Das Braun­koh­le­kraft­werk und die Kla­ge­be­fug­nis der Umwelt­ver­bän­de

Umwelt­ver­bän­de kön­nen mit der Ver­bands­kla­ge nur die Ver­let­zung von Rechts­vor­schrif­ten gel­tend machen, die dem Umwelt­schutz die­nen. Das Recht auf eine voll­um­fäng­li­che Prü­fung eines Geneh­mi­gungs­be­scheids kann weder aus der Aar­hus-Kon­ven­ti­on noch aus der Öffent­lich­keits­be­tei­li­gungs­richt­li­nie her­ge­lei­tet wer­den.

Das Braun­koh­le­kraft­werk und die Kla­ge­be­fug­nis der Umwelt­ver­bän­de

Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig ein Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg in Mann­heim bestä­tigt, mit dem die Kla­ge des BUND gegen die immis­si­ons­schutz­recht­li­che Geneh­mi­gung von Block 9 des Groß­kraft­werks Mann­heim abge­wie­sen wor­den ist [1].

Die Bei­ge­la­de­ne betreibt in Mann­heim am Nord­ufer des Rheins ein Stein­koh­le­kraft­werk, das um einen wei­te­ren Block mit einer Feue­rungs­wär­me­leis­tung von 2 100 MW erwei­tert wer­den soll. Nach Nor­den und Nord­os­ten wird das Kraft­werks­ge­län­de von Indus­trie- und Gewer­be­ge­bie­ten umschlos­sen. Ein Bebau­ungs­plan für das Kraft­werks­ge­län­de besteht nicht. Der ange­grif­fe­ne Geneh­mi­gungs­be­scheid geht davon aus, dass die Anfor­de­run­gen an die Luft­rein­hal­tung zum Schutz der Bevöl­ke­rung ein­ge­hal­ten sind.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Revi­si­on des BUND zurück­ge­wie­sen. Umwelt­ver­bän­de kön­nen mit der Ver­bands­kla­ge nur die Ver­let­zung von Rechts­vor­schrif­ten gel­tend machen, die dem Umwelt­schutz die­nen. Das Recht auf eine voll­um­fäng­li­che Prü­fung eines Geneh­mi­gungs­be­scheids kann weder aus der Aar­hus-Kon­ven­ti­on noch aus der Öffent­lich­keits­be­tei­li­gungs­richt­li­nie her­ge­lei­tet wer­den. Die Umwelt­ver­träg­lich­keits­prü­fung durf­te eben­so wie die Immis­si­ons­pro­gno­se allein auf das Erwei­te­rungs­vor­ha­ben abstel­len. Die Zusatz­be­las­tung durch das Vor­ha­ben bewegt sich inner­halb der Irrele­vanz­schwel­len der TA Luft, die mit höher­ran­gi­gem Recht ver­ein­bar sind. Schließ­lich konn­te das Vor­ha­ben ohne Auf­stel­lung eines Bebau­ungs­plans geneh­migt wer­den. Eine etwai­ge Pla­nungs­pflicht konn­te der Geneh­mi­gung nicht ent­ge­gen gehal­ten wer­den.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 24. Okto­ber 2013 – 7 C 36.11

  1. VGH Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 20.07.2011 – 10 S 2102/​09[]