Reser­ve­kraft­werks­ver­ord­nung

Die Bun­des­re­gie­rung hat heu­te die vom Bun­des­mi­nis­ter für Wirt­schaft und Tech­no­lo­gie vor­ge­leg­te „Ver­ord­nung zur Rege­lung des Ver­fah­rens der Beschaf­fung einer Netz­re­ser­ve sowie zur Rege­lung des Umgangs mit geplan­ten Still­le­gun­gen von Ener­gie­er­zeu­gungs­an­la­gen zur Gewähr­leis­tung der Sicher­heit und Zuver­läs­sig­keit des Elek­tri­zi­täts­ver­sor­gungs­sys­tems“ (Reser­ve­kraft­werks­ver­ord­nung – ResKV) ver­ab­schie­det.

Reser­ve­kraft­werks­ver­ord­nung

Die Ver­ord­nung dient der Umset­zung von im letz­ten Jahr ein­ge­führ­ten gesetz­li­chen Vor­ga­ben des Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes (EnWG) zur Ver­sor­gungs­si­cher­heit im Bereich der kon­ven­tio­nel­len Strom­erzeu­gung. Sie kodi­fi­ziert und sys­te­ma­ti­siert die seit 2011 bestehen­de Pra­xis von Über­tra­gungs­netz­be­trei­bern und Bun­des­netz­agen­tur zur Vor­hal­tung von Kraft­wer­ken als Reser­ve für die Absi­che­rung bestimm­ter Kri­sen­sze­na­ri­en ins­be­son­de­re in den Win­ter­mo­na­ten („Netz­re­ser­ve“).

Die Ver­ord­nung sieht u. a. eine jähr­li­che Über­prü­fung der Sys­tem­si­cher­heit im Hin­blick auf die ver­füg­ba­ren Erzeu­gungs­ka­pa­zi­tä­ten durch Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber und Bun­des­netz­agen­tur vor. Soweit sich hier­aus ein Bedarf an Reser­ve­leis­tung ergibt, wird die­ser aus­ge­schrie­ben. Inter­es­sier­te Betrei­ber kön­nen die Nut­zung ihrer Anla­gen als Reser­ve­kraft­wer­ke anbie­ten. Um Fehl­an­rei­ze zu ver­mei­den, kön­nen sich an der Aus­schrei­bung grund­sätz­lich nur sys­tem­re­le­van­te Anla­gen betei­li­gen, die der Betrei­ber end­gül­tig still­le­gen will („No-way-Back“-Verpflichtung). Die Ver­ord­nung prä­zi­siert zudem die gesetz­li­chen Pflich­ten der Anla­gen­be­trei­ber zur Anzei­ge geplan­ter Still­le­gun­gen von Kraft­wer­ken und legt Aus­nah­men vom bestehen­den ein­jäh­ri­gen Still­le­gungs­ver­bot fest.

Es wird davon aus­ge­gan­gen, dass die auf Grund­la­ge der Ver­ord­nung orga­ni­sier­te Nut­zung von bestehen­den Kraft­wer­ken als Reser­ve­an­la­gen in der Pra­xis die größ­te Bedeu­tung behal­ten wird. Gleich­wohl wird auf Grund­la­ge der jähr­li­chen Sys­tem­ana­ly­se auch die Fra­ge der Not­wen­dig­keit eines Neu­baus von Anla­gen unter­sucht wer­den. Nach dem Gesetz kann ein sol­cher Neu­bau von den Über­tra­gungs­netz­be­trei­bern ver­an­lasst wer­den, wenn kei­ne ande­ren Mit­tel die Sys­tem­si­cher­heit adäquat gewähr­leis­ten kön­nen.

Die Ver­ord­nung und die zu Grun­de lie­gen­den gesetz­li­chen Vor­ga­ben sind bis Ende des Jah­res 2017 befris­tet und stel­len eine Über­gangs­re­ge­lung bis zu einer Ent­schei­dung über mög­li­che Ände­run­gen am Strom­markt­de­sign ein­schließ­lich einer grund­le­gen­den EEG-Reform dar.

