­na­len Gesetz­ge­bers gezo­ge­nen Gren­zen der Aus­le­gung über­schrei­ten. Dies gilt erst recht, wenn die Ein­hal­tung die­ser Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen als Vor­aus­set­zung für die Wirk­sam­keit einer Preis­än­de­rung anzu­se­hen wäre [41].

Der Grund­satz der uni­ons­rechts­kon­for­men Aus­le­gung des natio­na­len Rechts unter­liegt nach der Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs bestimm­ten Schran­ken. So fin­det die Ver­pflich­tung des natio­na­len Rich­ters, bei der Aus­le­gung und Anwen­dung der ein­schlä­gi­gen Vor­schrif­ten des inner­staat­li­chen Rechts den Inhalt einer Richt­li­nie her­an­zu­zie­hen, ihre Schran­ken in den all­ge­mei­nen Rechts­grund­sät­zen und darf nicht als Grund­la­ge für eine Aus­le­gung con­tra legem des natio­na­len Rechts die­nen [42].

Auch nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts gilt der Grund­satz richt­li­ni­en­kon­for­mer Aus­le­gung nicht schran­ken­los. Er fin­det viel­mehr dort sei­ne Gren­ze, wo die natio­na­le Vor­schrift nicht richt­li­ni­en­kon­form aus­ge­legt wer­den könn­te, ohne dabei die Gren­zen der ver­fas­sungs­recht­li­chen Bin­dung des Rich­ters an das Gesetz zu spren­gen. Eine die Geset­zes­bin­dung des Rich­ters über­schrei­ten­de Aus­le­gung ist auch durch den Grund­satz der Uni­ons­treue nicht zu recht­fer­ti­gen [43].

Abs. 2 GG, der dem Grund­satz der Gewal­ten­tei­lung Aus­druck ver­leiht, ver­wehrt es den Gerich­ten, Befug­nis­se zu bean­spru­chen, die die Ver­fas­sung dem Gesetz­ge­ber über­tra­gen hat, indem sie sich aus der Rol­le des Norman­wen­ders in die einer norm­set­zen­den Instanz bege­ben und sich damit der Bin­dung an Recht und Gesetz ent­zie­hen. Der Rechts­fort­bil­dung sind des­halb mit Rück­sicht auf den aus Grün­den der Rechts­staat­lich­keit unver­zicht­ba­ren Grund­satz der Geset­zes­bin­dung der Recht­spre­chung (Art.20 Abs. 3 GG) Gren­zen gesetzt.

Dies gilt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts glei­cher­ma­ßen und unab­hän­gig davon, ob das anzu­wen­den­de ein­fa­che natio­na­le Recht der Umset­zung einer Richt­li­nie der Euro­päi­schen Uni­on dient oder nicht. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass der aus Art. 4 Abs. 3 EUV fol­gen­de Grund­satz der Uni­ons­treue alle mit­glied­staat­li­chen Stel­len, also auch Gerich­te, dazu ver­pflich­tet, die­je­ni­ge Aus­le­gung des natio­na­len Rechts zu wäh­len, die dem Inhalt einer EU-Richt­li­nie in der ihr vom Uni­ons­ge­richts­hof gege­be­nen Aus­le­gung ent­spricht. Denn die uni­ons­recht­li­che Pflicht zur richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung ver­pflich­tet das natio­na­le Gericht zwar, durch die Anwen­dung sei­ner Aus­le­gungs­me­tho­den ein richt­li­ni­en­kon­for­mes Ergeb­nis zu erzie­len. Aller­dings fin­det die Pflicht zur Ver­wirk­li­chung des Richt­li­ni­en­ziels im Aus­le­gungs­we­ge zugleich ihre Gren­zen an dem nach inner­staat­li­cher Rechts­tra­di­ti­on metho­disch Erlaub­ten. Ob und inwie­weit das inner­staat­li­che Recht eine ent­spre­chen­de richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung zulässt, kön­nen nur inner­staat­li­che Gerich­te beur­tei­len. Sowohl die Iden­ti­fi­zie­rung als auch die Wahr­neh­mung metho­di­scher Spiel­räu­me des natio­na­len Rechts obliegt – auch bei durch Richt­li­ni­en deter­mi­nier­tem natio­na­lem Recht – den natio­na­len Stel­len in den Gren­zen des Ver­fas­sungs­rechts [44].

Dem­entspre­chend hat auch der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den, dass eine richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung – eben­so wie die ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung – vor­aus­setzt, dass durch eine sol­che Aus­le­gung der erkenn­ba­re Wil­le des Gesetz- oder Ver­ord­nungs­ge­bers nicht ver­än­dert wird, son­dern die Aus­le­gung sei­nem Wil­len (noch) ent­spricht [45].

Gemes­sen an die­sen Grund­sät­zen kommt eine richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung oder Rechts­fort­bil­dung des § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV oder des – die­ser Vor­schrift über­ge­ord­ne­ten – § 36 Abs. 1 EnWG 2005 bezie­hungs­wei­se – soweit auf den Streit­fall noch anzu­wen­den – des­sen Vor­gän­ger­re­ge­lung in § 10 Abs. 1 Satz 1 EnWG 1998 dahin­ge­hend nicht in Betracht, dass die­sen Vor­schrif­ten ein an den Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen des Art. 3 Abs. 3 in Ver­bin­dung mit Anhang A der Gas-Richt­li­nie nach Maß­ga­be der Aus­le­gung des Uni­ons­ge­richts­hofs aus­ge­rich­te­tes Recht des Gas­ver­sor­gers zur ein­sei­ti­gen Ände­rung der Prei­se zu ent­neh­men wäre. Denn der Gesetz- und Ver­ord­nungs­ge­ber hat im hier maß­geb­li­chen Zeit­raum und auch wäh­rend der wei­te­ren, bis zum 2.03.2011 rei­chen­den Gel­tungs­dau­er der Gas-Richt­li­nie die in deren Art. 3 Abs. 3 in Ver­bin­dung mit Anhang A ent­hal­te­nen Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen weder umge­setzt noch ergibt sich ein dahin­ge­hen­der Wil­le aus den Geset­zes- und Ver­ord­nungs­ma­te­ria­li­en. Die­sen Mate­ria­li­en ist viel­mehr zu ent­neh­men, dass der Gesetz­ge­ber die Umset­zung inso­weit dem Ver­ord­nungs­ge­ber über­las­sen woll­te, der die­se Auf­ga­be jedoch weder hin­sicht­lich der am 8.11.2006 außer Kraft getre­te­nen AVB­GasV noch bei Erlass der GasGVV wahr­ge­nom­men hat.

Nach Art. 33 Abs. 1 der am 4.08.2003 in Kraft getre­te­nen Gas-Richt­li­nie war die­se bis spä­tes­tens 1.07.2004 in natio­na­les Recht umzu­set­zen.

Eine an Art. 3 Abs. 3 Satz 4 bis 6 in Ver­bin­dung mit Anhang A der Gas-Richt­li­nie ange­pass­te Ände­rung der – hier anzu­wen­den­den – AVB­GasV durch den hier­zu gemäß § 11 Abs. 2 EnWG 1998 ermäch­tig­ten Ver­ord­nungs­ge­ber ist weder inner­halb der Umset­zungs­frist noch danach erfolgt. Eine dahin­ge­hen­de Auf­for­de­rung ist sei­tens des Gesetz­ge­bers auch nicht aus­ge­spro­chen wor­den. Viel­mehr sind Umset­zungs­be­stre­bun­gen erst­mals mit dem Gesetz­ent­wurf zur Neu­re­ge­lung des Ener­gie­wirt­schafts­rechts vom 14.10.2004 [46] erfolgt.

Gemäß § 1 Abs. 3 des am 13.07.2005 schließ­lich in Kraft getre­te­nen EnWG 2005 dien­te die­ses Gesetz unter ande­rem der Umset­zung und der Durch­füh­rung des Euro­päi­schen Gemein­schafts­rechts auf dem Gebiet der lei­tungs­ge­bun­de­nen Ener­gie­ver­sor­gung. In der all­ge­mei­nen Begrün­dung des dem EnWG 2005 zugrun­de lie­gen­den Gesetz­ent­wurfs der Bun­des­re­gie­rung zum Zwei­ten Gesetz zur Neu­re­ge­lung des Ener­gie­wirt­schafts­rechts vom 14.10.2004 wird unter ande­rem aus­ge­führt, mit der Neu­fas­sung des EnWG wür­den die Strom-Richt­li­nie und die Gas-Richt­li­nie umge­setzt [47].

Jedoch soll­te aus­weis­lich der Geset­zes­be­grün­dung die Umset­zung der in Art. 3 Abs. 3 Satz 4 bis 6 in Ver­bin­dung mit Anhang A der Gas-Richt­li­nie ent­hal­te­nen Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen [27] ein­schließ­lich der Rech­te der Gas­kun­den, sich vom Lie­fer­ver­trag zu lösen und gegen Ände­run­gen der Lie­fer­prei­se vor­zu­ge­hen, nicht durch den Gesetz­ge­ber selbst erfol­gen, son­dern einer noch zu erlas­sen­den Rechts­ver­ord­nung über­las­sen blei­ben. Dies ergibt sich aus der Geset­zes­be­grün­dung zu §§ 36, 39 EnWG 2005.

