Die Fol­gen einer unter­las­se­nen Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung in der Energiewirtschaft

Die Feh­ler­fol­gen­re­ge­lung des § 43e Abs. 4 Satz 2 EnWG geht als spe­zi­el­le­re Rege­lung der all­ge­mei­nen Rege­lung des § 4 Abs. 1 Satz 1 UmwRG i.V.m. § 113 Abs. 1 Satz 1 VwGO vor [1]

Die Fol­gen einer unter­las­se­nen Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung in der Energiewirtschaft

Die Feh­ler­fol­ge einer zu Unrecht unter­las­se­nen Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung ergibt sich aus § 4 Abs. 1 Satz 1 und 2, Abs. 3 UmwRG i.V.m. § 43e Abs. 4 Satz 2 EnWG. Nament­lich ist § 4 Abs. 1 Satz 2 UmwRG anzu­wen­den, der durch das Gesetz zur Ände­rung des Umwelt-Rechts­be­helfs­ge­set­zes und ande­rer umwelt­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 21.01.2013 [2] mit Wir­kung vom 29.01.2013 erlas­sen wor­den ist, und der die bis­he­ri­ge Rechts­la­ge klar­stellt [3].

Nach § 4 Abs. 1 Satz 1 UmwRG kann die Auf­he­bung einer Ent­schei­dung über die Zuläs­sig­keit eines Vor­ha­bens nach § 1 Abs. 1 Satz 1 UmwRG ver­langt wer­den, wenn eine nach den Bestim­mun­gen des Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fungs­ge­set­zes erfor­der­li­che Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung nicht durch­ge­führt und nicht nach­ge­holt wor­den ist. Ein sol­cher Fall liegt nach § 4 Abs. 1 Satz 2 UmwRG auch vor, wenn – wie hier – eine durch­ge­führ­te Vor­prü­fung des Ein­zel­falls über die UVP-Pflich­tig­keit nicht dem Maß­stab von § 3a Satz 4 UVPG genügt. Die Vor­schrift gilt nach § 4 Abs. 3 UmwRG für Rechts­be­hel­fe von Betei­lig­ten nach § 61 Nr. 1 VwGO und damit für die Klä­ge­rin ent­spre­chend. Sie wird so auf Rechts­be­hel­fe erstreckt, deren Zuläs­sig­keit von der Gel­tend­ma­chung sub­jek­tiv-öffent­li­cher Rech­te abhängt [4]. § 4 Abs. 3 UmwRG begrün­det damit nicht die Kla­ge­be­fug­nis, son­dern ver­än­dert gegen­über der all­ge­mei­nen Rege­lung des § 46 VwVfG NRW die Begründ­etheits­prü­fung [5]. Hat die Behör­de eine Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung feh­ler­haft unter­las­sen, ist die­ser Feh­ler erheb­lich, ohne dass es nach natio­na­lem Recht dar­auf ankommt, ob die ver­letz­ten Ver­fah­rens­vor­schrif­ten der Gewähr­leis­tung eines mate­ri­el­len sub­jek­ti­ven Rechts die­nen und ob die­ser Feh­ler die Sach­ent­schei­dung beein­flusst haben könn­te. Der Ver­fah­rens­feh­ler führt damit zur Begründ­etheit der Kla­ge, unab­hän­gig von den sonst nach § 113 Abs. 1 Satz 1 VwGO gel­ten­den ein­schrän­ken­den Maß­ga­ben [6].

Unge­ach­tet des Wort­lauts des § 4 Abs. 1 Satz 1 UmwRG führt der fest­ge­stell­te Rechts­feh­ler hier nicht zur Auf­he­bung des Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses. Der auf den Regel­fall des § 113 Abs. 1 Satz 1 VwGO zuge­schnit­te­ne Wort­laut ersetzt die spe­zi­el­le Feh­ler­fol­gen­re­ge­lung des § 43e Abs. 4 Satz 2 EnWG nicht, viel­mehr geht die letzt­ge­nann­te Rege­lung als spe­zi­el­le­re vor [7]. Vor­lie­gend kann es mit der Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit und Nicht­voll­zieh­bar­keit nach § 43e Abs. 4 Satz 2 EnWG sein Bewen­den haben. Denn der ein­ge­tre­te­ne Ver­fah­rens­feh­ler kann in einem ergän­zen­den Ver­fah­ren beho­ben werden.

Dies begeg­net kei­nen uni­ons­recht­li­chen Beden­ken [8]. Denn die gericht­li­che Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit und Nicht­voll­zieh­bar­keit stellt sicher, dass die Zulas­sungs­ent­schei­dung nicht aus­ge­führt wer­den darf, bevor die unter­blie­be­ne Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung nach­ge­holt und die in ihrem Rah­men getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen und Bewer­tun­gen der Umwelt­aus­wir­kun­gen des Vor­ha­bens in einer erneu­ten Zulas­sungs­ent­schei­dung gewür­digt wor­den sind. Die­se Wür­di­gung muss ergeb­nis­of­fen erfol­gen und ist wie­der­um mit Rechts­be­hel­fen angreif­bar. Eine Umge­hung oder Nicht­an­wen­dung der Rege­lun­gen über die Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung wird dadurch ver­hin­dert. Die­se kön­nen viel­mehr ihre vol­le Wirk­kraft entfalten.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 17. Dezem­ber 2013 – 4 A 1.2013 -

  1. vgl. BVerwG, Urteil vom 20.12 2011 – 9 A 31.10, BVerw­GE 141, 282, LS[]
  2. BGBl I S. 95[]
  3. BT-Drs. 17/​10957 S. 17; vgl. bereits Urteil vom 20.12 2011 a.a.O. Rn. 33[]
  4. BT-Drs. 16/​2495 S. 14[]
  5. BVerwG, Urteil vom 20.12 2011 – 9 A 30.10, Buch­holz 310 § 42 Abs. 2 VwGO Nr. 33 Rn. 22[]
  6. BVerwG, Beschluss vom 27.06.2013 – 4 B 37.12BauR 2013, 2014 Rn. 10[]
  7. eben­so BVerwG, Urteil vom 20.12 2011 – 9 A 31.10, BVerw­GE 141, 282 Rn. 34 = Buch­holz 406.251 § 3c UVPG Nr. 3 zu § 17e Abs. 6 Satz 2 FStrG[]
  8. BVerwG, Urteil vom 20.12 2011 a.a.O. Rn. 36[]