Anreiz­re­gu­lie­rung der Ener­gie­net­ze

Die Neu­fas­sung des § 9 ARegV ist – auch rück­wir­kend – wirk­sam und fin­det auf die gesam­te ers­te Regu­lie­rungs­pe­ri­ode nach der Anreiz­re­gu­lie­rungs­ver­ord­nung (ARegV) Anwen­dung.

Anreiz­re­gu­lie­rung der Ener­gie­net­ze

Mit die­ser Ent­schei­dung hat sich der Bun­des­ge­richts­hof erneut zu der Regu­lie­rung der Ent­gel­te für die Durch­lei­tung von Elek­tri­zi­tät durch frem­de Strom­net­ze nach der Anreiz­re­gu­lie­rungs­ver­ord­nung (ARegV) geäu­ßert. Bereits mit Beschlüs­sen vom 28. Juni 2011 [1] hat­te der Bun­des­ge­richts­hof fest­ge­stellt, dass die nach § 9 Abs. 1 ARegV a.F. vor­ge­se­he­ne Berück­sich­ti­gung eines netz­wirt­schaft­li­chen Pro­duk­ti­vi­täts­fort­schritts in der Ver­ord­nungs­er­mäch­ti­gung des § 21a EnWG a.F. kei­ne gesetz­li­che Grund­la­ge fand. Mit dem Zwei­ten Gesetz zur Neu­re­ge­lung ener­gie­wirt­schaft­li­cher Vor­schrif­ten vom 22. Dezem­ber 2011 ist die der Anreiz­re­gu­lie­rungs­ver­ord­nung zu Grun­de lie­gen­de Vor­schrift des § 21a EnWG geän­dert wor­den. Dane­ben hat der Gesetz­ge­ber § 9 ARegV, der den gene­rel­len sek­to­ra­len Pro­duk­ti­vi­täts­fak­tor betrifft, zum Teil neu gefasst.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs ist die­se Neu­fas­sung des § 9 ARegV wirk­sam und – auch rück­wir­kend – auf die gesam­te ers­te Regu­lie­rungs­pe­ri­ode nach der Anreiz­re­gu­lie­rungs­ver­ord­nung anzu­wen­den. Damit liegt auf Grund der Geset­zes­än­de­rung in § 21a Abs. 4 Satz 7, Abs. 6 Satz 2 Nr. 5 EnWG jetzt eine aus­rei­chen­de Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge hier­für vor. Nach § 9 Abs. 2 ARegV ist danach in der ers­ten Regu­lie­rungs­pe­ri­ode ein gene­rel­ler sek­to­ra­ler Pro­duk­ti­vi­täts­fak­tor von jähr­lich 1,25 Pro­zent bei der Bestim­mung der Erlös­ober­gren­zen zu berück­sich­ti­gen.

Wei­ter­hin gel­ten, so der Bun­des­ge­richts­hof, auch in der Über­gangs­pha­se von der kos­ten­ba­sier­ten Ent­geltre­gu­lie­rung zur Anreiz­re­gu­lie­rung die Grund­sät­ze der Mehr­erlös­sal­die­rung, die vom Bun­des­ge­richts­hof bereits 2008 auf­get­sellt wor­den sind [2]. Die Netz­be­trei­ber dür­fen dem­nach die in der Zeit vor der ers­ten Ent­gelt­ge­neh­mi­gung ver­ein­nahm­ten Ent­gel­te inso­weit nicht behal­ten, als sie nach den mate­ri­el­len Maß­stä­ben des Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes über­höht waren. Soweit die­se Mehr­erlö­se nicht schon bei der kos­ten­ba­sier­ten Ent­geltre­gu­lie­rung ange­setzt wor­den sind, sind sie im Anwen­dungs­be­reich der Anreiz­re­gu­lie­rungs­ver­ord­nung in Aus­gleich zu brin­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 31. Janu­ar 2012 – EnVR 16/​10

  1. BGH, Beschlüs­se vom 28.06.2011 – EnVR 34/​10 und EnVR 48/​10[]
  2. BGH, Beschluss vom 14. August 2008 – KVR 39/​07, Vat­ten­fall[]