In der Ein­zel­be­grün­dung zu § 36 EnWG 2005, des­sen Abs. 1 Satz 1 bestimmt, dass Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men für Netz­ge­bie­te, in denen sie die Grund­ver­sor­gung von Haus­halts­kun­den durch­füh­ren, All­ge­mei­ne Bedin­gun­gen und All­ge­mei­ne Prei­se für die Ver­sor­gung in Nie­der­span­nung oder Nie­der­druck öffent­lich bekannt zu geben und im Inter­net zu ver­öf­fent­li­chen und zu die­sen Bedin­gun­gen und Prei­sen jeden Haus­halts­kun­den zu ver­sor­gen haben, wird dem ent­spre­chend unter ande­rem aus­ge­führt:

„Die Vor­schrift dient der Umset­zung von Arti­kel 3 Abs. 3 Satz 1 und 2 der Elek­tri­zi­täts­richt­li­nie und Arti­kel 3 Abs. 1 [gemeint mög­li­cher­wei­se: Abs. 3] Satz 1 bis 3 der Gas­richt­li­nie. […]. Der Inhalt des Grund­ver­sor­gungs­ver­tra­ges kann nach § 39 durch Rechts­ver­ord­nung näher aus­ge­stal­tet wer­den. […].“ [48]

Hier­an anknüp­fend heißt es in der Ein­zel­be­grün­dung zu § 39 EnWG 2005:

„[…] Absatz 2 […] ent­hält die Grund­la­ge für den Erlass von Rechts­ver­ord­nun­gen zur Rege­lung der Geschäfts­be­din­gun­gen der Grund­ver­sor­ger bei der Grund- oder Ersatz­ver­sor­gung von Haus­halts­kun­den. Die­se Bedin­gun­gen sind bis­her Teil der […] Ver­ord­nung über All­ge­mei­ne Bedin­gun­gen für die Gas­ver­sor­gung von Tarif­kun­den (AVB­GasV) […]. Die Anhän­ge A der Elek­tri­zi­täts­richt­li­nie und der Gas­richt­li­nie wer­den für die Belie­fe­rung von Haus­halts­kun­den im Rah­men der Grund­ver­sor­gung durch Rechts­ver­ord­nun­gen nach Absatz 2 umge­setzt.“ [49]

Der Ver­ord­nungs­ge­ber hat indes die ihm durch § 39 Abs. 2 EnWG 2005 über­tra­ge­ne Umset­zung der Anfor­de­run­gen in Art. 3 Abs. 3 Satz 4 bis 6 in Ver­bin­dung mit Anhang A der Gas-Richt­li­nie in der Fol­ge­zeit nur beschränkt vor­ge­nom­men. Er hat sich bei der Schaf­fung der GasGVV damit begnügt, zusätz­lich zu der bereits in § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV ent­hal­te­nen Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung der öffent­li­chen Bekannt­ma­chung der Preis­än­de­rung eine hier­auf bezo­ge­ne Min­dest­frist von sechs Wochen ein­zu­füh­ren und – zum Zwe­cke einer erleich­ter­ten Kennt­nis­nah­me für den Kun­den, nicht hin­ge­gen als ein wei­te­res Wirk­sam­keits­er­for­der­nis – eine Ver­pflich­tung des Gas­ver­sor­gers zu schaf­fen, zeit­gleich mit der öffent­li­chen Bekannt­ga­be der Preis­än­de­run­gen die­se auch auf sei­ner Inter­net­sei­te zu ver­öf­fent­li­chen und eine brief­li­che Mit­tei­lung an den Kun­den zu ver­sen­den.

Zwar heißt es in der all­ge­mei­nen Begrün­dung des Ent­wurfs vom 04.05.2006 zu der auf der Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge in § 39 Abs. 2 EnWG 2005 beru­hen­den Ver­ord­nung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Wirt­schaft und Tech­no­lo­gie zum Erlass von Rege­lun­gen für die Grund­ver­sor­gung von Haus­halts­kun­den und die Ersatz­ver­sor­gung hin­sicht­lich der bei­den neu­en Grund­ver­sor­gungs­ver­ord­nun­gen (StromGVV und GasGVV):

„In den Grund­ver­sor­gungs­ver­ord­nun­gen wer­den neben den not­wen­di­gen for­ma­len Anpas­sun­gen eine Viel­zahl bis­he­ri­ger Rege­lun­gen der AVBEltV und AVB­GasV geän­dert und eine Viel­zahl neu­er Rege­lun­gen vor­ge­se­hen, um die Rechts­stel­lung von Haus­halts­kun­den gegen­über Grund­ver­sor­gern wei­ter zu ver­bes­sern. Hier­zu zäh­len ins­be­son­de­re Ver­bes­se­run­gen der Mög­lich­kei­ten, den Ener­gie­lie­fe­ran­ten zu wech­seln, kun­den­freund­li­che­re Gestal­tun­gen von Fris­ten, Stär­kun­gen der Kun­den­schutz­rech­te, Ver­bes­se­run­gen der Trans­pa­renz und Klar­stel­lun­gen zur Anwend­bar­keit des § 315 des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs.“ [50]

In der Ein­zel­be­grün­dung zu § 5 GasGVV, der Nach­fol­ge­re­ge­lung des § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV, wird jedoch – durch Bezug­nah­me auf die Ein­zel­be­grün­dung zu § 5 StromGVV – aus­ge­führt:

„[…] Im Inter­es­se der Haus­halts­kun­den wird der Grund­ver­sor­ger nach Absatz 2 Satz 1 zusätz­lich ver­pflich­tet, Ände­run­gen der All­ge­mei­nen Prei­se und der All­ge­mei­nen Bedin­gun­gen jeweils nur zum Monats­be­ginn vor­zu­neh­men und min­des­tens sechs Wochen vor der beab­sich­tig­ten Ände­rung öffent­lich bekannt zu geben. Dar­über hin­aus wird der Grund­ver­sor­ger nach Absatz 2 Satz 2 erst­ma­lig ver­pflich­tet, die Ände­run­gen am Tage der öffent­li­chen Bekannt­ga­be auch auf sei­ner Inter­net­sei­te zu ver­öf­fent­li­chen. […]. Die Ergän­zun­gen der bis­he­ri­gen Rege­lung sol­len die Mög­lich­keit eines zügi­gen Lie­fe­ran­ten­wech­sels von Haus­halts­kun­den im Fal­le einer Ände­rung der All­ge­mei­nen Prei­se oder All­ge­mei­nen Bedin­gun­gen ermög­li­chen.“ [51]

§ 5 Abs. 2 GasGVV soll­te dem­nach lau­ten:

„Ände­run­gen der All­ge­mei­nen Prei­se und der ergän­zen­den Bedin­gun­gen wer­den jeweils zum Monats­be­ginn und erst nach öffent­li­cher Bekannt­ga­be wirk­sam, die min­des­tens sechs Wochen vor der beab­sich­tig­ten Ände­rung erfol­gen muss. Der Grund­ver­sor­ger ist ver­pflich­tet, die Ände­run­gen am Tage der öffent­li­chen Bekannt­ga­be auf sei­ner Inter­net­sei­te zu ver­öf­fent­li­chen.“

Einer Emp­feh­lung der Aus­schüs­se, in § 5 Abs. 2 Satz 1 GasGVV die Wör­ter „nach öffent­li­cher Bekannt­ga­be“ durch die Wör­ter „nach brief­li­cher Mit­tei­lung an den Kun­den“ zu erset­zen [52], ist der Bun­des­rat nicht gefolgt und hat zur Begrün­dung ange­führt [53]:

„Auf Grund der spe­zi­el­len Gege­ben­hei­ten bei der Grund­ver­sor­gung (Ver­trags­schluss bereits durch Gas­ent­nah­me) ist es jedoch im Sin­ne der Rechts­si­cher­heit erfor­der­lich, die Wirk­sam­keit von Vertragsänderungen/​Preisänderungen nicht vom Zugang an einen mög­li­cher­wei­se nicht bekann­ten Kun­den (z. B. Mie­ter­wech­sel) abhän­gig zu machen, […] son­dern an die öffent­li­che Bekannt­ma­chung zu knüp­fen. Gleich­wohl soll der Kun­de eine brief­li­che Mit­tei­lung erhal­ten, die u. U. das Preis­be­wusst­sein des Kun­den stei­gern und den Wett­be­werb anre­gen kann.“

Der Bun­des­rat hat daher der Ver­ord­nung durch Beschluss vom 22.09.2006 unter ande­rem mit der Maß­ga­be zuge­stimmt, dass § 5 Abs. 2 Satz 2 GasGVV – bei unver­än­der­tem Satz 1 die­ses Absat­zes – wie folgt gefasst wird [54]:

„Der Grund­ver­sor­ger ist ver­pflich­tet, zu den beab­sich­tig­ten Ände­run­gen zeit­gleich mit der öffent­li­chen Bekannt­ga­be eine brief­li­che Mit­tei­lung an den Kun­den zu ver­sen­den und die Ände­run­gen auf sei­ner Inter­net­sei­te zu ver­öf­fent­li­chen.“

In die­ser Fas­sung ist § 5 Abs. 2 GasGVV sodann erlas­sen wor­den [55].

Bei die­ser Sach­la­ge kommt eine zusätz­li­che Berück­sich­ti­gung der vom Uni­ons­ge­richts­hof dem Art. 3 Abs. 3 Satz 4 bis 6 in Ver­bin­dung mit Anhang A der Gas-Richt­li­nie ent­nom­me­nen Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen im Wege richt­li­ni­en­kon­for­mer Aus­le­gung oder Rechts­fort­bil­dung nicht in Betracht. Hier­an ändert auch der Umstand nichts, dass regel­mä­ßig von einem Wil­len des Gesetz- und Ver­ord­nungs­ge­bers zur richt­li­ni­en­treu­en Umset­zung aus­zu­ge­hen ist [56].

Denn im Ver­ord­nungs­ge­bungs­ver­fah­ren ist deut­lich gewor­den, dass zum einen dem Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se des Gas­kun­den im Hin­blick auf die Beson­der­hei­ten der Grund­ver­sor­gung und aus Grün­den der Rechts­si­cher­heit Gren­zen gesetzt und zum ande­ren ein Bedürf­nis zur Trans­pa­renz nur hin­sicht­lich des Umfangs einer Preis­än­de­rung aner­kannt wer­den soll­ten. Die­se Sicht­wei­se ist erst nach Erlass der neu­en Gas-Richt­li­nie, der Richt­li­nie 2009/​73/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 13.07.2009 über gemein­sa­me Vor­schrif­ten für den Erd­gas­bin­nen­markt und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 2003/​55/​EG [Gas-Richt­li­nie] [57] auf­ge­ge­ben wor­den. Der Ver­ord­nungs­ge­ber hat nun­mehr im Rah­men einer durch die Ver­ord­nung zur trans­pa­ren­ten Aus­wei­sung staat­lich gesetz­ter oder regu­lier­ter Preis­be­stand­tei­le in der Strom- und Gas­grund­ver­sor­gung vom 22.10.2014 [58] erfolg­ten Ände­rung der GasGVV (im Fol­gen­den: GasGVV 2014) eine Umset­zung der in der neu­en Gas-Richt­li­nie eben­falls ent­hal­te­nen, mit der Vor­gän­ger­richt­li­nie im Wesent­li­chen inhalts­glei­chen Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen vor­ge­nom­men [59]. Hier­zu hat er § 5 Abs. 2 Satz 2 in der GasGVV 2014 um einen Halb­satz ergänzt, wonach der Gas­ver­sor­ger den Umfang, den Anlass und die Vor­aus­set­zun­gen der Ände­rung sowie den Hin­weis auf die Rech­te des Kun­den nach § 5 Abs. 3 GasGVV 2014 (unter ande­rem das Recht, den Ver­trag ohne Ein­hal­tung einer Kün­di­gungs­frist zum Zeit­punkt des Wirk­sam­wer­dens der Ände­run­gen zu kün­di­gen) und die Anga­ben nach § 2 Abs. 3 Satz 1 Nr. 7 GasGVV 2014 (Anga­ben zu den All­ge­mei­nen Prei­sen nach § 36 Abs. 1 EnWG) in über­sicht­li­cher Form anzu­ge­ben hat.