Die jüngs­te Novel­le des Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes („Drit­tes Gesetz zur Neu­re­ge­lung ener­gie­wirt­schafts­recht­li­cher Vor­schrif­ten“ vom 20. Dezem­ber 2012, BGBl. I S. 2729) beinhal­tet in § 13b Absatz 1 Num­mer 2 eine Ermäch­ti­gung der Bun­des­re­gie­rung zum Erlass von Rege­lun­gen für einen trans­pa­ren­ten Pro­zess zur Beschaf­fung einer Netz­re­ser­ve aus vor­läu­fig still­ge­leg­ten Ener­gie­er­zeu­gungs­an­la­gen, aus von vor­läu­fi­ger oder end­gül­ti­ger Still­le­gung bedroh­ten Anla­gen und in begrün­de­ten Aus­nah­me­fäl­len aus neu­en Anla­gen zum Zwe­cke der Gewähr­leis­tung der Sicher­heit und Zuver­läs­sig­keit des Elek­tri­zi­täts­ver­sor­gungs­sys­tems.

Durch Ver­ord­nung kön­nen gemäß § 13b Absatz 1 Num­mer 1 des Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes zudem auch die staat­li­chen Ein­griffs­be­fug­nis­se bei Kraft­werks­still­le­gun­gen, wel­che die Sicher­heit und Zuver­läs­sig­keit des Elek­tri­zi­täts­ver­sor­gungs­sys­tems gefähr­den, näher aus­ge­stal­tet wer­den.

Hin­ter­grund der Rege­lun­gen ist die seit 2011/​2012 bestehen­de Pra­xis der ver­trag­li­chen Bin­dung von Reser­ve­kraft­wer­ken (sie­he Bericht der Bun­des­netz­agen­tur zu den Aus­wir­kun­gen des Kern­kraft­aus­stiegs auf die Über­tra­gungs­net­ze und die Ver­sor­gungs­si­cher­heit vom 31. August 2011). Auf Grund der der­zeit bestehen­den regio­na­len Eng­päs­se im Süden Deutsch­lands ist es bis zur Fer­tig­stel­lung wich­ti­ger Netz­aus­bau­pro­jek­te erfor­der­lich, Reser­ve­kraft­wer­ke für beson­de­re Belas­tungs­si­tua­tio­nen ins­be­son­de­re wäh­rend der Win­ter­mo­na­te vor­zu­hal­ten, die außer­halb des Ener­gie­mark­tes zur Gewähr­leis­tung der Sicher­heit und Zuver­läs­sig­keit des Elek­tri­zi­täts­ver­sor­gungs­sys­tems ein­ge­setzt wer­den kön­nen.

Zudem kann die wei­te­re Still­le­gung von gesi­cher­ter Erzeu­gungs­ka­pa­zi­tät ins­be­son­de­re in Süd­deutsch­land vor dem Hin­ter­grund der hier im Win­ter bereits ange­spann­ten Ver­sor­gungs­la­ge zu einer Ver­schär­fung der Situa­ti­on füh­ren. Die jüngs­te Novel­le des Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes hat daher die Mög­lich­kei­ten geschaf­fen, Anla­gen, wel­che vom Betrei­ber still­ge­legt wer­den sol­len, vor­läu­fig im Betrieb zu hal­ten, wenn dies zur Gewähr­leis­tung der Sys­tem­si­cher­heit erfor­der­lich ist.

Schließ­lich kann es mit Blick auf die Abschal­tung der nächs­ten Kern­kraft­wer­ke erfor­der­lich sein, in Ein­zel­fäl­len auch neue Anla­gen zu bau­en, falls sich dies bei­spiels­wei­se bei einer wei­te­ren Ver­zö­ge­rung wich­ti­ger Netz­aus­bau­vor­ha­ben zur Gewähr­leis­tung der Sys­tem­si­cher­heit als not­wen­dig her­aus­stel­len soll­te.

