Strom­steu­er­be­frei­ung für klei­ne Anla­gen

Im Rah­men eines Rechts­streits über die Strom­steu­er­be­frei­ung für klei­ne Anla­gen hat der Bun­des­fi­nanz­hof zum Begriff der Nenn­leis­tung einer Strom­erzeu­gungs­an­la­ge hat nun Stel­lung genom­men:

Strom­steu­er­be­frei­ung für klei­ne Anla­gen

Nach den strom­steu­er­recht­li­chen Vor­ga­ben sind klei­ne Strom­erzeu­gungs­an­la­gen mit einer Nenn­leis­tung bis zu 2 Mega­watt von der Strom­steu­er befreit, sofern der erzeug­te Strom in räum­li­chem Zusam­men­hang zu die­ser Anla­ge ent­nom­men und vom Betrei­ber der Anla­ge an Ver­brau­cher geleis­tet wird. Ein Über­schrei­ten der Leis­tungs­gren­ze von 2 Mega­watt führt zum Ver­lust der Steu­er­be­güns­ti­gung. Im Streit­fall war die Fra­ge zu klä­ren, ob auch die­je­ni­ge Strom­men­ge zur Nenn­leis­tung gehört, die nicht an Letzt­ver­brau­cher abge­ge­ben, son­dern in der Anla­ge selbst, z.B. zum Betrieb von Ven­ti­la­to­ren und Pum­pen, ver­braucht wird. Da eine Defi­ni­ti­on der Nenn­leis­tung in den strom­steu­er­recht­li­chen Vor­schrif­ten fehlt, oblag es dem Bun­des­fi­nanz­hof die­sen Begriff näher zu kon­kre­ti­sie­ren.

Aus der Ent­ste­hungs­ge­schich­te der gesetz­li­chen Rege­lung, die auf die Ein­be­zie­hung des Eigen­be­darfs in die für die Strom­steu­er­be­güns­ti­gung maß­geb­li­che Bezugs­grö­ße hin­weist, und den Ver­öf­fent­li­chun­gen der Elek­tri­zi­täts­wirt­schaft, auf denen die Ver­wal­tungs­an­wei­sun­gen beru­hen, hat der Bun­des­fi­nanz­hof einen Begriff der Nenn­leis­tung ent­wi­ckelt, nach dem es nur auf die im Dau­er­be­trieb der Anla­ge abgeb­ba­re Strom­men­ge ankommt. Danach ist die Strom­men­ge, die dem Eigen­be­darf des Strom­erzeu­gers dient, der Nenn­leis­tung zuzu­rech­nen. Bei der Bestim­mung der Nenn­leis­tung einer nach § 9 Abs. 1 Nr. 3 Strom­StG begüns­tig­ten Strom­erzeu­gungs­an­la­ge ist auf die Gene­ra­to­ren­leis­tung abzu­stel­len; der Eigen­ver­brauch in Neben­an­la­gen oder Hilfs­an­la­gen ist nicht abzu­zie­hen. Dies soll­ten Anla­gen­her­stel­ler und Strom­erzeu­ger, die eine Strom­steu­er­be­frei­ung anstre­ben, künf­tig beach­ten.

Dar­über hin­aus hat der Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­den, dass die Finanz­ver­wal­tung an Anga­ben in von Her­stel­lern von Strom­erzeu­gungs­an­la­gen aus­ge­stell­ten Beschei­ni­gun­gen nicht gebun­den ist. Sol­che Errich­ter­be­stä­ti­gun­gen ent­fal­ten kei­ne strom­steu­er­recht­li­che Bin­dungs­wir­kung.

Bei der Beur­tei­lung der Vor­aus­set­zun­gen für die Gewäh­rung einer Strom­steu­er­be­frei­ung für Anla­gen mit einer Nenn­leis­tung bis zu 2 MW sind die Finanz­be­hör­den weder an die Anga­ben in einer vom Her­stel­ler der Strom­erzeu­gungs­an­la­ge aus­ge­stell­ten Errich­ter­be­stä­ti­gung noch an die in einer vom Bun­des­amt für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kon­trol­le für Zwe­cke der Zuschlags­ge­wäh­rung nach dem KWKG in einem Zulas­sungs­be­scheid gemach­ten Anga­ben gebun­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 7. Juni 2011 – VII R 55/​09