Nach der – die neue Gas-Richt­li­nie und die neue Strom-Richt­li­nie zu Anfang erwäh­nen­den – Begrün­dung des Ent­wurfs der vor­ge­nann­ten Ver­ord­nung vom 22.10.2014 zielt die­se dar­auf ab, für den grund­ver­sorg­ten Haus­halts­kun­den die Trans­pa­renz zu erhö­hen und ihn durch zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen bes­ser in die Lage zu ver­set­zen, die Zusam­men­set­zung und Ände­run­gen des all­ge­mei­nen Prei­ses zu bewer­ten. Hier­zu set­ze die neue Rege­lung auf den in der GasGVV bereits bestehen­den Infor­ma­ti­ons­pflich­ten auf und kon­kre­ti­sie­re die­se [60]. In der Ein­zel­be­grün­dung zu § 5 Abs. 2 Satz 2 Halbs. 2 GasGVV 2014 heißt es:

„[…] Die Ein­fü­gung des neu­en § 5 Absatz 2 Satz 2 zwei­ter Halb­satz stellt inhalt­li­che Anfor­de­run­gen an die Infor­ma­tio­nen des Grund­ver­sor­gers nach § 5 Absatz 2 Satz 2 klar. Die Benen­nung des Umfangs einer Ände­rung ist bereits nach gel­ten­dem Recht not­wen­dig. Dane­ben sind Anlass und Vor­aus­set­zun­gen einer Ände­rung anzu­ge­ben. Als Vor­aus­set­zung in die­sem Sin­ne erscheint die jewei­li­ge Rechts­grund­la­ge einer Ände­rung. Der Kun­de erfährt auf die­se Wei­se den Rechts­grund einer Ände­rung und den Anlass, aus dem die recht­li­che Grund­la­ge von dem Grund­ver­sor­ger im kon­kre­ten Fall genutzt wird.“ [61]

Die Ver­ord­nungs­ma­te­ria­li­en zur GasGVV 2014 bestä­ti­gen damit, dass der Ver­ord­nungs­ge­ber vor der Ein­fü­gung des § 5 Abs. 2 Satz 2 Halbs. 2 GasGVV 2014 die Schaf­fung gestei­ger­ter Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen zum Zwe­cke der Umset­zung des Art. 3 Abs. 3 in Ver­bin­dung mit Anhang A der Gas-Richt­li­nie nicht für erfor­der­lich erach­tet hat­te. Der im Jahr 2014 schließ­lich vor­han­de­ne Umset­zungs­wil­le des Ver­ord­nungs­ge­bers ver­mag indes für den im vor­lie­gen­den Fall maß­geb­li­chen frü­he­ren Zeit­raum nichts an der oben vor­ge­nom­me­nen Beur­tei­lung der Fra­ge einer richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung oder Rechts­fort­bil­dung zu ändern. Denn es kommt ent­schei­dend auf den dama­li­gen Wil­len des Ver­ord­nungs­ge­bers an.

Die Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen des Art. 3 Abs. 3 Satz 4 bis 6 in Ver­bin­dung mit Anhang A der Gas-Richt­li­nie sind auf den vor­lie­gen­den Fall schließ­lich auch nicht unmit­tel­bar anwend­bar.

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­ho­fes kann sich der Ein­zel­ne in all den Fäl­len, in denen die Bestim­mun­gen einer Richt­li­nie inhalt­lich unbe­dingt und hin­rei­chend genau sind, vor natio­na­len Gerich­ten gegen­über dem Staat auf die­se Bestim­mun­gen beru­fen, wenn die­ser die Richt­li­nie nicht frist­ge­mäß oder nur unzu­läng­lich in das natio­na­le Recht umge­setzt hat [62]. So kann sich der Ein­zel­ne auf unbe­ding­te und hin­rei­chend genaue Bestim­mun­gen einer Richt­li­nie auch gegen­über Orga­ni­sa­tio­nen oder Ein­rich­tun­gen – unab­hän­gig von ihrer Rechts­form – beru­fen, die dem Staat oder des­sen Auf­sicht unter­ste­hen oder mit beson­de­ren Rech­ten aus­ge­stat­tet sind, die über die­je­ni­gen hin­aus­ge­hen, die nach den Vor­schrif­ten für die Bezie­hun­gen zwi­schen Pri­vat­per­so­nen gel­ten [63].

Hin­ge­gen kann nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs eine Richt­li­nie in Fäl­len, in denen sich aus­schließ­lich Pri­va­te gegen­über­ste­hen, nicht selbst Ver­pflich­tun­gen für einen Ein­zel­nen begrün­den, so dass ihm gegen­über eine Beru­fung auf die Richt­li­nie als sol­che nicht mög­lich ist; sogar eine kla­re, genaue und unbe­ding­te Richt­li­ni­en­be­stim­mung, mit der dem Ein­zel­nen Rech­te gewährt oder Ver­pflich­tun­gen auf­er­legt wer­den sol­len, kann des­halb im Rah­men eines Rechts­streits, in dem sich aus­schließ­lich Pri­va­te gegen­über­ste­hen, nicht als sol­che Anwen­dung fin­den [64].

Nach die­sen Grund­sät­zen kommt eine unmit­tel­ba­re Anwen­dung der Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen des Art. 3 Abs. 3 Satz 4 bis 6 in Ver­bin­dung mit Anhang A der Gas-Richt­li­nie hier nicht in Betracht. Zwar ist die Gas-Richt­li­nie nicht frist­ge­mäß in natio­na­les Recht umge­setzt wor­den und ist eine sol­che Umset­zung auch nicht inner­halb des für den Streit­fall maß­geb­li­chen spä­te­ren Zeit­raums erfolgt, wobei dahin­ge­stellt blei­ben kann, ob die vor­ge­nann­ten Trans­pa­renz­an­for­de­run­gen der Richt­li­nie inhalt­lich unbe­dingt und hin­rei­chend genau im Sin­ne der vor­ste­hend genann­ten Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs sind [65]. Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat jedoch weder fest­ge­stellt noch ist sonst ersicht­lich, dass es sich bei der Gas­ver­sor­ge­rin um eine Orga­ni­sa­ti­on oder Ein­rich­tung im Sin­ne der vor­ge­nann­ten Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs han­delt. Über­gan­ge­nen Tat­sa­chen­vor­trag zeigt die Gas­ver­sor­ge­rin inso­weit nicht auf.

Wegen der dem­nach nicht zu behe­ben­den Unver­ein­bar­keit des § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV mit Art. 3 Abs. 3 Satz 4 bis 6 in Ver­bin­dung mit Anhang A der Gas-Richt­li­nie lässt sich das vom Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf im Ergeb­nis zutref­fend ange­nom­me­ne Recht der Gas­ver­sor­ge­rin zur Preis­än­de­rung nicht (mehr) auf die­se Vor­schrift stüt­zen. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Gas­ver­sor­ge­rin führt dies jedoch nicht zur Unwirk­sam­keit der streit­ge­gen­ständ­li­chen Preis­er­hö­hun­gen. Denn ein Preis­än­de­rungs­recht der Gas­ver­sor­ge­rin ergibt sich aus einer gebo­te­nen ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung (§§ 157, 133 BGB) des Gas­lie­fe­rungs­ver­tra­ges der Par­tei­en.

Eine ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung setzt eine Rege­lungs­lü­cke, mit­hin eine plan­wid­ri­ge Unvoll­stän­dig­keit des Ver­tra­ges vor­aus. Die­se ist dadurch gekenn­zeich­net, dass die Par­tei­en mit der getrof­fe­nen Rege­lung ein bestimm­tes Ziel errei­chen woll­ten, dies aber wegen der Lücken­haf­tig­keit des Ver­ein­bar­ten nicht gelun­gen ist [66]. Die Lücke muss nicht von Anfang an bestan­den haben, sie kann auch infol­ge nach­träg­li­cher Umstän­de ein­ge­tre­ten sein [67].

So liegt der Fall hier. Der Rege­lungs­plan der Par­tei­en für den zwi­schen ihnen geschlos­se­nen Tarif­kun­den­ver­trag war durch die Rege­lun­gen der AVB­GasV bestimmt, wel­che kraft die­ser Rechts­ver­ord­nung zwin­gend Bestand­teil des Ver­sor­gungs­ver­tra­ges sind (§ 1 Abs. 1 Satz 2 AVB­GasV). Auf­grund der Beson­der­hei­ten der Grund­ver­sor­gung kommt dem Preis­än­de­rungs­recht des Gas­ver­sor­gers, wel­ches nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung dem § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV ent­nom­men wur­de, grund­le­gen­de Bedeu­tung zu. Da § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV jedoch inso­weit nach den im Urteil des Uni­ons­ge­richts­hofs vom 23.10.2014 [31] auf­ge­zeig­ten Maß­stä­ben als uni­ons­rechts­wid­rig anzu­se­hen ist und daher nicht (mehr) als Rechts­grund­la­ge eines Preis­än­de­rungs­rechts des Gas­ver­sor­gers in Betracht kommt, ist eine ver­deck­te plan­wid­ri­ge Ver­ord­nungs­lü­cke ein­ge­tre­ten, die aus den oben genann­ten Grün­den nicht durch eine richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung geschlos­sen wer­den kann.

Die­se Ver­ord­nungs­lü­cke führt, da die Rege­lun­gen der AVB­GasV Bestand­teil des Gas­lie­fe­rungs­ver­tra­ges der Par­tei­en sind und letz­te­re daher bei Abschluss ihres Tarif­kun­den­ver­tra­ges das Bestehen eines gesetz­li­chen Preis­än­de­rungs­rechts als gege­ben vor­aus­ge­setzt haben, zu einer von ihnen unbe­ab­sich­tig­ten Unvoll­stän­dig­keit des Ver­tra­ges in einem wesent­li­chen Punkt.

