Neu­re­ge­lun­gen zum Netz­aus­bau

Die Bun­des­re­gie­rung hat den Ent­wurf einer „Ver­ord­nung zur Ände­rung von Ver­ord­nun­gen auf dem Gebiet des Ener­gie­wirt­schafts­rechts“ beschlos­sen. Das Ver­ord­nungs­pa­ket regelt die Berech­nung der Netz­kos­ten neu. Die­se Neu­re­ge­lun­gen waren ins­be­son­de­re auch wegen der bei­hil­fe­recht­li­chen Kri­tik der EU-Kom­mis­si­on an den bis­he­ri­gen Rege­lun­gen erfor­der­lich gewor­den.

Neu­re­ge­lun­gen zum Netz­aus­bau

Mit der jetzt beschlos­se­nen Ände­rungs­ver­ord­nung sol­len die Rah­men­be­din­gun­gen für die Regu­lie­rung der Strom- und Gas­net­ze

  • durch die Auf­nah­me klar­stel­len­der Rege­lun­gen zur Berech­nung der Netz­kos­ten und
  • durch die Sicher­stel­lung einer ver­läss­li­chen Grund­la­ge für ener­gie­in­ten­si­ve Strom­ver­brau­cher bzgl. der Kal­ku­la­ti­on ihrer Strom­kos­ten und einer ange­mes­se­nen Betei­li­gung die­ser Ver­brauchs­grup­pe an den Netz­kos­ten

wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den. Dabei sol­len durch

  • eine schnel­le­re Refi­nan­zie­rung von Inves­ti­tio­nen in das Hoch­span­nungs­netz sowie
  • durch die Berück­sich­ti­gung von For­schungs- und Ent­wick­lungs­kos­ten bei der Netz­ent­gelt­be­stim­mung

zusätz­li­che Anrei­ze für lang­fris­ti­ge Inves­ti­tio­nen in die Net­ze gesetzt wer­den.

Die wesent­li­chen Neu­re­ge­lun­gen

Außer­dem wer­den mit der Ver­ord­nung Anrei­ze für das Ange­bot varia­bler Tari­fe geschaf­fen, um den Ver­brauch von Strom stär­ker mit der Erzeu­gung aus erneu­er­ba­ren Ener­gien in Ein­klang zu brin­gen.

Durch die jetzt beschlos­se­ne Novel­le wer­den meh­re­re Ver­ord­nun­gen geän­dert:

  • In die Strom­netz­ent­gelt­ver­ord­nung wird ein nach Ver­brauch und jähr­li­chen Benut­zungs­stun­den­zahl gestaf­fel­tes Strom­netz­ent­gelt für strom­in­ten­si­ve Ver­brau­cher ein­ge­führt. Dar­über hin­aus soll mit­tels einer „phy­si­ka­li­schen Kom­po­nen­te“ ab dem 1. Janu­ar 2014 der tat­säch­li­che Bei­trag die­ser strom­in­ten­si­ven Letzt­ver­brau­cher zur Netz­sta­bi­li­sie­rung stär­ker Berück­sich­ti­gung fin­den (also Anlass für Rabat­tie­run­gen bie­ten). Mit die­ser Rege­lung soll der bei­hil­fe­recht­li­che Kri­tik der EU-Kom­mis­si­on an der bis­he­ri­gen Netz­ent­gelt­be­frei­ung ener­gie­in­ten­si­ver Letzt­ver­brau­cher gemäß § 19 Absatz 2 Strom­netz­ent­gelt­ver­ord­nung Rech­nung getra­gen und gleich­zei­tig die bis­he­ri­gen Strom­sub­ven­tio­nen, wenn auch in ande­rem Gewand, wei­test­mög­lich erhal­ten wer­den.
  • Der­zeit bestehen­de Unklar­hei­ten hin­sicht­lich der Rah­men­be­din­gun­gen für die Kal­ku­la­ti­on der Netz­kos­ten sol­len durch eine Ände­rung der Strom- sowie Gas­netz­ent­gelt­ver­ord­nung besei­tigt wer­den. Die Netz­kos­ten sind die Grund­la­ge für die Netz­ent­gel­te, die vom Ver­brau­cher zu zah­len und Bestand­teil des Strom- oder Gas­prei­ses sind. Vor die­sem Hin­ter­grund wer­den in die Ver­ord­nung Regeln über die Kal­ku­la­ti­ons­grund­la­gen für die Bewer­tung der Netz­an­la­gen – etwa durch Vor­schrif­ten über anzu­wen­den­de Preis­in­dex­rei­hen etc. – auf­ge­nom­men.
  • Dar­über erfol­gen Ände­run­gen in der Anreiz­re­gu­lie­rungs­ver­ord­nung, mit denen Emp­feh­lun­gen der beim Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um ein­ge­rich­te­ten Platt­form „Zukunfts­fä­hi­ge Net­ze“ zuguns­ten der Netz­be­trei­ber umge­setzt wer­den sol­len. Die­se Ände­run­gen betref­fen ins­be­son­de­re die Bedin­gun­gen für Inves­ti­tio­nen in die Hoch­span­nungs­net­ze. So kön­nen bei­spiels­wei­se zukünf­tig auch For­schungs- und Ent­wick­lungs­kos­ten im Rah­men der Netz­ent­gelt­ge­neh­mi­gung berück­sich­tigt wer­den.
  • Und schließ­lich wird in der Strom­netz­zu­gangs­ver­ord­nung eine neue Bilan­zie­rungs­mög­lich­keit ein­ge­führt, mit der Anrei­ze für das Ange­bot varia­bler Tari­fe geschaf­fen wer­den sol­len. Der­ar­ti­ge varia­ble Tari­fe sol­len es ermög­li­chen, Beschaf­fungs­vor­tei­le an Letzt­ver­brau­cher wei­ter­zu­ge­ben oder die­se zur Ver­brauchs­ver­la­ge­rung zu ver­an­las­sen.

Der jetzt vom Bun­des­ka­bi­nett ver­ab­schie­de­te Ver­ord­nungs­ent­wurf bedarf noch der Zustim­mung des Bun­des­ra­tes. Nach den der­zei­ti­gen Pla­nun­gen sol­len die neu­en Vor­schrif­ten noch in die­sem Som­mer in Kraft tre­ten, ledig­lich die Ände­rung an § 19 Absatz 2 Strom­netz­ent­gelt­ver­ord­nung soll erst zum Jah­res­wech­sel, zum 1. Janu­ar 2014, in Kraft tre­ten.