Die Insol­venz eines Betei­lig­ten im ener­gie­wirt­schafts­recht­li­chen Ver­fah­ren

Die Vor­schrif­ten der §§ 239 ff. ZPO, die auf­grund der Ver­wei­sung in § 173 Satz 1 VwGO im Ver­wal­tungs­pro­zess ent­spre­chend gel­ten [1], sind im ener­gie­wirt­schafts­recht­li­chen Ver­fah­ren eben­falls ent­spre­chend anwend­bar. Dies gilt ins­be­son­de­re für § 240 ZPO [2].

Die Insol­venz eines Betei­lig­ten im ener­gie­wirt­schafts­recht­li­chen Ver­fah­ren

Gemäß § 240 Satz 1 ZPO wird ein anhän­gi­ges Ver­fah­ren durch die Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens über das Ver­mö­gen einer Par­tei unter­bro­chen, sofern es die Insol­venz­mas­se betrifft. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen im Streit­fall vor.

Als Par­tei im Sin­ne der genann­ten Vor­schrift sind im Beschwer­de- und Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren nach dem Ener­gie­wirt­schafts­ge­setz jeden­falls die­je­ni­gen Betei­lig­ten anzu­se­hen, ohne deren Ein­be­zie­hung eine Ent­schei­dung in der Sache nicht erge­hen darf [3]. Als Antrag­stel­le­rin des Aus­gangs­ver­fah­rens gehört die Betei­lig­te zu die­sem Per­so­nen­kreis [4].

Ein Ver­fah­ren betrifft die Insol­venz­mas­se, wenn es zu ihr in recht­li­cher oder wenigs­tens wirt­schaft­li­cher Bezie­hung steht. Bei einer behörd­li­chen Geneh­mi­gung ist die­se Vor­aus­set­zung erfüllt, wenn sie oder der auf ihre Ertei­lung gerich­te­te Anspruch einen wirt­schaft­li­chen Wert ver­kör­pert, der als zur Insol­venz­mas­se gehö­rend anzu­se­hen ist [5].

Im Streit­fall ist die Betei­lig­te durch die ange­foch­te­ne Geneh­mi­gung von der Zah­lung von Netz­ent­gel­ten befreit wor­den. Die von der Beschwer­de­füh­re­rin ange­streb­te Auf­he­bung die­ser Geneh­mi­gung wür­de dazu füh­ren, dass die Betei­lig­te Ent­gelt­an­sprü­chen der Beschwer­de­füh­re­rin aus­ge­setzt ist. Damit ver­kör­pert die ange­foch­te­ne Geneh­mi­gung einen wirt­schaft­li­chen Wert. Die­ser ist der Insol­venz­mas­se zuzu­rech­nen, weil der Aus­schluss von Ent­gelt­an­sprü­chen die­ser zugu­te­kommt.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Beschwer­de­füh­re­rin ist die Insol­venz­mas­se nicht erst durch einen nach­fol­gen­den Rechts­streit über Ent­gelt­an­sprü­che der Beschwer­de­füh­re­rin betrof­fen. Ansprü­che, die den Gegen­stand eines sol­chen Rechts­streits bil­den kön­nen, ent­ste­hen nicht erst mit deren Gel­tend­ma­chung durch die Beschwer­de­füh­re­rin, son­dern jeden­falls mit der rechts­kräf­ti­gen Auf­he­bung der ange­foch­te­nen Geneh­mi­gung.

Die von der Beschwer­de­füh­re­rin auf­ge­wor­fe­ne Fra­ge, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen das unter­bro­che­ne Ver­fah­ren von einem der Betei­lig­ten auf­ge­nom­men wer­den kann, bedarf im der­zei­ti­gen Ver­fah­rens­sta­di­um kei­ner Ent­schei­dung. Die Vor­aus­set­zun­gen für die Auf­nah­me eines wegen Insol­venz­eröff­nung unter­bro­che­nen Ver­fah­rens sind in § 85 und § 86 InsO gere­gelt. Bei der Aus­le­gung die­ser Vor­schrif­ten sind die berech­tig­ten Inter­es­sen der Betei­lig­ten, ins­be­son­de­re das Inter­es­se an effek­ti­vem Rechts­schutz, ange­mes­sen zu berück­sich­ti­gen [6]. Soweit die unmit­tel­ba­re Anwen­dung der Vor­schrif­ten im Ein­zel­fall nicht aus­reicht, um die­sem Anlie­gen Rech­nung zu tra­gen, kommt auch ihre ent­spre­chen­de Anwen­dung in Betracht [7]. Ange­sichts des­sen besteht weder ein Anlass noch ein hin­rei­chen­der Grund, § 240 ZPO ein­engend aus­zu­le­gen und schon den Ein­tritt der Unter­bre­chungs­wir­kung davon abhän­gig zu machen, wel­che Mög­lich­kei­ten zur Auf­nah­me des unter­bro­che­nen Ver­fah­rens bestehen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. Novem­ber 2014 – EnVR 59/​13

  1. BVerw­GE 44, 148, 150; Rudi­si­le in Schoch/​Schneider/​Bier, VwGO, Stand Juli 2009, § 94 Rn. 105 ff.[]
  2. vgl. zum Kar­tell­ver­wal­tungs­ver­fah­ren BGH, Beschluss vom 24.09.2002 KVR 15/​01, WRP 2003, 77 Fähr­ha­fen Putt­gar­den – I [inso­weit nicht bei BGHZ 152, 84][]
  3. vgl. für Ver­fah­ren in Kar­tell­ver­wal­tungs­sa­chen BGH, WRP 2003, 77 – Fähr­ha­fen Putt­gar­den I; für not­wen­dig Bei­ge­la­de­ne im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren BFHE 151, 15[]
  4. dazu Gus­so­ne in Danner/​Theobald, Ener­gie­recht, Stand Okt.2011, EnWG § 79 Rn. 8 mwN[]
  5. vgl. BVerw­GE 115, 179, 181; BVerwG, GewArch 2007, 247; Rudi­si­le, aaO Rn. 110 mwN; sie­he auch BFHE 151, 15[]
  6. vgl. etwa BGH, Urteil vom 23.04.2013 – X ZR 169/​12, BGHZ 197, 177 = GRUR 2013, 862 Rn. 9 f. Auf­nah­me des Patent­nich­tig­keits­ver­fah­rens[]
  7. vgl. etwa BGH, Urteil vom 18.03.2010 – I ZR 158/​07, BGHZ 185, 11 = GRUR 2010, 536 Rn. 28 Modul­ge­rüst[]