Eine somit gebo­te­ne ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung hat sich nicht nur an dem hypo­the­ti­schen Par­tei­wil­len, son­dern auch an dem objek­ti­ven Maß­stab von Treu und Glau­ben zu ori­en­tie­ren und muss zu einer die bei­der­sei­ti­gen Inter­es­sen ange­mes­sen berück­sich­ti­gen­den Rege­lung füh­ren. Es geht daher dar­um zu ermit­teln, was die Par­tei­en bei einer ange­mes­se­nen, objek­tiv-gene­ra­li­sie­ren­den Abwä­gung ihrer Inter­es­sen nach Treu und Glau­ben red­li­cher­wei­se ver­ein­bart hät­ten, wenn sie bedacht hät­ten, dass die Wirk­sam­keit der ange­wen­de­ten Preis­än­de­rungs­be­stim­mung jeden­falls unsi­cher war [68].

Hät­ten die Par­tei­en bei Ver­trags­ab­schluss bedacht, dass die Ver­ein­bar­keit des § 4 Abs. 1 und 2 AVB­GasV ent­nom­me­nen gesetz­li­chen Preis­än­de­rungs­rechts mit uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben zumin­dest unsi­cher ist, hät­ten sie bei ange­mes­se­ner Abwä­gung ihrer Inter­es­sen nach Treu und Glau­ben als red­li­che Ver­trags­part­ner eine – aller­dings auf die blo­ße Wei­ter­ga­be von (Bezugs) Kos­ten­stei­ge­run­gen begrenz­te – Mög­lich­keit des Grund­ver­sor­gers zur ein­sei­ti­gen Ände­rung des Tarifs ver­ein­bart. Die Lücke im Ver­trag ist dem­nach im Wege einer ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung gemäß §§ 157, 133 BGB in der Wei­se zu schlie­ßen, dass die Gas­ver­sor­ge­rin berech­tigt ist, Stei­ge­run­gen ihrer eige­nen (Bezugs)Kosten, soweit die­se nicht durch Kos­ten­sen­kun­gen in ande­ren Berei­chen aus­ge­gli­chen wer­den [69], wäh­rend der Ver­trags­lauf­zeit an den Beklag­ten wei­ter­zu­ge­ben, und sie ver­pflich­tet ist, bei einer Tarif­an­pas­sung Kos­ten­sen­kun­gen eben­so zu berück­sich­ti­gen wie Kos­ten­er­hö­hun­gen.

Bei lang­fris­ti­gen Ver­trags­ver­hält­nis­sen, ins­be­son­de­re sol­chen, die auf Leis­tungs­aus­tausch gerich­tet sind, besteht ein aner­ken­nens­wer­tes Bedürf­nis, das bei Ver­trags­schluss bestehen­de Ver­hält­nis von Leis­tung und Gegen­leis­tung über die gesam­te Ver­trags­dau­er im Gleich­ge­wicht zu hal­ten [70].

Die­sem Gesichts­punkt kommt im Rah­men der Grund­ver­sor­gung von Haus­halts­kun­den mit Gas beson­de­re Bedeu­tung zu. Denn gemäß § 36 Abs. 1 Satz 1 EnWG 2005 sind die Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men – wie bereits nach der Vor­gän­ger­re­ge­lung in § 10 Abs. 1 Satz 1 EnWG 1998 , soweit sie die Grund­ver­sor­gung durch­füh­ren, gesetz­lich ver­pflich­tet, zu den All­ge­mei­nen Bedin­gun­gen und Prei­sen jeden Haus­halts­kun­den mit Gas zu ver­sor­gen. Hin­zu kommt, dass der somit einem Kon­tra­hie­rungs­zwang unter­lie­gen­de Grund­ver­sor­ger zur (ordent­li­chen) Kün­di­gung des Tarif­kun­den­ver­tra­ges (Grund­ver­sor­gungs­ver­tra­ges) nur in sehr ein­ge­schränk­tem Maße berech­tigt ist; ein sol­ches Kün­di­gungs­recht besteht nur, soweit eine Pflicht zur Grund­ver­sor­gung nach § 36 Abs. 1 Satz 2 EnWG 2005 nicht besteht [71]. Die Bedeu­tung der bei­den vor­ste­hend genann­ten Gesichts­punk­te für das wirt­schaft­li­che Inter­es­se des Grund­ver­sor­gers hat auch der Uni­ons­ge­richts­hof im Urteil vom 23.10.2014 (EuGH, Urteil vom 23.10.2014 – C‑359/​11 und C‑400/​11, aaO Rn. 44 – Schulz und Egbring­hoff)) her­vor­ge­ho­ben.

Ohne eine Berech­ti­gung des Grund­ver­sor­gers, Kos­ten­stei­ge­run­gen wäh­rend der Ver­trags­lauf­zeit an den Kun­den wei­ter­zu­ge­ben, bestün­de ange­sichts des kon­ti­nu­ier­li­chen Anstiegs der Ener­gie­prei­se bei lang­fris­ti­gen Ver­sor­gungs­ver­trä­gen regel­mä­ßig ein gra­vie­ren­des, dem Äqui­va­lenz­prin­zip zuwi­der­lau­fen­des Ungleich­ge­wicht von Leis­tung und Gegen­leis­tung [72].

Der Ver­ord­nungs­ge­ber hat des­halb, wie sich aus den oben wie­der­ge­ge­be­nen Mate­ria­li­en ergibt, bereits bei Erlass der AVB­GasV das Bestehen des – wenn auch nicht kodi­fi­zier­ten – Rechts des Grund­ver­sor­gers zur Wei­ter­ga­be von Kos­ten­stei­ge­run­gen als gege­ben vor­aus­ge­setzt; er hat an die­ser Annah­me auch im Rah­men der GasGVV fest­ge­hal­ten [73]. Ent­spre­chen­des gilt für den Gesetz­ge­ber des Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes (§ 36 Abs. 1 EnWG 2005).

Eben­so wie der natio­na­le Gesetz- und Ver­ord­nungs­ge­ber bil­ligt auch der Uni­ons­ge­setz­ge­ber, wie aus den Rege­lun­gen der Gas-Richt­li­nie deut­lich wird, den Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men das Inter­es­se zu, Kos­ten­stei­ge­run­gen wäh­rend der Ver­trags­lauf­zeit an die Kun­den wei­ter­zu­ge­ben [74]. Dem ent­spre­chend hat der Uni­ons­ge­richts­hof in sei­nem Urteil vom 21.03.2013 (EuGH, Urteil vom 21.03.2013 – C‑92/​11, NJW 2013, 2253 Rn. 46 – RWE Ver­trieb AG)) aus­ge­führt, unter ande­rem aus Anhang A Buchst. b der Gas-Richt­li­nie erge­be sich, dass der Uni­ons­ge­setz­ge­ber im Rah­men von unbe­fris­te­ten Ver­trä­gen wie Gas­lie­fe­rungs­ver­trä­gen das Bestehen eines berech­tig­ten Inter­es­ses des Ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens an der Mög­lich­keit einer Ände­rung der Ent­gel­te für sei­ne Leis­tung aner­kannt habe [75].

In Über­ein­stim­mung mit den vor­ste­hen­den Erwä­gun­gen des Ener­gie­wirt­schafts­rechts der euro­päi­schen Uni­on spricht auch die Ziel­set­zung des natio­na­len Ener­gie­wirt­schafts­rechts dafür, dass dem Grund­ver­sor­ger das Recht zu gewäh­ren ist, Kos­ten­stei­ge­run­gen an die Kun­den wei­ter­zu­ge­ben.

Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, ist bei der im Rah­men der Erwä­gun­gen zur ergän­zen­den Aus­le­gung eines Gas­lie­fe­rungs­ver­tra­ges vor­zu­neh­men­den Beur­tei­lung, wel­che Rege­lung als ange­mes­se­ner Inter­es­sen­aus­gleich anzu­se­hen ist, der mit dem Ener­gie­wirt­schafts­recht ver­folg­te, in § 1 EnWG 2005 und eben­so in den Vor­läu­fer­re­ge­lun­gen [76] ver­an­ker­te Zweck einer mög­lichst siche­ren und preis­güns­ti­gen Ener­gie­ver­sor­gung zu berück­sich­ti­gen.

Das Ziel der Preis­güns­tig­keit ist nicht nur auf die mög­lichst bil­li­ge Ener­gie­ver­sor­gung der End­kun­den aus­ge­rich­tet. Zu berück­sich­ti­gen sind zugleich die ins­be­son­de­re durch die Kos­ten­struk­tur gepräg­te indi­vi­du­el­le Leis­tungs­fä­hig­keit der Ver­sor­gungs­un­ter­neh­men sowie die Not­wen­dig­keit, die Inves­ti­ti­ons­kraft und die Inves­ti­ti­ons­be­reit­schaft zu erhal­ten und ange­mes­se­ne Erträ­ge zu erwirt­schaf­ten. Inso­fern wur­de im Recht der Ener­gie­lie­fe­rung stets vor­aus­ge­setzt, dass die Mög­lich­keit des Ver­sor­gers besteht, Ände­run­gen der Bezugs­prei­se wei­ter­zu­ge­ben, ohne den mit dem Kun­den bestehen­den Ver­sor­gungs­ver­trag kün­di­gen zu müs­sen. Dass das Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men die Mög­lich­keit hat, Kos­ten­stei­ge­run­gen wei­ter­zu­ge­ben, dient dane­ben auch dem Zweck der Ver­sor­gungs­si­cher­heit. Denn die­se betrifft nicht nur die tech­ni­sche Sicher­heit der Ener­gie­ver­sor­gung und die Sicher­stel­lung einer für die Ver­sor­gung der Abneh­mer stets aus­rei­chen­den Ener­gie­men­ge. Sie hat viel­mehr inso­weit auch einen öko­no­mi­schen Aspekt, als die nöti­gen Finanz­mit­tel für die Unter­hal­tung von Reser­ve­ka­pa­zi­tä­ten, für War­tungs­ar­bei­ten, Repa­ra­tu­ren, Erneue­rungs- und Ersatz­in­ves­ti­tio­nen bereit ste­hen müs­sen. Das wie­der­um setzt vor­aus, dass die­se Mit­tel durch aus­kömm­li­che Ver­sor­gungs­ent­gel­te erwirt­schaf­tet wer­den kön­nen [77].

Die­ser Ziel­set­zung des natio­na­len Ener­gie­wirt­schafts­rechts, die mit der­je­ni­gen des euro­päi­schen Ener­gie­wirt­schafts­rechts über­ein­stimmt [78], lie­fe es zuwi­der, wenn der Grund­ver­sor­ger Kos­ten­stei­ge­run­gen nicht an den Kun­den wei­ter­ge­ben könn­te, son­dern die­se selbst zu tra­gen und den Kun­den wei­ter­hin zu dem ursprüng­li­chen Preis zu belie­fern hät­te. Ange­sichts der Ent­wick­lung der Ener­gie­prei­se ent­stün­de dadurch bei lang­fris­ti­gen Ver­sor­gungs­ver­trä­gen regel­mä­ßig ein gra­vie­ren­des Ungleich­ge­wicht von Leis­tung und Gegen­leis­tung. Dies wäre unbil­lig und wür­de dem Kun­den einen unver­hoff­ten und unge­recht­fer­tig­ten Gewinn ver­schaf­fen. Dies ent­sprä­che auch nicht dem objek­tiv zu ermit­teln­den hypo­the­ti­schen Par­tei­wil­len [79].