Die jetzt beschlos­se­ne Reser­ve­kraft­werks­ver­ord­nung soll die seit 2011/​2012 bestehen­de Pra­xis der ver­trag­li­chen Bin­dung von
Reser­ve­kraft­wer­ken sowie den Umgang mit geplan­ten Still­le­gun­gen sys­tem­re­le­van­ter Anla­gen sys­te­ma­ti­sie­ren und kodi­fi­zie­ren, um Trans­pa­renz und Pla­nungs­si­cher­heit zu ver­bes­sern. Zudem sol­len die Vor­aus­set­zun­gen fest­ge­legt wer­den, unter denen in begrün­de­ten Aus­nah­me­fäl­len auch neu­en Anla­gen beschafft wer­den müs­sen.

Die wesent­li­chen Punk­te der Ver­ord­nung betref­fen die Aus­ge­stal­tung des Ver­fah­rens und die Kri­te­ri­en im Zusam­men­hang mit dem Abschluss von Ver­trä­gen mit bestehen­den Anla­gen als Reser­ve­kraft­wer­ke (Netz­re­ser­ve), die dies­be­züg­li­che Ver­gü­tung, das Ver­fah­ren zur Prü­fung der Fra­ge der Not­wen­dig­keit des Baus von Neu­an­la­gen für die Netz­re­ser­ve und ein sich gege­be­nen­falls anschlie­ßen­des Beschaf­fungs­ver­fah­ren sowie das Ver­fah­ren und den Umgang mit der Ankün­di­gung der vor­läu­fi­gen Still­le­gung sys­tem­re­le­van­ter Kraft­wer­ke.

Die Rege­lung zur Netz­re­ser­ve rich­tet sich vor­ran­gig an bestehen­de Ener­gie­er­zeu­gungs­an­la­gen, bei denen sich die Betrei­ber zu Still­le­gung und end­gül­ti­gem Aus­tritt aus dem Markt ent­schie­den haben. Soweit der Wei­ter­be­trieb der Anla­ge sys­tem­re­le­vant und zur Gewähr­leis­tung der Sicher­heit und Zuver­läs­sig­keit des Elek­tri­zi­täts­ver­sor­gungs­sys­tems erfor­der­lich ist, kann der Anla­gen­be­trei­ber mit dem betrof­fe­nen Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber nach Abstim­mung mit der Bun­des­netz­agen­tur einen Ver­trag über die Nut­zung der Anla­ge als Reser­ve­kraft­werk schlie­ßen. Die Ver­gü­tung erfolgt dabei wie bis­her kos­ten­ba­siert.

Die Über­prü­fung des Bedarfs an Reser­ve­kraft­wer­ken und damit der Sys­tem­re­le­vanz der Still­le­gung ein­zel­ner Anla­gen erfolgt dabei im Rah­men einer von den Über­tra­gungs­netz­be­trei­bern jähr­lich durch­zu­füh­ren­den Sys­tem­ana­ly­se, deren Ergeb­nis­se von der Bun­des­netz­agen­tur über­prüft und in einem Bericht ver­öf­fent­licht wer­den.

Die Deckung des Bedarfs wird dann von den Über­tra­gungs­netz­be­trei­bern in einem offe­nen, trans­pa­ren­ten und dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Ver­fah­ren aus­ge­schrie­ben. Betrei­ber von Anla­gen, wel­che eine end­gül­ti­ge Still­le­gung anstre­ben, kön­nen in die­sem Ver­fah­ren ihre Anla­ge als Reser­ve­kraft­werk anbie­ten. Gleich­zei­tig wird im Rah­men der Aus­schrei­bung die Mög­lich­keit einer tech­nisch gleich geeig­ne­ten und gesi­cher­ten sowie zumin­dest eben­so preis­güns­ti­gen Abde­ckung des Bedarfs durch Anla­gen aus dem EU-Bin­nen­markt oder der Schweiz über­prüft.

