Strom­lie­fe­rungs­ver­trag mit „Akti­ons­bo­nus“

Der Bun­des­ge­richts­hof hat­te sich aktu­ell in zwei Ent­schei­dun­gen mit der Aus­le­gung einer All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gung in Strom­lie­fe­rungs­ver­trä­gen zu befas­sen, nach der einem Neu­kun­den bei einer bestimm­ten Ver­trags­dau­er ein ein­ma­li­ger Bonus gewährt wird.

Strom­lie­fe­rungs­ver­trag mit „Akti­ons­bo­nus“

In den zu ent­schei­den­den Ver­fah­ren strei­ten die Par­tei­en dar­über, ob die Beklag­te – eine Strom­lie­fe­ran­tin – ver­pflich­tet ist, den Klä­gern die­sen soge­nann­ten „Akti­ons­bo­nus“ zu zah­len. Den Strom­lie­fe­rungs­ver­trä­gen lag fol­gen­de All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung zugrun­de:

„Wenn Sie als Neu­kun­de einen Ver­trag mit [der Beklag­ten] schlie­ßen, gewährt Ihnen [die Beklag­te] einen ein­ma­li­gen Bonus. Die­ser wird nach 12 Mona­ten Belie­fe­rungs­zeit fäl­lig und spä­tes­tens mit der ers­ten Jah­res­rech­nung ver­rech­net. Neu­kun­de ist, wer in den letz­ten 6 Mona­ten vor Ver­trags­schluss in sei­nem Haus­halt nicht von [der Beklag­ten] belie­fert wur­de. Der Bonus ent­fällt bei Kün­di­gung inner­halb des ers­ten Belie­fe­rungs­jah­res, es sei denn die Kün­di­gung wird erst nach Ablauf des ers­ten Belie­fe­rungs­jah­res wirk­sam.“

In bei­den Ver­fah­ren kün­dig­ten die Klä­ger die Ver­trä­ge jeweils zum Ablauf des ers­ten Belie­fe­rungs­jah­res. Die Beklag­te berück­sich­tig­te dar­auf­hin den Bonus nicht in den Schluss­rech­nun­gen.

In bei­den Fäl­len haben die Beru­fungs­ge­rich­te, das Land­ge­richt Ravens­burg und das Land­ge­richt Pader­born, die Kla­gen auf Zah­lung des Bonus abge­wie­sen [1]. Die hier­ge­gen gerich­te­ten Revi­sio­nen der Klä­ger hat­ten jetzt vor dem Bun­des­ge­richts­hof Erfolg:

Die Klau­sel in der hier maß­geb­li­chen Fas­sung kann nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs für einen juris­tisch nicht vor­ge­bil­de­ten Kun­den ohne wei­te­res dahin ver­stan­den wer­den, dass ein Anspruch auf den Bonus bereits dann besteht, wenn der Ver­trag – wie hier – min­des­tens ein Jahr bestan­den hat. Die­se Klau­sel in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen des Strom­ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens ist des­halb nach der Unklar­hei­ten­re­gel des § 305c Abs. 2 BGB in die­sem Sin­ne aus­zu­le­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 17. April 2012 – VIII ZR 225/​12 und VIII ZR 246/​12

  1. LG Ravens­burg, Urteil vom 29.06.2012 – 1 S 31/​12; LG Pader­born, Urteil vom 28.06.2012 – 5 S 35/​12[]