Bei ange­mes­se­ner, objek­tiv­ge­ne­ra­li­sie­ren­der Abwä­gung ihrer Inter­es­sen hät­ten die Ver­trags­par­tei­en daher nach Treu und Glau­ben red­li­cher­wei­se ver­ein­bart, dass die Gas­ver­sor­ge­rin berech­tigt sein soll, Kos­ten­stei­ge­run­gen ihrer eige­nen (Bezugs)Kosten wäh­rend der Ver­trags­lauf­zeit an den Beklag­ten wei­ter­zu­ge­ben, und sie ver­pflich­tet ist, bei einer Tarif­an­pas­sung Kos­ten­sen­kun­gen eben­so zu berück­sich­ti­gen wie Kos­ten­er­hö­hun­gen.

Die­ser ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung steht nicht ent­ge­gen, dass die Ver­trags­par­tei­en im Tarif­kun­den­ver­hält­nis wegen der durch die Rechts­nor­men der AVB­GasV bestimm­ten Ver­trags­be­din­gun­gen in ihrer Frei­heit, Ver­ein­ba­run­gen zu tref­fen, stark ein­ge­schränkt sind [80]. Denn das Recht zur Wei­ter­ga­be von Kos­ten­stei­ge­run­gen ist aus den oben aus­ge­führ­ten Grün­den dem Ener­gie­wirt­schafts­recht wie auch der AVB­GasV imma­nent.

Ohne die­se gebo­te­ne ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung könn­te sich der Grund­ver­sor­ger in der­ar­tig gela­ger­ten Fäl­len – auch in Anse­hung sei­ner ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ten Berufs­frei­heit [81] – dar­auf beru­fen, dass die Ver­sor­gung des Kun­den zu dem Aus­gangs­preis für ihn eine unzu­mut­ba­re Här­te dar­stel­le [82]. In sol­chen Fäl­len könn­ten zudem die Vor­aus­set­zun­gen einer aus­nahms­wei­se zum Weg­fall der Grund­ver­sor­gungs­pflicht füh­ren­den Unzu­mut­bar­keit der Grund­ver­sor­gung gemäß § 36 Abs. 1 Satz 2 EnWG 2005 gege­ben sein. Dies wie­der­um stün­de ange­sichts der Viel­zahl der hier­von mög­li­cher­wei­se betrof­fe­nen Tarif­kun­den­ver­trä­ge (Grund­ver­sor­gungs­ver­trä­ge) ins­be­son­de­re nicht im Ein­klang mit der durch das EnWG 2005 bezweck­ten Sicher­heit der Ener­gie­ver­sor­gung.

Da sich das aus der vor­be­zeich­ne­ten ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung erge­ben­de Preis­än­de­rungs­recht der Gas­ver­sor­ge­rin allein auf die Wei­ter­ga­be von (Bezugs)Kostensteigerungen und sen­kun­gen beschränkt, ist davon aus­zu­ge­hen, dass die Par­tei­en die wirk­sa­me Aus­übung die­ses Rechts ver­nünf­ti­ger­wei­se an kei­ne wei­te­ren als die in § 4 Abs. 2 AVB­GasV genann­ten Vor­aus­set­zun­gen geknüpft hät­ten. Nach den Fest­stel­lun­gen des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf sind die­se Vor­aus­set­zun­gen hier erfüllt.

Der Gas­ver­sor­ge­rin steht somit infol­ge ergän­zen­der Ver­trags­aus­le­gung des Gas­lie­fe­rungs­ver­trags der Par­tei­en ein Preis­än­de­rungs­recht in dem oben genann­ten Umfang mit der Fol­ge zu, dass der berech­tig­ter­wei­se erhöh­te Preis zum ver­ein­bar­ten Preis wird. Gegen die bis zum 1.10.2004 – mit­hin vor dem hier ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Zeit­raum – erfolg­ten Ände­run­gen des Arbeits­prei­ses erhebt die Gas­ver­sor­ge­rin kei­ne Ein­wän­de.

Von dem infol­ge ergän­zen­der Ver­trags­aus­le­gung bestehen­den Preis­än­de­rungs­recht nicht erfasst sind hin­ge­gen Preis­er­hö­hun­gen, die über die blo­ße Wei­ter­ga­be von (Bezugs)Kostensteigerungen hin­aus­ge­hen und der Erzie­lung eines (zusätz­li­chen) Gewinns die­nen [83]. Etwas ande­res gilt jedoch dann, wenn der Kun­de die Preis­er­hö­hung nicht inner­halb eines Zeit­raums von drei Jah­ren nach Zugang der jewei­li­gen Jah­res­ab­rech­nung, in der die Preis­er­hö­hung erst­mals berück­sich­tigt wor­den ist, bean­stan­det hat.

Nach der gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist bei einem (Norm)Sonderkundenvertrag, wenn es sich um ein lang­jäh­ri­ges Ener­gie­lie­fe­rungs­ver­hält­nis han­delt, der Kun­de (unwirk­sa­men) Preis­er­hö­hun­gen über einen län­ge­ren Zeit­raum hin­weg nicht wider­spro­chen hat und nun­mehr auch für län­ger zurück­lie­gen­de Zeit­ab­schnit­te die Unwirk­sam­keit der Preis­er­hö­hun­gen gel­tend macht, die durch die Unwirk­sam­keit der Preis­an­pas­sungs­klau­sel oder deren unwirk­sa­me Ein­be­zie­hung ent­stan­de­ne Rege­lungs­lü­cke regel­mä­ßig im Wege der ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung dahin zu fül­len, dass der Kun­de die Unwirk­sam­keit der­je­ni­gen Preis­er­hö­hun­gen, die zu einem den ver­ein­bar­ten Anfangs­preis über­stei­gen­den Preis füh­ren, nicht gel­tend machen kann, wenn er sie nicht inner­halb eines Zeit­raums von drei Jah­ren nach Zugang der jewei­li­gen Jah­res­ab­rech­nung, in der die Preis­er­hö­hung erst­mals berück­sich­tigt wor­den ist, bean­stan­det hat [84].

Dies gilt sowohl im Fal­le der Rück­for­de­rung als auch im Fal­le der Rest­for­de­rung von Ent­gelt für Ener­gie­lie­fe­run­gen [85] und hat zur Fol­ge, dass an die Stel­le des wegen der Unwirk­sam­keit oder der unwirk­sa­men Ein­be­zie­hung der Preis­an­pas­sungs­klau­sel auf dem Niveau bei Ver­trags­schluss ver­har­ren­den (Anfangs) Prei­ses nun die letz­te Preis­er­hö­hung des Ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens tritt, der der Kun­de nicht recht­zei­tig wider­spro­chen hat, mit­hin der danach maß­geb­li­che Preis end­gül­tig an die Stel­le des Anfangs­prei­ses tritt [86].

Die­se Grund­sät­ze haben im hier gege­be­nen Fall der ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung des Tarif­kun­den­ver­tra­ges in glei­cher Wei­se zu gel­ten. Denn es besteht kein sach­li­cher Grund, den Grund­ver­sor­ger inso­weit anders zu behan­deln als den Ener­gie­ver­sor­ger im (Norm)Sonderkundenbereich, der weder den mit der Grund­ver­sor­gung ver­bun­de­nen wirt­schaft­li­chen Erschwer­nis­sen aus­ge­setzt ist noch – man­gels wirk­sa­mer Preis­an­pas­sungs­klau­sel – zur Preis­er­hö­hung berech­tigt war. Eine ande­re Beur­tei­lung ent­sprä­che zudem auch nicht dem objek­tiv zu ermit­teln­den hypo­the­ti­schen Wil­len der Par­tei­en des Tarif­kun­den­ver­trags.

Erfolg­los rügt die Gas­ver­sor­ge­rin, die von der Gas­ver­sor­ge­rin vor­ge­nom­me­nen Preis­er­hö­hun­gen ent­sprä­chen ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf nicht der Bil­lig­keit. Dabei kommt es nicht ent­schei­dend dar­auf an, dass es hier bei zutref­fen­der Betrach­tung nicht um die Fra­ge der Bil­lig­keit der Preis­er­hö­hung geht, son­dern um die Preis­bil­dung im Rah­men einer ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung, bei der es Auf­ga­be des Gerichts ist zu prü­fen, ob die Preis­er­hö­hun­gen der Gas­ver­sor­ge­rin deren (Bezugs)Kostensteigerungen (hin­rei­chend) abbil­den.

Die Gas­ver­sor­ge­rin bean­stan­det, das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf habe rechts­feh­ler­haft nur Beweis durch die Ver­neh­mung von (sach­kun­di­gen) Zeu­gen erho­ben und eine wei­ter­ge­hen­de Beweis­auf­nah­me durch Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens nach § 287 Abs. 2 ZPO abge­lehnt. Es gehe vor­lie­gend aber nicht um die – einer Schät­zung zugäng­li­che – Höhe der strei­ti­gen For­de­rung der Gas­ver­sor­ge­rin, son­dern um die kon­kre­ten Anknüp­fungs­tat­sa­chen für die Aus­übung des Ermes­sens, auf die § 287 Abs. 2 ZPO nicht anwend­bar sei.

Die­se Rüge greift nicht durch. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Gas­ver­sor­ge­rin hat das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf rechts­feh­ler­frei – wenn auch unter dem Blick­win­kel der Bil­lig­keit nach § 315 BGB – die Vor­aus­set­zun­gen einer Anwen­dung des § 287 Abs. 2 ZPO hin­sicht­lich der Prü­fung, ob die Preis­er­hö­hun­gen der Gas­ver­sor­ge­rin aus (Bezugs)Kostensteigerungen her­rüh­ren, als gege­ben erach­tet.