Die jewei­li­gen Ver­fah­rens­schrit­te – Sys­tem­ana­ly­se der Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber, Bericht der Bun­des­netz­agen­tur, Aus­schrei­bung des Bedarfs durch den Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber, Bin­dung der jewei­li­gen Kraft­wer­ke durch Ver­trag – sol­len jähr­lich zu fes­ten Ter­mi­nen durch­ge­führt wer­den. Für das Jahr 2013 gel­ten geson­der­te Fris­ten.

Teil der Netz­re­ser­ve sind auch even­tu­ell zu bau­en­de Neu­an­la­gen. Die Fra­ge der Not­wen­dig­keit des Baus von neu­en Anla­gen zur Gewähr­leis­tung der Sys­tem­si­cher­heit wird dabei im Rah­men der jähr­li­chen Sys­tem­ana­ly­se der Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber über­prüft. Dabei sol­len für einen Pro­gno­se­zeit­raum von jeweils fünf Jah­ren ver­schie­de­ne Belas­tungs­sze­na­ri­en sowie Ent­wick­lun­gen im Hin­blick auf mög­li­che Ver­zö­ge­run­gen beim Netz­aus­bau abge­bil­det und tech­ni­sche Alter­na­ti­ven der Absi­che­rung unter­sucht wer­den. Für den Fall eines ent­spre­chen­den Neu­bau­be­darfs, der von der Bun­des­netz­agen­tur fest­ge­legt wür­de, schrei­ben die Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber Bau und Betrieb der Anla­ge aus. Die Anla­ge, die dann wie die bestehen­den kon­tra­hier­ten Anla­gen außer­halb des Markts für die Sys­tem­si­cher­heit ein­ge­setzt wür­de, soll grund­sätz­lich von inter­es­sier­ten Kraft­werks­be­trei­bern gebaut und betrie­ben wer­den. Die Ver­gü­tung ergibt sich aus dem Aus­schrei­bungs­ver­fah­ren.

Im Rah­men der Prä­zi­sie­rung der gesetz­li­chen Vor­ga­ben für den Umgang mit der geplan­ten Still­le­gung sys­tem­re­le­van­ter Kraft­wer­ke wer­den ins­be­son­de­re die Fäl­le der vor­läu­fi­gen Still­le­gung näher aus­ge­stal­tet. Die unter­neh­me­ri­sche Frei­heit des Anla­gen­be­trei­bers, sei­ne Anla­ge vor­läu­fig still­zu­le­gen, bleibt erhal­ten. Aus­schließ­lich im Fal­le der Gefähr­dung der Sys­tem­si­cher­heit durch die vor­läu­fi­ge Still­le­gung einer Anla­ge, kann der Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber den Anla­gen­be­trei­ber zur Bereit­hal­tung der Anla­ge für die Absi­che­rung von Not­fäl­len ver­pflich­ten. Dem Betrei­ber wer­den die hier­für erfor­der­li­chen Kos­ten erstat­tet. Nicht erstat­tungs­fä­hig sind Kos­ten, wel­che dem Betrei­ber ohne­hin für die betref­fen­de Anla­ge bei­spiels­wei­se im Hin­blick auf eine spä­te­re Rück­kehr an den Markt ent­stan­den wären. Das Gesetz sieht zur Ver­mei­dung von Fehl­an­rei­zen und Markt­ver­zer­run­gen für Fäl­le der Ver­pflich­tung von Anla­gen bei vor­läu­fi­gen Still­le­gun­gen Auf­la­gen im Hin­blick auf eine spä­te­re Rück­kehr an den Ener­gie­markt vor (Ein­hal­tung einer Fünf­jah­res­frist, Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung von Leis­tungs­preis­be­stand­tei­len). Der Betrei­ber unter­liegt kei­nen dies­be­züg­li­chen Ein­schrän­kun­gen, wenn er kei­ne Leis­tungs­preis­be­stand­tei­le in Anspruch nimmt.

