Bahn­strom­ver­sor­gung für Schles­wig-Hol­stein

Im Hin­blick auf die Bedeu­tung der Bahn­strom­ver­sor­gung Schles­wig-Hol­steins müs­sen von der geplan­ten Bahn­strom­lei­tung betrof­fe­ne Grund­stücks­ei­gen­tü­mer Bewirt­schaf­tungs­er­schwer­nis­se und Wert­ver­lus­te ihrer Grund­stü­cke hin­neh­men, soweit sie nicht ent­schä­di­gungs­pflich­tig sind. Hält die plan­fest­ge­stell­te Hoch­span­nungs­frei­lei­tung die gel­ten­den Grenz­wer­te ein, kann auch nicht von Gesund­heits­ge­fähr­dun­gen durch elek­tro­ma­gne­ti­sche Fel­der („Elek­tro­smog“) aus­ge­gan­gen wer­den.

Bahn­strom­ver­sor­gung für Schles­wig-Hol­stein

Mit die­ser Begrün­dung hat das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­gen meh­re­rer Obst­bau­ern und wei­te­rer Plan­be­trof­fe­ner aus dem „Alten Land“ gegen den Umbau der 110-kV-Bahn­strom­frei­lei­tung Nenn­dorf-Neu­müns­ter – BL577, wel­che die Bahn­strom­ver­sor­gung Schles­wig-Hol­steins auch künf­tig sichern soll, abge­wie­sen. Nach­dem der Nutzungs­vertrag für die bis­her genutz­te Elbe­kreu­zung II von der Netz­be­trei­be­rin (jetzt die „Ten­neT“ AG) am 20. Dezem­ber 2007 wegen Eigen­be­darfs gekün­digt wor­den ist – sie plant die Erwei­te­rung der Strom­über­tra­gungs­ka­pa­zi­tä­ten über die Elbe durch zwei zusätz­li­che 380 kV-Strom­krei­se unter Inan­spruch­nah­me der Elbe­kreu­zung II -, plant die bei­ge­la­de­ne DB Ener­gie GmbH als Vor­ha­ben­trä­ge­rin, die o.a. Bahn­strom­lei­tung umzu­bau­en und in der Gemein­de Hol­lern-Twie­len­fleth nun­mehr an die Elbekreu­zung I anzu­bin­den. Sie beab­sich­tigt, eine neue Strom­tras­se auf einer Län­ge von 3,1 km unter Auf­stel­lung von 10 neu­en Mas­ten zu errich­ten, die zahl­rei­che Obst­plan­ta­gen und Tei­le des Ortes Hol­lern-Twie­len­fleth sowie Berei­che des dort ver­lau­fen­den Schöpf­werks­ka­nals über­span­nen wird.

Die Klä­ger haben im Kla­ge­ver­fah­ren u.a. das Feh­len einer Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung, die mangel­hafte Prü­fung von Alter­na­ti­ven, die unzu­rei­chen­de Abwä­gung von Bewirtschaftungs­erschwernissen für Schöpf­werks­ver­band, Obst­bau­ern und Feri­en­haus­ver­mie­ter, Wert­ver­lus­te ihrer Grund­stü­cke, die Gefahr von Gesund­heits­be­ein­träch­ti­gun­gen durch Elek­tro­smog sowie Sicherheitsprob­leme auf­grund eines unzu­rei­chen­den Min­destabstandes der Lei­tung zu den Obst­baum­plan­ta­gen bean­stan­det.

Nach Auf­fas­sung des Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richts ist das Eisen­bahn­bun­des­amt als Plan­fest­stel­lungs­be­hör­de zustän­dig gewe­sen. Das Vor­ha­ben hat auch eine aus­rei­chen­de Plan­recht­fer­ti­gung. Die Kün­di­gung der Mit­be­nut­zungs­ver­ein­ba­rung ist wirk­sam. Die Absicht des Netz­be­trei­bers, die Elbe­kreu­zung II künf­tig allein für eige­nen Bedarf nut­zen zu wol­len, ist hin­rei­chend kon­kre­ti­siert wor­den. Die Vor­ha­ben­trä­ge­rin muss sich auch nicht auf alter­na­ti­ve Lösun­gen, wie eine Erd­ver­ka­be­lung oder eine dezen­tra­le Bahn­strom­ver­sor­gung in Schles­wig-Hol­stein, ver­wei­sen las­sen. Eine Erd­ver­ka­be­lung wäre mit gra­vie­ren­den tech­ni­schen Nach­tei­len ver­bun­den, die die Sta­bi­li­tät der Strom­ver­sor­gung im Bahn­netz und die Zuver­läs­sig­keit des Zug­ver­kehrs im Bun­des­ge­biet beein­träch­ti­gen wür­den. Eine dezen­tra­le Bahn­strom­ver­sor­gung durch den Bau eines Umspann­wer­kes oder eines eige­nen Kraft­wer­kes für die Erzeu­gung von Strom der Span­nungs­stu­fe 110 kV lie­fe auf ein ande­res Pro­jekt hin­aus und wäre mit erheb­li­chen Mehr­kos­ten ver­bun­den. Zie­le der Raum­ord­nung wer­den durch das Vor­ha­ben nicht ver­letzt. Auch Sicher­heits­be­lan­gen ist nun­mehr genügt, nach­dem das Eisen­bahn­bun­des­amt am 19. Dezem­ber 2013 eine Plan­än­de­rung vor­ge­nom­men hat, durch wel­che die Min­dest­bo­den­ab­stän­de der Lei­tungs­sei­le erhöht und in recht­lich ver­bind­li­cher Wei­se fest­ge­schrie­ben wor­den sind, und es die­se Rege­lung in der münd­li­chen Ver­hand­lung durch Ein­be­zie­hung wei­te­rer Plan­un­ter­la­gen auf alle von der Über­span­nung betrof­fe­nen Obst­plan­ta­gen erstreckt hat. Damit sind die bei der Frost­schutz­be­reg­nung und Ein­net­zung der Obst­bäu­me erfor­der­li­chen Sicher­heits­ab­stän­de zur Lei­tung von min­des­tens 3 m in jedem Fall gewähr­leis­tet, regel­mä­ßig sogar deut­lich über­schrit­ten. Im Hin­blick auf die Bedeu­tung der Bahn­strom­ver­sor­gung Schles­wig-Hol­steins müs­sen die Klä­ger, u.a. auch der Schöpf­werks­ver­band, Bewirt­schaf­tungs­er­schwer­nis­se und Wert­ver­lus­te ihrer Grund­stü­cke hin­neh­men, soweit sie nicht ent­schä­di­gungs­pflich­tig sind. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts kann auch nicht von Gesund­heits­ge­fähr­dun­gen durch elek­tro­ma­gne­ti­sche Fel­der („Elek­tro­smog“) aus­ge­gan­gen wer­den, da die plan­fest­ge­stell­te Hoch­span­nungs­frei­lei­tung die gel­ten­den Grenz­wer­te ein­hält. Män­gel der Vor­prü­fung nach dem Umwelt­ver­träg­lich­keits­ge­setz sind im Rah­men des Plan­än­de­rungs­ver­fah­rens beho­ben wor­den.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 24. März 2014 – 7 KS 158/​11