Nach § 287 Abs. 2 ZPO sind bei ver­mö­gens­recht­li­chen Strei­tig­kei­ten auch in ande­ren Fäl­len als der Scha­dens­er­mitt­lung die Vor­schrif­ten des § 287 Abs. 1 Satz 1, 2 ZPO ent­spre­chend anzu­wen­den, soweit unter den Par­tei­en die Höhe einer For­de­rung strei­tig ist und die voll­stän­di­ge Auf­klä­rung aller hier­für maß­ge­ben­den Umstän­de mit Schwie­rig­kei­ten ver­bun­den ist, die zu der Bedeu­tung des strei­ti­gen Tei­les der For­de­rung in kei­nem Ver­hält­nis ste­hen. In die­sem Fall ent­schei­det das Gericht über die Höhe der For­de­rung unter Wür­di­gung aller Umstän­de nach frei­er Über­zeu­gung (§ 287 Abs. 2 i.V.m. § 287 Abs. 1 Satz 1 ZPO), und es bleibt sei­nem Ermes­sen über­las­sen, ob und inwie­weit eine bean­trag­te Beweis­auf­nah­me anzu­ord­nen ist (§ 287 Abs. 2 i.V.m. § 287 Abs. 1 Satz 2 ZPO).

Die somit vom Tatrich­ter nach pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen zu tref­fen­de Ent­schei­dung, ob und inwie­weit er eine Beweis­auf­nah­me durch­führt, unter­liegt nur einer ein­ge­schränk­ten Über­prü­fung durch das Gas­ver­sor­ger­ins­ge­richt dar­auf, ob das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf von unzu­tref­fen­den recht­li­chen Maß­stä­ben aus­ge­gan­gen ist, ob für sei­ne Ent­schei­dung grund­sätz­lich fal­sche oder offen­bar unsach­li­che Erwä­gun­gen maß­ge­bend waren oder ob wesent­li­che ent­schei­dungs­er­heb­li­che Tat­sa­chen außer Acht gelas­sen wur­den [87].

Die­ser recht­li­chen Über­prü­fung hält die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf stand. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Gas­ver­sor­ge­rin durf­te das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf ohne Rechts­feh­ler von der Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens abse­hen.

Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat zutref­fend eine Schät­zung nach § 287 Abs. 2 in Ver­bin­dung mit § 287 Abs. 1 Satz 1 ZPO vor­ge­nom­men, ob die ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Preis­er­hö­hun­gen auf (Bezugs)Kostensteigerungen beru­hen und ihnen kei­ne Ein­spa­run­gen in ande­ren Kos­ten­po­si­tio­nen gegen­über­ste­hen. Die hier­zu erfor­der­li­chen Anknüp­fungs­tat­sa­chen hat es durch Ver­neh­mung meh­re­rer sach­kun­di­ger Zeu­gen gewon­nen. Hier­bei han­del­te es sich um zwei mit der Prü­fung der vor­be­zeich­ne­ten Fra­gen befass­te (exter­ne) Wirt­schafts­prü­fer sowie um den Ver­kaufs­lei­ter der Gas­ver­sor­ge­rin.

Wenn das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf bereits auf die­ser Grund­la­ge im Rah­men des § 287 Abs. 2 ZPO, des­sen Vor­aus­set­zun­gen es zutref­fend bejaht hat, zu der Über­zeu­gung gelangt ist, dass die von der Gas­ver­sor­ge­rin vor­ge­tra­ge­nen Bezugs­kos­ten­stei­ge­run­gen tat­säch­lich in die­sem Umfang erfolgt sind und ihnen kei­ne Ein­spa­run­gen in ande­ren Kos­ten­po­si­tio­nen gegen­über­ste­hen, durf­te es rechts­feh­ler­frei davon abse­hen, auch noch den von der Gas­ver­sor­ge­rin zusätz­lich ange­bo­te­nen Sach­ver­stän­di­gen­be­weis zu erhe­ben.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Gas­ver­sor­ge­rin gilt für die von ihr – ohne nähe­re Bezeich­nung des Beweis­an­trags – gefor­der­te Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens zum Zwe­cke des Gegen­be­wei­ses nichts ande­res.

Zwar darf nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ein Beweis­an­trag nicht des­halb abge­lehnt wer­den, weil das Gericht das Gegen­teil der behaup­te­ten Tat­sa­che bereits als erwie­sen ansieht [88]. Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf durf­te hier indes im Rah­men des § 287 Abs. 2 ZPO von der Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens zum Zwe­cke des Gegen­be­wei­ses abse­hen, da der Beklag­te die vor­be­zeich­ne­ten Anknüp­fungs­tat­sa­chen nicht qua­li­fi­ziert ange­grif­fen hat [89]. Das von der Gas­ver­sor­ge­rin inso­weit in Bezug genom­me­ne Vor­brin­gen des Beklag­ten in den Tat­sa­chen­in­stan­zen ist zudem nicht mit einem Antrag auf Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens unter­legt.

Eben­falls ohne Erfolg wen­det sich die Gas­ver­sor­ge­rin gegen den vom Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf im Rah­men der Bil­lig­keits­prü­fung nach § 315 BGB gewähl­ten Beur­tei­lungs­maß­stab einer Gesamt­be­trach­tung des Gas­wirt­schafts­jah­res.

Soweit die Gas­ver­sor­ge­rin meint, rich­ti­ger­wei­se müs­se jede ein­zel­ne Tarif­er­hö­hung der Bil­lig­keit ent­spre­chen, kommt es hier­auf nicht ent­schei­dend an. Denn, wie oben unter – II 3 bereits aus­ge­führt, geht es im Streit­fall nicht um die Fra­ge der Bil­lig­keit der Preis­er­hö­hun­gen (§ 315 BGB), son­dern um die Preis­bil­dung im Rah­men einer ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung. Aus die­sem Grund bedarf auch der vom Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf auf­ge­zeig­te Mei­nungs­streit der Instanz­ge­rich­te, ob im Fal­le der Bean­stan­dung meh­re­rer Preis­er­hö­hun­gen jede Preis­er­hö­hung für sich genom­men – gege­be­nen­falls unter zusätz­li­cher Berück­sich­ti­gung nicht aus­ge­schöpf­ter Bezugs­kos­ten­stei­ge­run­gen frü­he­rer Erhö­hun­gen – an § 315 BGB zu mes­sen ist [90] oder ob eine Gesamt­be­trach­tung für einen bestimm­ten Zeit­raum – gege­be­nen­falls unter zusätz­li­cher Berück­sich­ti­gung der in nähe­rer Zukunft erwar­te­ten Preis­ent­wick- lung – vor­zu­neh­men ist [91], kei­ner Ent­schei­dung.

Bei der Beur­tei­lung, ob die Preis­er­hö­hun­gen des Ener­gie­ver­sor­gers unter Berück­sich­ti­gung der Schät­zungs­mög­lich­keit nach § 287 Abs. 2 in Ver­bin­dung mit § 287 Abs. 1 Satz 1 ZPO des­sen (Bezugs)Kostensteigerungen (hin­rei­chend) abbil­den, steht dem Tatrich­ter – ähn­lich wie bei der Prü­fung der Bil­lig­keit gemäß § 315 Abs. 3 BGB [92] – ein Ermes­sen zu. Des­sen Aus­übung unter­liegt nur einer ein­ge­schränk­ten revi­si­ons­ge­richt­li­chen Über­prü­fung dar­auf, ob sie auf grund­sätz­lich fal­schen oder offen­bar unrich­ti­gen Erwä­gun­gen beruht, erheb­li­ches Vor­brin­gen der Par­tei­en unbe­rück­sich­tigt gelas­sen, Rechts­grund­sät­ze der Bemes­sung ver­kannt, wesent­li­che Bemes­sungs­fak­to­ren außer Betracht gelas­sen oder der Schät­zung unrich­ti­ge Maß­stä­be zu Grun­de gelegt wur­den [93].

Hier­von aus­ge­hend erweist sich die Annah­me des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf, für die Beur­tei­lung der Preis­er­hö­hun­gen sei auf das Gas­wirt­schafts­jahr abzu­stel­len, im Ergeb­nis als rechts­feh­ler­frei. Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat im Rah­men sei­ner aus­führ­li­chen Wür­di­gung der für und gegen eine auf das Gas­wirt­schafts­jahr bezo­ge­ne Gesamt­be­trach­tung spre­chen­den Gesichts­punk­te zu Recht her­vor­ge­ho­ben, dass dem Ener­gie­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men bei der Wei­ter­ga­be von (Bezugs)Kostensteigerungen – auch mit Blick auf die oft­mals nicht sicher vor­aus­seh­ba­re Ent­wick­lung der Bezugs­kos­ten – ein Ermes­sens­spiel­raum zuzu­bil­li­gen ist.

Die­se für die hier gebo­te­ne ergän­zen­de Ver­trags­aus­le­gung in glei­cher Wei­se gel­ten­de Erwä­gung berück­sich­tigt zutref­fend, dass es bei einem Mas­sen­ge­schäft wie dem Tarif­kun­den­ver­trag – auch unter Berück­sich­ti­gung von Prak­ti­ka­bi­li­täts­ge­sichts­punk­ten – im Inter­es­se bei­der Ver­trags­par­tei­en liegt, eine Wei­ter­ga­be von Kos­ten­sen­kun­gen und Kos­ten­er­hö­hun­gen nicht – was regel­mä­ßig mit einem die Ener­gie­ver­sor­gung unnö­ti­ger­wei­se ver­teu­ern­den hohen Auf­wand ver­bun­den wäre – tages­ge­nau vor­zu­neh­men, son­dern auf die Kos­ten­ent­wick­lung in einem gewis­sen Zeit­raum abzu­stel­len.

Wie lan­ge der Zeit­raum für die vor­be­zeich­ne­te Gesamt­be­trach­tung bemes­sen sein muss, lässt sich nicht gene­rell bestim­men, son­dern bedarf der Beur­tei­lung des Tatrich­ters auf der Grund­la­ge der Umstän­de des Ein­zel­falls. In den meis­ten Fäl­len wird jedoch der vom Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hier gewähl­te Rah­men des Gas­wirt­schafts­jah­res ein geeig­ne­ter Prü­fungs­maß­stab sein.