Die jetzt beschlos­se­nen Reser­ve­kraft­werks­ver­ord­nung ist bis zum 31. Dezem­ber 2017 befris­tet. Ent­spre­chend stel­len die Vor­ga­ben eine Über­gangs­re­ge­lung bis zu einer Ent­schei­dung im Hin­blick auf den zukünf­ti­gen Rah­men­be­din­gun­gen des Ener­gie­mark­tes dar.

Die Ver­ord­nung soll die seit 2011/​2012 bestehen­de Pra­xis der ver­trag­li­chen Bin­dung von Reser­ve­kraft­wer­ken sowie den Umgang mit geplan­ten Still­le­gun­gen sys­tem­re­le­van­ter Anla­gen sys­te­ma­ti­sie­ren und kodi­fi­zie­ren, um Trans­pa­renz und Pla­nungs­si­cher­heit zu ver­bes­sern. Zudem sol­len die Vor­aus­set­zun­gen fest­ge­legt wer­den, unter denen in begrün­de­ten Aus­nah­me­fäl­len auch neue Anla­gen beschafft wer­den müs­sen.

Die wesent­li­chen Punk­te der Ver­ord­nung betref­fen die Aus­ge­stal­tung des Ver­fah­rens und der Kri­te­ri­en im Zusam­men­hang mit dem Abschluss von Ver­trä­gen mit bestehen­den Anla­gen als Reser­ve­kraft­wer­ke (Netz­re­ser­ve), die dies­be­züg­li­che Ver­gü­tung, das Ver­fah­ren zur Prü­fung der Fra­ge der Not­wen­dig­keit des Baus von Neu­an­la­gen für die Netz­re­ser­ve und ein sich gege­be­nen­falls anschlie­ßen­des Beschaf­fungs­ver­fah­ren sowie das Ver­fah­ren und den Umgang mit einer Ankün­di­gung der vor­läu­fi­gen Still­le­gung sys­tem­re­le­van­ter Kraft­wer­ke.

Die Ver­ord­nung umfasst zwei Berei­che. Im Bereich der Netz­re­ser­ve (§§ 2 bis 9 der Ver­ord­nung) wer­den Vor­ga­ben für eine ver­trag­li­che Bin­dung von Reser­ve­kraft­wer­ken durch Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber und Bun­des­netz­agen­tur gere­gelt. Im zwei­ten Bereich (§§ 10 bis 12 der Ver­ord­nung) wer­den die gesetz­li­chen Ein­griffs­be­fug­nis­se der §§ 13 Absatz 1a und 1b sowie 13a des Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes prä­zi­siert.

Die Rege­lung zur Netz­re­ser­ve rich­tet sich vor­ran­gig an bestehen­de Anla­gen, bei denen sich die Betrei­ber zu Still­le­gung und end­gül­ti­gem Aus­tritt aus dem Markt ent­schie­den haben. Soweit der Wei­ter­be­trieb der Anla­ge sys­tem­re­le­vant und zur Gewähr­leis­tung der Sicher­heit und Zuver­läs­sig­keit des Elek­tri­zi­täts­ver­sor­gungs­sys­tems erfor­der­lich ist, kann der Anla­gen­be­trei­ber mit dem betrof­fe­nen Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber sowie in Abstim­mung mit der Bun­des­netz­agen­tur einen Ver­trag über die Nut­zung der Anla­ge als Reser­ve­kraft­werk schlie­ßen. Die Ver­gü­tung erfolgt dabei wie bis­her kos­ten­ba­siert.

