Strompreiserhöhung per ergänzender Vertragsauslegung

Mit den Voraus­set­zun­gen ein­er ergänzen­den Ver­tragsausle­gung (§§ 157, 133 BGB) bei ein­er infolge der Unwirk­samkeit ein­er for­mu­la­rmäßig vere­in­barten Preisän­derungsklausel nach § 307 BGB entste­hen­den plan­widri­gen Regelungslücke in einem Strom­liefer­ungsver­trag mit einem (Norm)Sonderkunden hat­te sich jet­zt der Bun­des­gericht­shof — in Fort­führung sein­er bish­eri­gen Recht­sprechung1 — zu befassen:

Strompreiserhöhung per ergänzender Vertragsauslegung

Erhebt der Kunde gegen Preis­er­höhun­gen des Energiev­er­sorg­ers bere­its inner­halb von drei Jahren nach der ersten Jahresabrech­nung Wider­spruch, fehlt es schon an der Voraus­set­zung ein­er ergänzen­den Ver­tragsausle­gung, dass der Kunde den Preis­er­höhun­gen über einen län­geren Zeitraum nicht wider­sprochen hat2.

Ein Energiev­er­sorgung­sun­ternehmen hat auch dann Anlass, die Wirk­samkeit sein­er Preisän­derungsklauseln zu prüfen und eine Beendi­gung des Ver­tragsver­hält­niss­es in Betra­cht zu ziehen, wenn der Kunde in seinem Wider­spruch nur die Unbil­ligkeit ein­er angekündigten Preis­er­höhung gel­tend macht; auf die tat­säch­lichen oder von dem Energiev­er­sorg­er ver­muteten Gründe für den Wider­spruch kommt es nicht an3.

Für eine nach Beendi­gung des Energiev­er­sorgungsver­trages erhobene Klage des Kun­den auf Fest­stel­lung der Unbil­ligkeit der Preis­bes­tim­mungen des Energiev­er­sorg­ers fehlt jeden­falls dann das Fest­stel­lungsin­ter­esse, wenn keine Rech­nun­gen für die Energieliefer­ung mehr zu erwarten sind; in diesem Fall beste­ht kein Inter­esse des Kun­den mehr, sich durch die Fest­stel­lung der Unbil­ligkeit der Preis­bes­tim­mungen des Energiev­er­sorg­ers eine Grund­lage dafür zu schaf­fen, bei kün­fti­gen Forderun­gen des Ver­sorg­ers die Zahlung (teil­weise) zu ver­weigern4.

Bun­des­gericht­shof, Urteil vom 15. Jan­u­ar 2014 — VIII ZR 80/13

  1. BGH, Urteile vom 14.07.2010 — VIII ZR 246/08, BGHZ 186, 180 Rn. 50; vom 14.03.2012 — VIII ZR 113/11, BGHZ 192, 372 Rn. 23, und — VIII ZR 93/11, ZNER 2012, 265 Rn. 28 []
  2. Fort­führung von BGH, Urteile vom 14.03.2012 — VIII ZR 113/11, BGHZ 192, 372 Rn. 23, und — VIII ZR 93/11, ZNER 2012, 265 Rn. 28; vom 31.07.2013 — VIII ZR 162/09, NJW 2013, 3647 Rn. 64 []
  3. Bestä­ti­gung von BGH, Beschlüsse vom 07.09.2011 — VIII ZR 14/11, juris Rn. 7; vom 06.12 2011 — VIII ZR 224/11, juris Rn. 6 []
  4. Fort­führung von BGH, Urteile vom 13.06.2007 — VIII ZR 36/06, BGHZ 172, 315 Rn. 10; vom 17.12 2008 — VIII ZR 274/06, BGHZ 179, 186 Rn. 11; BGH, Beschluss vom 27.10.2009 — VIII ZR 204/08, ZNER 2010, 65 Rn. 5 []