Nach alle­dem hat das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf die streit­ge­gen­ständ­li­chen Preis­er­hö­hun­gen der Gas­ver­sor­ge­rin im Ergeb­nis zutref­fend für berech­tigt erach­tet und ihr die Kla­ge­for­de­rung zuge­spro­chen. Da sich das Preis­er­hö­hungs­recht hier aus der ergän­zen­den Ver­trags­aus­le­gung des Gas­lie­fe­rungs­ver­tra­ges der Par­tei­en ergibt mit der Fol­ge, dass es sich bei den nach den Fest­stel­lun­gen des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf auf Kos­ten­stei­ge­run­gen beru­hen­den Preis­er­hö­hun­gen um den ver­ein­bar­ten Gas­preis han­delt, ist für eine zusätz­li­che Bil­lig­keits­kon­trol­le gemäß § 315 BGB kein Raum.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. Okto­ber 2015 – VIII ZR 158/​11

  1. Anschluss an EuGH, Urteil vom 23.10.2014 – Rechts­sa­chen C359/​11 und C400/​11, NJW 2015, 849 – Schulz und Egbring­hoff[]
  2. inso­weit Auf­ga­be der st. Rspr.; sie­he nur BGH, Urtei­le vom 13.06.2007 – VIII ZR 36/​06, BGHZ 172, 315 Rn. 14 ff.; vom 19.11.2008 – VIII ZR 138/​07, BGHZ 178, 362 Rn. 26; vom 15.07.2009 – VIII ZR 56/​08, BGHZ 182, 41 Rn. 18 ff.[]
  3. Bestä­ti­gung von BGH, Urtei­le vom 26.11.2008 – VIII ZR 200/​05, BGHZ 179, 27 Rn. 28; vom 17.10.2012 – VIII ZR 226/​11, BGHZ 195, 135 Rn. 22; Beschluss vom 16.05.2013 – II ZB 7/​11, NJW 2013, 2674 Rn. 42; Anschluss an BVerfG, GmbHR 2013, 598, 601; NJW 2012, 669, 670 f.; BAGE 82, 211, 225 f.; 106, 252, 261; vgl. auch EuGH, Rs. C351/​12, GRUR 2014, 473 Rn. 45 – OSA; Rs. C176/​12, BB 2014, 2493 Rn. 39 mwN – Asso­cia­ti­on de média­ti­on socia­le; Rs. C12/​08, Slg. 2009, I6653 Rn. 61 – Mono Car Sty­ling[]
  4. Fort­füh­rung der BGH, Urtei­le vom 13.06.2007 – VIII ZR 36/​06, aaO Rn. 25; und vom 19.11.2008 – VIII ZR 138/​07, aaO Rn. 34 f.[]
  5. Bestä­ti­gung und Fort­füh­rung der BGH, Urtei­le vom 14.03.2012 – VIII ZR 113/​11, BGHZ 192, 372 Rn. 21, 25, und – VIII ZR 93/​11, ZNER 2012, 265 Rn. 29 f.; vom 25.03.2015 – VIII ZR 360/​13 33, und – VIII ZR 109/​14 34; vom 15.04.2015 – VIII ZR 59/​14, BB 2015, 1548 Rn. 37 mwN[]
  6. Bestä­ti­gung von BGH, Urteil vom 15.04.2015 – VIII ZR 59/​14, aaO[]
  7. LG Düs­sel­dorf, Urteil vom 28.01.2009 – 34 O (Kart) 112/​08[]
  8. OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 13.04.2011 – VI2 U (Kart) 3/​09[]
  9. BGBl. I S. 730[]
  10. BGBl. I S.1970[]
  11. st. Rspr.; BGH, Urtei­le vom 15.07.2009 – VIII ZR 225/​07, BGHZ 182, 59 Rn. 14; vom 14.07.2010 – VIII ZR 246/​08, BGHZ 186, 180 Rn. 26; vom 09.02.2011 – VIII ZR 295/​09, NJW 2011, 1342 Rn. 23; vom 11.05.2011 – VIII ZR 42/​10, NJW 2011, 2736 Rn. 32 mwN, inso­weit in BGHZ 189, 356 nicht abge­druckt[]
  12. BGH, Urtei­le vom 14.07.2010 – VIII ZR 246/​08, aaO Rn. 27; vom 11.05.2011 – VIII ZR 42/​10, aaO; vom 31.07.2013 – VIII ZR 162/​09, BGHZ 198, 111 Rn. 34[]
  13. vgl. BGH, Urteil vom 31.07.2013 – VIII ZR 162/​09, aaO Rn. 27 ff., zur Umwand­lung eines (Norm)Sonderkundenvertrags in einen Tarif­kun­den­ver­trag; vgl. auch BGH, Urteil vom 09.02.2011 – VIII ZR 295/​09, aaO Rn. 22, 24[]
  14. st. Rspr.; BGH, Urtei­le vom 14.05.2014 – VIII ZR 114/​13, BGHZ 201, 230 Rn. 35; vom 15.07.2009 – VIII ZR 225/​07, aaO Rn. 22, und – VIII ZR 56/​08, BGHZ 182, 41 Rn. 24[]
  15. BGH, Beschluss vom 18.05.2011, ZIP 2011, 1620[]
  16. BGBl. I S. 2391[][]
  17. BGBl. I S. 676 – AVB­GasV[]
  18. st. Rspr.; sie­he nur BGH, Urtei­le vom 13.06.2007 – VIII ZR 36/​06, BGHZ 172, 315 Rn. 14 ff.; vom 19.11.2008 – VIII ZR 138/​07, BGHZ 178, 362 Rn. 26; vom 15.07.2009 – VIII ZR 56/​08, aaO Rn. 18 ff.; eben­so BGH, Urteil vom 29.04.2008 – KZR 2/​07, BGHZ 176, 244 Rn. 26, 29[]
  19. BGH, Urtei­le vom 15.07.2009 – VIII ZR 225/​07, aaO Rn. 28; vom 13.01.2010 – VIII ZR 81/​08, WM 2010, 481 Rn. 18; jeweils mwN; eben­so BGH, Urteil vom 29.04.2008 – KZR 2/​07, aaO Rn. 26[]
  20. BR-Drs. 77/​79, S. 34, 38[]
  21. BR-Drs. 77/​79, S. 38[]
  22. BGH, Urtei­le vom 13.06.2007 – VIII ZR 36/​06, aaO; vom 19.11.2008 – VIII ZR 138/​07, aaO; vom 15.07.2009 – VIII ZR 56/​08, aaO Rn.19 f.; eben­so BGH, Urteil vom 29.04.2008 – KZR 2/​07, aaO Rn. 26, 29[]
  23. BGH, Urteil vom 15.07.2009 – VIII ZR 56/​08, aaO Rn.20; vgl. BR-Drs. 306/​06, S. 25 f., 43[]
  24. BGH, Urteil vom 15.07.2009 – VIII ZR 56/​08, aaO[]
  25. vgl. hier­zu BGH, Urtei­le vom 15.07.2009 – VIII ZR 225/​07, aaO Rn. 23, und – VIII ZR 56/​08, aaO Rn. 26; vom 14.07.2010 – VIII ZR 246/​08, aaO Rn. 33; jeweils mwN[]
  26. ABl. Nr. L 176, S. 57; im Fol­gen­den: Gas-Richt­li­nie; auf­ge­ho­ben zum 3.03.2011 durch Art. 53 der Richt­li­nie 2009/​73/​EG des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 13.07.2009 über gemein­sa­me Vor­schrif­ten für den Erd­gas­bin­nen­markt und zur Auf­he­bung der Richt­li­nie 2003/​55/​EG, ABl. Nr. L 211, S. 94[]
  27. vgl. BGH, Beschluss vom 18.05.2011 – VIII ZR 71/​10, aaO Rn. 6[][]
  28. BGH, Beschluss vom 29.06.2011 – VIII ZR 211/​10, RdE 2011, 372[]
  29. BGBl. I S. 684 – AVBEltV[]
  30. ABl. Nr. L 176, S. 37[]
  31. EuGH, Urteil vom 23.10.2014 – C‑359/​11 und C‑400/​11, aaO – Schulz und Egbring­hoff[][]
  32. vgl. BGH, Beschluss vom 09.02.2011 – VIII ZR 162/​09, WM 2011, 850[]
  33. EuGH, Urteil vom 21.03.2013 – C‑92/​11, NJW 2013, 2253 – RWE Ver­trieb AG; vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 31.07.2013 – VIII ZR 162/​09, aaO Rn. 46 ff.[]
  34. ABl. Nr. L 95, S. 29[]
  35. vgl. nur EuGH, Rs. C‑10/​97 bis C‑22/​97, Slg. 1998, I‑6307 Rn. 23 – Minis­te­ro del­le Finan­ze; Rs. C‑540/​07, Slg. 2009, I‑10983 Rn. 63 – Kommission/​Italien; jeweils mwN[]
  36. vgl. EuGH, Rs. C‑292/​92, Slg. 1993, I‑6787 Rn. 8 – Hüner­mund; Rs. C‑265/​01, Slg. 2003, I‑683 Rn. 18 mwN – Pan­sard[]
  37. vgl. nur EuGH, Rs. 14/​83, Slg. 1984, 1891 Rn. 26, 28 – von Col­son und Kamann; Rs. C‑397/​01 bis C‑403/​01, Slg. 2004, I‑8835 Rn. 113 – Pfeif­fer u.a.; Rs. C‑565/​12, NJW 2014, 1941 Rn. 54 mwN – LCL Le Cré­dit Lyon­nais; BGH, Urtei­le vom 21.12 2011 – VIII ZR 70/​08, BGHZ 192, 148 Rn. 24; vom 31.07.2013 – VIII ZR 162/​09, aaO Rn. 55; BGH, Beschluss vom 16.04.2015 – I ZR 130/​13, WRP 2015, 862 Rn. 26[]
  38. BGH, Urtei­le vom 26.11.2008 – VIII ZR 200/​05, BGHZ 179, 27 Rn. 21 mwN; vom 21.12 2011 – VIII ZR 70/​08, aaO Rn. 30; BGH, Beschluss vom 16.04.2015 – I ZR 130/​13, aaO[]
  39. BGH, Urtei­le vom 26.11.2008 – VIII ZR 200/​05, aaO Rn. 22 mwN; vom 21.12 2011 – VIII ZR 70/​08, aaO Rn. 31[]
  40. vgl. BGH, Urteil vom 21.12 2011 – VIII ZR 70/​08, aaO Rn. 32 ff.[]