Die Über­prü­fung des Bedarfs an Reser­ve­kraft­wer­ken und damit auch der Sys­tem­re­le­vanz der Still­le­gung ein­zel­ner Anla­gen erfolgt im Rah­men einer von den Über­tra­gungs­netz­be­trei­bern jähr­lich durch­zu­füh­ren­den Sys­tem­ana­ly­se, deren Ergeb­nis­se von der Bun­des­netz­agen­tur über­prüft und in einem Bericht jeweils bis zum 1. Mai eines Jah­res ver­öf­fent­licht wer­den. Maß­stab der Prü­fung ist die Gewähr­leis­tung der Sys­tem­si­cher­heit durch Bereit­hal­tung gesi­cher­ter Erzeu­gungs­leis­tung ins­be­son­de­re als Redis­patch­po­ten­ti­al. Nega­ti­ve Ver­än­de­run­gen und ent­spre­chen­der Hand­lungs­be­darf für Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber und Bun­des­netz­agen­tur gegen­über der jet­zi­gen Situa­ti­on kön­nen sich dabei durch die Ankün­di­gung wei­te­rer Still­le­gun­gen sys­tem­re­le­van­ter Kraft­wer­ke sowie durch die gesetz­lich deter­mi­nier­ten Ter­mi­ne der Abschal­tung von Kern­kraft­wer­ken erge­ben.

Die Deckung des Bedarfs wird dann von den Über­tra­gungs­netz­be­trei­bern in einem offe­nen, trans­pa­ren­ten und dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Ver­fah­ren aus­ge­schrie­ben. Betrei­ber von Anla­gen, wel­che eine end­gül­ti­ge Still­le­gung anstre­ben, kön­nen in die­sem Ver­fah­ren ihre Anla­ge als Reser­ve­kraft­werk anbie­ten. Gleich­zei­tig über­prüft der Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber die Mög­lich­keit einer tech­nisch gleich geeig­ne­ten und gesi­cher­ten sowie zumin­dest eben­so preis­güns­ti­gen Abde­ckung des Bedarfs durch Anla­gen aus dem EU-Bin­nen­markt oder der Schweiz oder durch Anla­gen, wel­che sich der­zeit in der „Kalt­re­ser­ve“ befin­den.

Die Netz­re­ser­ve wird außer­halb des Ener­gie­mark­tes zur Gewähr­leis­tung der Sys­tem­si­cher­heit ins­be­son­de­re als Redis­patch­po­ten­ti­al ein­ge­setzt. Der Ein­satz erfolgt nach­ran­gig zu ande­ren Maß­nah­men nach § 13 Absatz 1 und 1a und vor Not­fall­maß­nah­men nach § 13 Absatz 2 des Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes. Die Mög­lich­keit einer ergän­zen­den Absi­che­rung des Strom­mark­tes durch vor­beu­gen­den Ein­satz der Reser­ve­kraft­wer­ke am Spot­markt (day-ahead) zum bör­sen­tech­ni­schen Höchst­preis soll der­zeit nicht genutzt wer­den.

Der der­zei­ti­ge Ansatz der Nut­zung der Kraft­wer­ke zur Gewähr­leis­tung der Sys­tem­si­cher­heit ist aus­rei­chend und hat sich bewährt. Die Fra­ge soll im Rah­men der Zwi­schen­über­prü­fung gemäß § 63 Absatz 2a des Ener­gie­wirt­schafts­ge­set­zes erneut über­prüft wer­den. Die jewei­li­gen Ver­fah­rens­schrit­te – Sys­tem­ana­ly­se durch Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber, Bericht der Bun­des­netz­agen­tur und ggfs. Bestä­ti­gung des Bedarfs, Aus­schrei­bung des Bedarfs durch den Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber, Bin­dung der jewei­li­gen Kraft­wer­ke durch Ver­trag – soll jähr­lich zu fes­ten Ter­mi­nen durch­ge­führt wer­den. Für das Jahr 2013 gel­ten geson­der­te Fris­ten.

