Bio­gas­an­la­gen – und ihre Lie­fer­be­zie­hun­gen zu den Land­wir­ten

Über­gibt ein Land­wirt dem Betrei­ber einer Bio­gas­an­la­ge auf­grund einer zwi­schen bei­den geschlos­se­nen Ver­ein­ba­rung Bio­mas­se, die im Eigen­tum des Land­wirts ver­bleibt und ledig­lich zur Gewin­nung von Bio­gas genutzt wird, so erfüllt die Rück­ga­be der ver­blei­ben­den Pflan­zen­res­te an den Land­wirt man­gels einer Zuwen­dung nicht die Vor­aus­set­zun­gen einer Besteue­rung nach § 3 Abs. 1b Satz 1 Nr. 3 UStG. Steht von vorn­her­ein fest, dass der Abneh­mer einen Teil der über­ge­be­nen Bio­mas­se wie­der zurück­ge­ben muss, beschränkt sich der wesent­li­che wirt­schaft­li­che Zweck der Lie­fe­rung auf das dem Abneh­mer nach dem Inhalt der Leis­tungs­ver­ein­ba­run­gen ver­blei­ben­de Bio­gas.

Bio­gas­an­la­gen – und ihre Lie­fer­be­zie­hun­gen zu den Land­wir­ten

Die Rück­ga­be der Gär­res­te an den Land­wirt erfüllt nicht die Vor­aus­set­zun­gen des § 3 Abs. 1b Satz 1 Nr. 3 UStG.

Nach § 3 Abs. 1b Satz 1 Nr. 3 UStG (Art. 16 MwSt­Sys­tRL 2006/​112/​EG) wird unter wei­te­ren, hier nicht strei­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen die unent­gelt­li­che Zuwen­dung eines Gegen­stands einer Lie­fe­rung gegen Ent­gelt gleich­ge­stellt.

Im Streit­fall fehlt es schon an einer Zuwen­dung der Bio­mas­se­sub­stanz. Denn nach der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung vom 28.08.2008 hat die Betrei­be­rin der Bio­gas­an­al­ge dem Land­wirt kei­nen Ver­mö­gens­vor­teil ver­schafft, indem sie ihm die Gär­res­te nach Abschluss der Bio­gas­pro­duk­ti­on über­ließ. Die Bio­mas­se­sub­stanz soll­te von vorn­her­ein im Eigen­tum des Land­wirts ver­blei­ben. Die Betrei­be­rin der Bio­gas­an­lae durf­te sie zur Ener­gie­er­zeu­gung ledig­lich nut­zen und muss­te sie nach der ener­ge­ti­schen Ver­wer­tung dem Land­wirt zurück­ge­ben.

Nichts ande­res ergibt sich aus § 3 Abs. 5 UStG. Danach beschränkt sich die Lie­fe­rung auf den Gehalt des Gegen­stands an den Bestand­tei­len, die dem Abneh­mer ver­blei­ben, wenn ein Abneh­mer dem Lie­fe­rer die Neben­er­zeug­nis­se oder Abfäl­le, die bei der Bear­bei­tung oder Ver­ar­bei­tung des ihm über­ge­be­nen Gegen­stands ent­ste­hen, zurück­zu­ge­ben hat. Umge­kehrt folgt dar­aus: Die Rück­ga­be der Abfäl­le oder Neben­er­zeug­nis­se (hier die Gär­res­te oder die Bio­mas­se) führt weder zu einer Zuwen­dung noch zu einer Lie­fe­rung.

Das gilt auch dann, wenn man bei der Aus­le­gung die­ser, so im Uni­ons­recht nicht aus­drück­lich vor­ge­se­he­nen Vor­schrift, den Lie­fer­ge­gen­stand im Rah­men einer Gesamt­be­trach­tung aus der Sicht des Durch­schnitts­ver­brau­chers nach dem wirt­schaft­li­chen Zweck bestimmt [1]. Steht von vorn­her­ein fest, dass der Abneh­mer einen Teil der über­ge­be­nen Bio­mas­se wie­der zurück­ge­ben muss, beschränkt sich der wesent­li­che wirt­schaft­li­che Zweck der Lie­fe­rung auf den dem Abneh­mer nach Inhalt der Leis­tungs­ver­ein­ba­run­gen ver­blei­ben­den Teil, hier auf den Gehalt oder den Extrakt, also auf das Bio­gas (Art. 15 Abs. 1 MwSt­Sys­tRL) selbst [2].

Die­sem Ergeb­nis kann nicht ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, eine Gehalts­lie­fe­rung sei nicht gege­ben, weil kei­ne „Näm­lich­keit“ im Sin­ne blo­ßer Trenn­bar­keit der Inhalts­stof­fe, wie etwa bei der Zucker­ge­win­nung aus Zucker­rü­ben gege­ben sei [3]. Denn auch das Bio­gas wird ‑wor­auf es ent­schei­dend ankommt- aus den Pflan­zen­sub­stra­ten selbst gewon­nen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 10. August 2017 – V R 3/​16

  1. vgl. z.B. EuGH, Urtei­le Faa­borg-Gel­ting-Lini­en A/​S vom 02.05.1996 – C‑231/​94, EU:C:1996:184, Rz 12; und Gra­phic Pro­ce­de vom 11.02.2010 – C‑88/​09, EU:C:2010:76, Rz 20 ff.[]
  2. vgl. zutref­fend Mar­tin in Sölch/​Ringleb, Umsatz­steu­er, § 3 Rz 442[]
  3. so die Auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung, vgl. OFD Karls­ru­he, Ver­fü­gung vom 15.01.2013 – S 741 USt-Kar­tei BW § 24 Abs. 1 UStG Kar­te 5[]