Photovoltaikanlage als Mietereinbauten — und die Umsatzsteuer

Ein Mieter, der Aus­baut­en, Umbaut­en und Ein­baut­en auf eigene Kosten vorn­immt oder auf dem gemieteten Grund­stück ein Gebäude errichtet1, führt eben­so wie der Unternehmer, der auf einem ihm nicht gehören­den Grund­stück ein Gebäude errichtet und das Gebäude dem Grund­stück­seigen­tümer übergibt2, oder der auf öffentlichen Flächen ein­er Gemeinde Erschließungsan­la­gen her­stellt3, grund­sät­zlich eine Werk­liefer­ung gemäß § 3 Abs. 4 UStG aus4.

Photovoltaikanlage als Mietereinbauten — und die Umsatzsteuer

Nach diesen Grund­sätzen hat der Mieter mit der Sanierung des Daches der für ihn frem­den Rei­thalle eine Werk­liefer­ung i.S. von § 3 Abs. 4 Satz 2 UStG an die Grund­stück­seigen­tümer (Ver­mi­eter) erbracht. Zwar beste­ht kein all­ge­mein­er Rechtssatz, dass ein Mieter, der auf dem gemieteten Grund­stück ein Gebäude auf eigene Rech­nung errichtet und für Zwecke seines Unternehmens nutzt, die Ver­fü­gungs­macht an dem Gebäude weit­er überträgt. Maßge­blich ist vielmehr eine Würdi­gung der Gesam­tum­stände des Einzelfalls5.

Vor­liegend hat der Mieter der Grund­stück­seigen­tümer (Ver­mi­eter) aber nicht nur das Eigen­tum an den durch die Dachsanierung erstell­ten Dachteilen ver­schafft (§ 946 des Bürg­er­lichen Geset­zbuchs ‑BGB-), was allein auch noch nicht zu ein­er Liefer­ung führen muss, weil der zivil­rechtliche Eigen­tum­süber­gang nicht zwin­gend die von § 3 Abs. 1 UStG und Art. 14 Abs. 1 MwSt­Sys­tRL voraus­ge­set­zte Ver­schaf­fung eigen­tümerähn­lich­er Ver­fü­gungs­macht bewirkt6. Vielmehr hat der Mieter darüber hin­aus ‑was das Finanzgericht nicht hin­re­ichend berück­sichtigt hat- der Grund­stück­seigen­tümer (Ver­mi­eter) unmit­tel­bar einen von dieser auch tat­säch­lich genutzten wirtschaftlichen Vorteil zuge­wandt. Denn neben dem Mieter, der das Dach zum Betrieb der Pho­to­voltaikan­lage benötigt, nutzt auch die Grund­stück­seigen­tümer (Ver­mi­eter) das Dach im Rah­men der Ver­mi­etung der Rei­thalle. Ob sie ihrer­seits ihrem Mieter gegenüber zu den Sanierungs­maß­nah­men verpflichtet war, spielt insoweit keine Rolle.

Bun­des­fi­nanzhof, Urteil vom 16. Novem­ber 2016 — V R 35/16

  1. BFH, Urteile vom 15.09.1983 — V R 154/75, zu Ein­baut­en; und vom 24.11.1992 — V R 80/87, BFH/NV 1993, 634, zur Gebäudeer­rich­tung []
  2. BFH, Urteile vom 22.08.2013 — V R 37/10, BFHE 243, 20, BSt­Bl II 2014, 128, Rz 37; vom 24.07.1969 — V R 9/66, BFHE 97, 196, BSt­Bl II 1970, 71 []
  3. BFH, Urteil vom 22.07.2010 — V R 14/09, BFHE 231, 273, BSt­Bl II 2012, 428, Leit­satz 1 []
  4. BFH, Urteil in BFHE 243, 20, BSt­Bl II 2014, 128, Rz 37 []
  5. BFH, Urteile vom 25.11.2015 — V R 66/14, BFH/NV 2016, 497, Rz 17; in BFH/NV 1993, 634; BFH, Beschluss vom 20.02.1997 — V B 161/96, BFH/NV 1997, 722 []
  6. vgl. z.B. BFH, Urteile vom 25.11.2015 — V R 66/14, BFHE 251, 526, Rz 16; vom 16.04.2008 — XI R 56/06, BFHE 221, 475, BSt­Bl II 2008, 909, Rz 25 f.; EuGH, Urteil Eon Aset Menid­j­munt vom 16.02.2012 — C‑118/11, EU:C:2012:97, Rz 39 []