Neu­es Koh­le­kraft­werk im FFH-Gebiet

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter hat den Vor­be­scheid und die ers­te Teil­ge­neh­mi­gung für das geplan­te Stein­koh­le­kraft­werk der Tria­nel Power Koh­le­kraft­werk Lünen GmbH & Co. KG in Lünen nach ins­ge­samt drei­tä­gi­ger münd­li­cher Ver­hand­lung auf­ge­ho­ben und damit einer Kla­ge des BUND Bund für Umwelt und Natur­schutz e.V. stattgegeben.

Neu­es Koh­le­kraft­werk im FFH-Gebiet

Durch das Urteil des Euro­päi­schen Gerichts­hofs vom 12. Mai 2011 sei geklärt, so die Müns­te­ra­ner Rich­ter, dass Umwelt­ver­bän­de Ver­stö­ße gegen Umwelt­vor­schrif­ten gel­tend machen kön­nen, die auf dem Recht der Euro­päi­schen Uni­on beru­hen; dazu zäh­len ins­be­son­de­re die Vor­schrif­ten der FFH-Richt­li­nie. Die Beden­ken des BUND gegen die FFH-Ver­träg­lich­keit des Kraft­werks sei­en begrün­det. Das fol­ge aller­dings nicht schon dar­aus, dass Tria­nel eine FFH-Ver­träg­lich­keits­un­ter­su­chung nicht schon vor Erlass des Vor­be­scheids, son­dern erst­mals wäh­rend des gericht­li­chen Ver­fah­rens vor­ge­legt habe. Die nach­träg­li­che Hei­lung durch Nach­ho­lung einer feh­len­den FFH-Ver­träg­lich­keits­prü­fung sei nach Auf­fas­sung des Gerichts grund­sätz­lich zuläs­sig. Auf der Grund­la­ge der im Okto­ber 2010 von der Betrei­be­rin vor­ge­leg­ten FFH-Ver­träg­lich­keits­un­ter­su­chung und der im gericht­li­chen Ver­fah­ren vor­ge­leg­ten gut­ach­ter­li­chen Stel­lung­nah­men sei zwar davon aus­zu­ge­hen, dass die Beein­träch­ti­gun­gen der im Ein­wir­kungs­be­reich der Kraft­werks­emis­sio­nen gele­ge­nen Schutz­ge­bie­te durch Stick­stoff­ein­trä­ge (Eutro­phie­rung) nicht erheb­lich seien.

Es sei aber der­zeit nicht fest­stell­bar, dass die vor allem durch die Emis­si­on von Schwe­fel­di­oxid ver­ur­sach­te Ver­saue­rung des Bodens im FFH-Gebiet „Wäl­der bei Cap­pen­berg“ nicht erheb­lich schä­di­gend sei. Das Schutz­ge­biet sei bereits jetzt über die natur­schutz­fach­lich begrün­de­te Belas­tungs­gren­ze hin­aus vor­be­las­tet. Zusätz­li­che Schad­stoff­ein­trä­ge dürf­ten des­halb nur dann zuge­las­sen wer­den, wenn eine vom Vor­ha­ben­trä­ger vor­zu­le­gen­de FFH-Ver­träg­lich­keits­un­ter­su­chung erge­be, dass die­se Zusatz­be­las­tung eine Baga­tell­schwel­le in Höhe von 3 % der Grenz­be­las­tung (sog. Cri­ti­cal Load) nicht über­schrei­te. Dar­an feh­le es hier. Nach der FFH-Richt­li­nie sei zu prü­fen, ob das Vor­ha­ben (Kraft­werk Tria­nel) in Zusam­men­wir­kung mit den Aus­wir­kun­gen par­al­le­ler ande­rer Plä­ne oder Pro­jek­te zu Beein­träch­ti­gun­gen füh­ren könn­te. Des­halb sei­en außer den Ver­ur­sa­chungs­bei­trä­gen des geplan­ten Tria­nel-Kraft­werks auch die Säu­re­ein­trä­ge in den Blick zu neh­men, die von den geplan­ten Kraft­wer­ken in Dat­teln (E.ON) und Her­ne (Evo­nik-Ste­ag) aus­ge­hen wer­den. Die natur­schutz­fach­li­che Argu­men­ta­ti­on der von Tria­nel beauf­trag­ten Gut­ach­ter, die zu erwar­ten­den Beein­träch­ti­gun­gen sei­en uner­heb­lich, sei nach inten­si­ver Befra­gung der Gut­ach­ter für das Gericht und auch für die zu der münd­li­chen Ver­hand­lung hin­zu­ge­zo­ge­nen Fach­leu­te des Lan­des­amts für Natur, Umwelt und Ver­brau­cher­schutz (LANUV) nicht nachvollziehbar.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len, Urteil vom 1. Dezem­ber 2011 – 8 D 58/​08.AK