Die Bil­lig­keit der Netz­ent­gel­te

Der Netz­be­trei­ber kann sich zur Dar­le­gung der Bil­lig­keit der von ihm ver­lang­ten Netz­ent­gel­te – in einem ers­ten Schritt – auf die Ent­gelt­ge­neh­mi­gung nach § 23a EnWG stüt­zen [1].

Die Bil­lig­keit der Netz­ent­gel­te

Danach kann sich der Netz­be­trei­ber zur Dar­le­gung der Bil­lig­keit der von ihm ver­lang­ten Netz­ent­gel­te – in einem ers­ten Schritt – auf die Ent­gelt­ge­neh­mi­gung nach § 23a EnWG stüt­zen; dies gilt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs [2] nicht nur für die ers­te Geneh­mi­gungs­run­de, son­dern für den gesam­ten Zeit­raum der kos­ten­ba­sier­ten Ent­gelt­ge­neh­mi­gung. In der Ent­schei­dung hat der Bun­des­ge­richts­hof auch zu den Anfor­de­run­gen an die Erschüt­te­rung der Indi­zwir­kung nähe­re Vor­ga­ben gemacht [3]. Wei­te­rer Leit­li­ni­en bedarf es vor­lie­gend nicht.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs hat der Netz­be­trei­ber die Bil­lig­keit der von ihm ver­lang­ten Ent­gel­te dar­zu­le­gen und gege­be­nen­falls zu bewei­sen; dies gilt auch im Rück­for­de­rungs­pro­zess, wenn der Netz­nut­zer die Ent­gel­te nur unter dem Vor­be­halt der gericht­li­chen Nach­prü­fung gezahlt hat [4]. Der Maß­stab der Bil­lig­keit in § 315 BGB ist im Rah­men der Über­prü­fung von Netz­ent­gel­ten kein indi­vi­du­el­ler, son­dern muss aus der typi­schen Inter­es­sen­la­ge des Netz­nut­zungs­ver­hält­nis­ses und den für des­sen Aus­ge­stal­tung maß­geb­li­chen gesetz­li­chen Vor­ga­ben gewon­nen wer­den; die­ser Maß­stab wird durch §§ 21 ff. EnWG kon­kre­ti­siert [5].

Wie der Bun­des­ge­richts­hof des Wei­te­ren bereits ent­schie­den hat, kann sich der Netz­be­trei­ber nach Inkraft­tre­ten des EnWG 2005 zur Dar­le­gung der Bil­lig­keit der von ihm ver­lang­ten Netz­ent­gel­te – in einem ers­ten Schritt – auf die Ent­gelt­ge­neh­mi­gung nach § 23a EnWG stüt­zen. Die­se stellt auf­grund der engen Vor­ga­ben der Ent­gelt­kon­trol­le nach den ener­gie­wirt­schafts­recht­li­chen Vor­schrif­ten und der damit ver­bun­de­nen Prüf­tie­fe durch die (neu­tra­len) Regu­lie­rungs­be­hör­den ein gewich­ti­ges Indiz für die Bil­lig­keit und Ange­mes­sen­heit der geneh­mig­ten Ent­gel­te dar [6]. Es obliegt dann dem Netz­nut­zer, im Ein­zel­nen dar­zu­le­gen, aus wel­chen Grün­den die behörd­lich geneh­mig­ten Netz­ent­gel­te über­höht sein sol­len, und die indi­zi­el­le Wir­kung der Ent­gelt­ge­neh­mi­gung zu erschüt­tern. Inso­weit kann er etwa gel­tend machen, dass die Regu­lie­rungs­be­hör­de gegen Vor­schrif­ten des EnWG oder der Strom­NEV bzw. Gas­NEV ver­sto­ßen hat oder die Ent­gelt­ge­neh­mi­gung auf unrich­ti­gen Tat­sa­chen­an­ga­ben des Netz­be­trei­bers in den Antrags­un­ter­la­gen beruht, deren Feh­ler­haf­tig­keit im Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren nicht auf­ge­deckt wor­den ist [7]. Gelingt ihm dies, muss der Netz­be­trei­ber sei­ne Kos­ten­kal­ku­la­ti­on vor­le­gen und im Ein­zel­nen näher erläu­tern.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs stellt die Ent­gelt­ge­neh­mi­gung nach § 23a EnWG auf­grund der engen Vor­ga­ben der Ent­gelt­kon­trol­le und der damit ver­bun­de­nen Prüf­tie­fe durch die – neu­tra­len – Regu­lie­rungs­be­hör­den gene­rell ein gewich­ti­ges Indiz für die Bil­lig­keit und Ange­mes­sen­heit der geneh­mig­ten Ent­gel­te dar [8]. Wei­te­rer Dar­le­gun­gen des Netz­be­trei­bers und ent­spre­chen­der tatrich­ter­li­cher Fest­stel­lun­gen zur Ein­hal­tung die­ser Maß­ga­ben im kon­kre­ten Ein­zel­fall bedarf es nicht. Viel­mehr obliegt es dann dem Netz­nut­zer, im Ein­zel­nen dar­zu­le­gen, aus wel­chen Grün­den die behörd­lich geneh­mig­ten Netz­ent­gel­te über­höht sein sol­len, und die indi­zi­el­le Wir­kung der Ent­gelt­ge­neh­mi­gung zu erschüt­tern [9].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. Okto­ber 2015 – EnZR 50/​14

  1. BGH, Urteil vom 15.05.2012 – EnZR 105/​10, RdE 2012, 382 Rn. 36 – Strom­netz­nut­zungs­ent­gelt V[]
  2. BGH, aaO – Strom­netz­nut­zungs­ent­gelt V[]
  3. BGH, Urteil aaO Rn. 36, 38 f. – Strom­netz­nut­zungs­ent­gelt V[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 15.05.2012 – EnZR 105/​10, RdE 2012, 382 Rn. 33 mwN – Strom­netz­nut­zungs­ent­gelt V[]
  5. BGH, Urteil aaO Rn. 34 mwN – Strom­netz­nut­zungs­ent­gelt V[]
  6. BGH, Urteil vom 15.05.2012 – EnZR 105/​10, RdE 2012, 382 Rn. 36 mwN – Strom­netz­nut­zungs­ent­gelt V[]
  7. vgl. BGH, Urteil aaO Rn. 23 – Strom­netz­nut­zungs­ent­gelt V[]
  8. vgl. BGH, Urtei­le vom 20.07.2010 – EnZR 23/​09, RdE 2010, 385 Rn. 41 ff. – Strom­netz­nut­zungs­ent­gelt IV; und vom 15.05.2012 – EnZR 105/​10, RdE 2012, 382 Rn. 36 mwN – Strom­netz­nut­zungs­ent­gelt V[]
  9. BGH, Urteil vom 15.05.2012, aaO – Strom­netz­nut­zungs­ent­gelt V[]