Der Aus­bau der Ener­gie­net­ze und die Zustän­dig­keit des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts

Die erst­in­stanz­li­che Zustän­dig­keit des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts nach § 1 Abs. 3 EnLAG i.V.m. § 50 Abs. 1 Nr. 6 VwGO für Strei­tig­kei­ten über die Plan­fest­stel­lung von Vor­ha­ben, die in den Bedarfs­plan zum Ener­gie­lei­tungs­aus­bau­ge­setz auf­ge­nom­men sind, erstreckt sich auch auf Strei­tig­kei­ten über ande­re Ener­gie­lei­tungs­vor­ha­ben, über die nach § 78 VwVfG in der Plan­fest­stel­lung mit­ent­schie­den wor­den ist.

Der Aus­bau der Ener­gie­net­ze und die Zustän­dig­keit des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ist für die Kla­ge gegen plan­fest­ge­stell­te Maß­nah­men im ers­ten und letz­ten Rechts­zug sach­lich zustän­dig, wenn vo die­ser Maß­nah­me eine 380-kV-Höchst­span­nungs­lei­tung umfasst ist, die als Vor­ha­ben im Bedarfs­plan zum Ener­gie­lei­tungs­aus­bau­ge­setz (EnLAG) [1] auf­ge­führt ist; gemäß § 1 Abs. 3 EnLAG begrün­det dies die Zustän­dig­keit des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts nach § 50 Abs. 1 Nr. 6 VwGO.

Die sach­li­che Zustän­dig­keit des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts besteht auch, soweit sich die Kla­ge gegen die Plan­fest­stel­lung der 110-kV-Anbin­dung an das Umspann­werk rich­tet. Die­se ist zwar im hier ent­schie­de­nen Fall im Bedarfs­plan zum Ener­gie­lei­tungs­aus­bau­ge­setz nicht auf­ge­führt, doch ist inso­weit der Anwen­dungs­be­reich des § 78 Abs. 1 VwVfG eröff­net (§ 43 Satz 6 EnWG), der sei­nem Wort­laut ent­spre­chend auch meh­re­re selbst­stän­di­ge Vor­ha­ben nur eines Vor­ha­bens­trä­gers erfasst [2]. Des­sen Vor­aus­set­zun­gen lie­gen vor. Bei der Her­an­füh­rung der 110-kV-Lei­tung vom Umspann­werk Alten­feld nach Nor­den auf dem Gestän­ge der 380-kV-Höchst­span­nungs­lei­tung mit der Abzwei­gung in Höhe von Traß­dorf nach Osten han­delt es sich um ein eigen­stän­di­ges, nach § 43 Satz 1 Nr. 1 EnWG eben­falls plan­fest­stel­lungs­pflich­ti­ges Vor­ha­ben, das in engem zeit­li­chen und räum­lich-funk­tio­na­lem Zusam­men­hang mit dem Vor­ha­ben der 380-kV-Höchst­span­nungs­lei­tung Vie­sel­bach – Alten­feld zur Aus­füh­rung gelangt. Durch bei­de Vor­ha­ben wird ein sub­stan­zi­el­ler Koor­di­nie­rungs­be­darf aus­ge­löst, der nicht nur den Über­schnei­dungs­be­reich erfasst, son­dern auch die kur­ze Abzwei­gung der 110-kV-Lei­tung nach Stadt­ilm [3]; über bei­de Lei­tungs­vor­ha­ben konn­te des­halb nur ein­heit­lich ent­schie­den wer­den. Eben­so wie die Zustän­dig­keit für das Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren rich­tet sich im Fal­le der Anfech­tung des ein­heit­li­chen Plan­fest­stel­lungs­be­schlus­ses auch die Zustän­dig­keit für das gericht­li­che Ver­fah­ren nach den Bestim­mun­gen für das­je­ni­ge Vor­ha­ben, das den grö­ße­ren Kreis öffent­lich-recht­li­cher Bezie­hun­gen berührt und somit den Schwer­punkt des Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­rens bil­det, auf des­sen Grund­la­ge das Gesamt­vor­ha­ben zuge­las­sen wird [4]. Dies ist das Vor­ha­ben zur Errich­tung und zum Betrieb der 380-kV-Höchst­span­nungs­lei­tung gemäß der Nr. 4 des Bedarfs­plans. Damit erfasst die in § 1 Abs. 3 EnLAG bestimm­te erst­in­stanz­li­che Zustän­dig­keit des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts das Gesamt­vor­ha­ben mit der Stich­lei­tung zum Umspann­werk Stadt­ilm.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 18. Juli 2013 – 7 A 4.12

  1. vom 21.08.2009, BGBl I S. 2870[]
  2. Zie­kow, VwVfG, 2. Aufl., § 78 Rn. 3[]
  3. vgl. BVerwG, Urteil vom 18.04.1996 – 11 A 86.95, BVerw­GE 101, 73, 80 = Buch­holz 316 § 78 VwVfG Nr. 6 S. 16[]
  4. Bonk/​Neumann, in: Stelkens/​Bonk/​Sachs, VwVfG, 7. Aufl.2008, § 78 Rn. 18[]