  41. vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 18.05.2011 – VIII ZR 71/​10, aaO Rn. 6[]
  42. EuGH, Rs. C‑351/​12, GRUR 2014, 473 Rn. 45 – OSA; Rs. C‑176/​12, BB 2014, 2493 Rn. 39 mwN – Asso­cia­ti­on de média­ti­on socia­le; Rs. C‑12/​08, Slg. 2009, I‑6653 Rn. 61 – Mono Car Sty­ling[]
  43. BVerfG, GmbHR 2013, 598, 601; NJW 2012, 669, 670 f.[]
  44. BVerfG, NJW 2012, aaO mwN[]
  45. vgl. BGH, Urtei­le vom 26.11.2008 – VIII ZR 200/​05, aaO Rn. 28; vom 17.10.2012 – VIII ZR 226/​11, BGHZ 195, 135 Rn. 22; BGH, Beschluss vom 16.05.2013 – II ZB 7/​11, NJW 2013, 2674 Rn. 42; vgl. auch BGH, Urteil vom 13.04.2011 – VIII ZR 220/​10, BGHZ 189, 196 Rn. 47; BGH, Beschluss vom 16.04.2015 – I ZR 130/​13, aaO; eben­so BAGE 82, 211, 225 f.; 106, 252, 261; jeweils mwN[]
  46. BT-Drs. 15/​3917[]
  47. BT-Drs., aaO S. 46[]
  48. BT-Drs., aaO S. 66[]
  49. BT-Drs., aaO[]
  50. BR-Drs. 306/​06, S. 21[]
  51. BR-Drs., aaO S. 26, 43[]
  52. BR-Drs. 306/​1/​06, S. 8[]
  53. BR-Drs. 306/​06 [Beschluss], S. 8 f.[]
  54. BR-Drs. 306/​06 [Beschluss], S. 8[]
  55. BGBl.2006 – I S. 2391, 2397 f.[]
  56. vgl. nur BGH, Urtei­le vom 09.04.2002 – XI ZR 91/​99, BGHZ 150, 248, 257; vom 26.11.2008 – VIII ZR 200/​05, aaO Rn. 25; vom 21.12 2011 – VIII ZR 70/​08, aaO Rn. 34; vom 07.05.2014 – IV ZR 76/​11, BGHZ 201, 101 Rn. 23; BAGE 130, 119, 136; EuGH, Rs. C‑397/​01 bis C‑403/​01, Slg. 2004, I‑8835 Rn. 112 – Pfeif­fer u.a.; vgl. auch BGH, Beschluss vom 08.01.2014 – V ZB 137/​12, NVwZ 2014, 1111 Rn. 11[]
  57. ABl. Nr. L 211, S. 94; im Fol­gen­den: neue Gas-Richt­li­nie[]
  58. BGBl. I S. 1631[]
  59. eben­so Mar­kert, LMK 2014, 364601, Zif­fer 3c; Ver­sorgW 2015, 37, 39[]
  60. BR-Drs. 402/​14, S. 6 ff., 15 f.[]
  61. BR-Drs., aaO S. 24, 28[]
  62. sie­he nur EuGH, Rs. 41/​74, Slg. 1974, 1337 Rn. 9 ff. – van Duyn; Rs. C-148/​78, Slg. 1979, 1629 Rn. 18 ff. – Rat­ti; Rs. 8/​81, Slg. 1982, 53 Rn. 17 ff. – Becker; Rs. 152/​84, Slg. 1986, 723 Rn. 46 ff. – Mar­shall; Rs. 103/​88, Slg. 1989, 1839 Rn. 28 ff. – Fratel­li Cos­tan­zo SpA; Rs. C‑397/​01 bis 403/​01, aaO Rn. 103 – Pfeif­fer u.a.; jeweils mwN; vgl. BAGE 128, 134, 154; [soge­nann­te ver­ti­ka­le Direkt­wir­kung][]
  63. EuGH, Rs. C‑188/​89, Slg. 1990, I‑3313 Rn. 17 ff. – Fos­ter u.a.; Rs. C‑253/​96 bis C‑258/​96, Slg. 1997, I‑6907 Rn. 46 f. – Kam­pel­mann u.a.; jeweils mwN[]
  64. sie­he nur EuGH, Rs. C‑397/​01 bis C‑403/​01, aaO Rn. 108 f. – Pfeif­fer u.a.; Rs. C‑80/​06, Slg. 2007, I‑4473 Rn.20 – Carp; jeweils mwN; vgl. BAGE 128, aaO; [soge­nann­te hori­zon­ta­le Direkt­wir­kung][]
  65. vgl. hier­zu Kel­ler-Her­der/­Baum­bach, ER 2015, 3, 5 f.; Uff­mann, NJW 2015, 1215, 1217[]
  66. BGH, Urtei­le vom 12.10.2012 – V ZR 222/​11, NJW-RR 2013, 494 Rn. 9; vom 23.05.2014 – V ZR 208/​12, NJW 2014, 3439 Rn. 8; vom 15.10.2014 – XII ZR 111/​12, WM 2014, 2280 Rn. 70 mwN[]
  67. BGH, Urteil vom 12.10.2012 – V ZR 222/​11, aaO mwN[]
  68. vgl. BGH, Urteil vom 14.03.2012 – VIII ZR 113/​11, BGHZ 192, 372 Rn. 24 mwN; BGH, Beschluss vom 17.07.2012 – VIII ZR 13/​12 10[]
  69. vgl. BGH, Urteil vom 19.11.2008 – VIII ZR 138/​07, aaO Rn. 39 mwN[]
  70. BGH, Urtei­le vom 14.03.2012 – VIII ZR 113/​11, aaO Rn. 26; vom 15.04.2015 – VIII ZR 59/​14, BB 2015, 1548 Rn. 28, zur Ver­öf­fent­li­chung in BGHZ bestimmt; jeweils mwN[]
  71. BGH, Urteil vom 15.07.2009 – VIII ZR 56/​08, aaO Rn. 25; eben­so Danner/​Theobald/​Hartmann, Ener­gie­recht, Stand Janu­ar 2015, § 20 StromGVV Rn. 11 mwN[]
  72. vgl. BGH, Urteil vom 15.04.2015 – VIII ZR 59/​14, aaO Rn. 35 mwN[]
  73. vgl. zuletzt: BR-Drs. 402/​14, S. 6, 24 ff.[]
  74. vgl. BGH, Beschluss vom 18.05.2011 – VIII ZR 71/​10, aaO Rn. 15[]
  75. so auch EuGH, Schluss­an­trä­ge des Gene­ral­an­walts in der Rs. C‑359/​11 und C‑400/​11 55 f.[]
  76. vgl. BGH, Urteil vom 20.07.2010 – EnZR 23/​09, NJW 2011, 212 Rn. 42[]
  77. vgl. im Ein­zel­nen BGH, Urteil vom 14.03.2012 – VIII ZR 113/​11, aaO Rn. 27 ff.[]
  78. vgl. EuGH, Rs. C‑92/​11, aaO Rn. 46 – RWE Ver­trieb AG; Rs. C‑359/​11 und C‑400/​11, aaO Rn. 44 – Schulz und Egbring­hoff; Schluss­an­trä­ge des Gene­ral­an­walts in der Rs. C‑359/​11 und C‑400/​11 55[]
  79. vgl. BGH, Urtei­le vom 14.03.2012 – VIII ZR 113/​11, aaO Rn. 26 mwN; vom 15.04.2015 – VIII ZR 59/​14, aaO Rn. 35 f.[]
  80. vgl. BGH, Urtei­le vom 16.03.1978 – VII ZR 73/​77, WM 1978, 730 unter 2 a; vom 24.03.1988 – VII ZR 81/​87, NJW-RR 1988, 1427 unter – III 1; Schmidt-Sal­zer in Her­man­n/­Reck­na­gel/­Schmidt-Sal­zer, Kom­men­tar zu den All­ge­mei­nen Ver­sor­gungs­be­din­gun­gen, 1981, Band 1, Ein­lei­tung Rn. 24; Danner/​Theobald/​Eder, aaO, § 36 EnWG Rn. 57, 59, 63 ff. mwN[]
  81. vgl. BVerfG, NJW 2011, 1339, 1341[]
  82. vgl. BGH, Urteil vom 23.01.2013 – VIII ZR 80/​12, NJW 2013, 991 Rn. 37; vgl. auch BGH, Urteil vom 10.10.2012 – IV ZR 10/​11, BGHZ 195, 93 Rn. 80[]
  83. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 22.07.2014 – KZR 27/​13, NJW 2014, 3089 Rn. 23, 27, zu § 315 BGB[]
  84. BGH, Urtei­le vom 14.03.2012 – VIII ZR 113/​11, aaO Rn. 21, 25, und – VIII ZR 93/​11, ZNER 2012, 265 Rn. 30; vom 15.04.2015 – VIII ZR 59/​14, aaO Rn. 37 mwN[]
  85. BGH, Urtei­le vom 14.03.2012 – VIII ZR 93/​11, aaO Rn. 29; vom 25.03.2015 – VIII ZR 360/​13 33, und – VIII ZR 109/​14 34[]
  86. BGH, Urteil vom 15.04.2015 – VIII ZR 59/​14, aaO[]
  87. vgl. BGH, Urtei­le vom 07.10.2009 – I ZR 230/​06 30; vom 24.09.2014 – VIII ZR 394/​12, BGHZ 202, 258 Rn. 74; Musielak/​Voit/​Foerste, ZPO, 12. Aufl., § 287 Rn. 10, 10b[]
  88. st. Rspr.; BGH, Urteil vom 17.02.1970 – III ZR 139/​67, BGHZ 53, 245, 259 f.; Beschluss vom 16.04.2015 – IX ZR 195/​14 9; jeweils mwN[]
  89. vgl. hier­zu Musielak/​Voit/​Foerste, aaO Rn. 10; vgl. auch BGH, Urteil vom 17.04.1997 – X ZR 2/​96, NJW-RR 1998, 331 unter – III 1 und 3[]
  90. vgl. OLG Cel­le, ZNER 2011, 63 Rn. 37 ff.; LG Köln, Urteil vom 14.08.2009 – 90 O 41/​07 22 ff.[]
  91. vgl. OLG Mün­chen, Urteil vom 01.10.2009 – U (K) 3772/​08 43; OLG Koblenz, Urteil vom 12.04.2010 – 12 U 18/​08 12; vgl. auch BGH, Urtei­le vom 13.06.2007 – VIII ZR 36/​06, BGHZ 172, 315 Rn. 25; vom 19.11.2008 – VIII ZR 138/​07, aaO Rn. 34 f.[]
  92. vgl. hier­zu BGH, Urteil vom 20.07.2010 – EnZR 23/​09, aaO Rn. 39 mwN[]
  93. vgl. BGH, Urtei­le vom 09.06.2009 – VI ZR 110/​08, BGHZ 181, 242 Rn. 10; vom 04.11.2010 – III ZR 45/​10, NJW 2011, 852 Rn. 18; vom 08.05.2012 – VI ZR 37/​11, NJW 2012, 2267 Rn. 9; jeweils mwN; Musielak/​Voit/​Foerste, aaO Rn. 10b; Thomas/​Putzo/​Reichold, ZPO, 36. Aufl., § 287 Rn. 11[]