Teil der Netz­re­ser­ve kön­nen auch even­tu­ell zu bau­en­de Neu­an­la­gen sein. Die Fra­ge der Not­wen­dig­keit des Baus von neu­en Anla­gen zur Gewähr­leis­tung der Sys­tem­si­cher­heit wird dabei im Rah­men der jähr­li­chen Sys­tem­ana­ly­se der Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber über­prüft. Dabei sol­len für einen Pro­gno­se­zeit­raum von jeweils fünf Jah­ren ver­schie­de­ne Belas­tungs­sze­na­ri­en sowie Ent­wick­lun­gen im Hin­blick auf mög­li­che Ver­zö­ge­run­gen beim Netz­aus­bau abge­bil­det und ver­schie­de­ne tech­ni­sche Alter­na­ti­ven der Absi­che­rung unter­sucht wer­den. Ein Neu­bau ist erfor­der­lich, wenn die Sys­tem­ana­ly­se ergibt, dass die Sicher­heit und Zuver­läs­sig­keit des Elek­tri­zi­täts­ver­sor­gungs­sys­tems nicht allein durch bestehen­de Anla­gen oder alter­na­ti­ve Maß­nah­men gesi­chert wer­den kann oder eine Ertüch­ti­gung bestehen­der Anla­gen im Ver­gleich zur Beschaf­fung einer neu­en Anla­ge nicht wirt­schaft­lich ist.

Im Fall eines ent­spre­chen­den Neu­bau­be­darfs, der von der Bun­des­netz­agen­tur fest­ge­legt wür­de, schreibt der Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber Bau und Betrieb einer ent­spre­chen­den Anla­ge aus. Die Anla­ge, die dann wie die bestehen­den Anla­gen der Netz­re­ser­ve außer­halb des Markts für die Sys­tem­si­cher­heit ein­ge­setzt wür­de, soll grund­sätz­lich von inter­es­sier­ten Kraft­werks­be­trei­bern gebaut und betrie­ben wer­den. Die Preis­fin­dung erfolgt im Rah­men des Aus­schrei­bungs­ver­fah­rens.

Im Rah­men der Prä­zi­sie­rung der gesetz­li­chen Vor­ga­ben für den Umgang mit der geplan­ten Still­le­gung sys­tem­re­le­van­ter Kraft­wer­ke wer­den ins­be­son­de­re die Fäl­le der vor­läu­fi­gen Still­le­gung näher aus­ge­stal­tet. Die unter­neh­me­ri­sche Frei­heit des Anla­gen­be­trei­bers, sei­ne Anla­ge vor­läu­fig still­zu­le­gen, bleibt erhal­ten. Aus­schließ­lich im Fal­le der Sys­tem­re­le­vanz oder der Gefähr­dung der Sys­tem­si­cher­heit durch die vor­läu­fi­ge Still­le­gung einer Anla­ge, kann der Über­tra­gungs­netz­be­trei­ber den Anla­gen­be­trei­ber zur Bereit­hal­tung der Anla­ge für die Absi­che­rung von Not­fäl­len ver­pflich­ten. Der Betrei­ber erhält die hier­für erfor­der­li­chen Kos­ten erstat­tet. Nicht erstat­tungs­fä­hig sind Kos­ten, wel­che dem Betrei­ber ohne­hin für die betref­fen­de Anla­ge bei­spiels­wei­se im Hin­blick auf eine spä­te­re Rück­kehr an den Markt ent­stan­den wären.

Das Gesetz sieht zur Ver­mei­dung von Fehl­an­rei­zen und Markt­ver­zer­run­gen für Fäl­le der Ver­pflich­tung von Anla­gen bei vor­läu­fi­gen Still­le­gun­gen Auf­la­gen im Hin­blick auf eine spä­te­re Rück­kehr an den Ener­gie­markt (Ein­hal­tung einer Fünf-Jah­res­frist, Rück­zah­lungs­ver­pflich­tung von Leis­tungs­preis­be­stand­tei­len) vor. Der Betrei­ber unter­liegt kei­nen dies­be­züg­li­chen Ein­schrän­kun­gen, wenn er kei­ne Leis­tungs­preis­be­stand­tei­le in Anspruch nimmt.

Die Ver­ord­nung ist bis zum 31. Dezem­ber 2017 befris­tet. Ent­spre­chend stel­len die Vor­ga­ben eine Über­gangs­re­ge­lung bis zu einer Ent­schei­dung im Hin­blick auf den zukünf­ti­gen Rah­men­be­din­gun­gen des Ener­gie­mark­tes dar.