Grundversorgungs-Tarif — und die Preisanpassung

Dem Gasver­sorg­er ste­ht es auch im Rah­men der Grund­ver­sorgung frei, ver­schiedene, von der Abnah­memenge abhängige Tar­ife anzu­bi­eten, und zwar auch solche, bei denen — wie hier — die Tar­ife­in­stu­fung automa­tisch nach dem Prinzip der Best­preisabrech­nung erfol­gt1.

Grundversorgungs-Tarif — und die Preisanpassung

Allerd­ings ste­ht der Gasver­sorg­erin kein ein­seit­iges Preisän­derungsrecht aus § 4 Abs. 1, 2 AVB­GasVV und § 5 Abs. 2 GasVV aF zu. Wie der Bun­des­gericht­shof im Anschluss an die “Schulz und Egbring­hoff”, Entschei­dung des Gericht­shofs der Europäis­chen Union vom 23.10.20142 entsch­ieden hat, kann die dahinge­hende bish­erige Ausle­gung der genan­nten Vorschriften der nationalen Gasver­sorgungsverord­nun­gen für die Zeit ab 1.07.2004 — dem Ablauf der Umset­zungs­frist der Gas-Richtlin­ie 2003/55/EG — nicht mehr aufrecht erhal­ten wer­den, weil eine solche Ausle­gung nicht mit den Trans­paren­zan­forderun­gen der genan­nten Richtlin­ie vere­in­bar wäre3.

Wie der Bun­des­gericht­shof weit­er entsch­ieden hat, ist die durch das von den Ver­tragsparteien voraus­ge­set­zte, aber nicht beste­hende Preisän­derungsrecht in dem zwis­chen ihnen beste­hen­den Tar­ifkun­den­ver­trag (Grund­ver­sorgungsver­trag) ent­stande­nen Lücke im Wege der gebote­nen ergänzen­den Ver­tragsausle­gung dahin zu schließen, dass der Grund­ver­sorg­er ihm ent­standene (Bezugs)Kostensteigerungen, soweit diese nicht durch Kostensenkun­gen in anderen Bere­ichen aus­geglichen wer­den, an den Tar­ifkun­den weit­ergeben kann und er verpflichtet ist, bei ein­er Tar­i­fan­pas­sung Kostensenkun­gen eben­so zu berück­sichti­gen wie Kosten­er­höhun­gen, und die wirk­same Ausübung dieses Preisän­derungsrechts an keine weit­eren als an die in den Gasver­sorgungsverord­nun­gen genan­nten Voraus­set­zun­gen geknüpft ist4.

Für den Bun­des­gericht­shof ist auch us Rechts­grün­den nicht zu bean­standen, dass nicht jede einzelne Preis­er­höhung isoliert betra­chtet, son­dern auf das Gaswirtschaft­s­jahr abgestellt hat5.

BGHZ 178, 362 Rn. 26)). Eben­so bleibt es insoweit bei der Recht­sprechung des Bun­des­gericht­shofs, dass der erhöhte Preis zum vere­in­barten Preis wird, wenn der Kunde eine auf der Grund­lage ein­er Preis­er­höhung vorgenommene Jahresabrech­nung akzep­tiert hat, indem er weit­er Gas bezo­gen hat, ohne die Preis­er­höhung in angemessen­er Zeit gemäß § 315 BGB zu bean­standen6.

Bun­des­gericht­shof, Beschluss vom 15. Dezem­ber 2015 — VIII ZR 162/11

  1. st. Rspr.; BGH, Urteile vom 14.07.2010 — VIII ZR 246/08, BGHZ 186, 180 Rn. 27; vom 11.05.2011 — VIII ZR 42/10, NJW 2011, 2736 Rn. 32 mwN, insoweit in BGHZ 189, 356 nicht abge­druckt; vom 31.07.2013 — VIII ZR 162/09, BGHZ 198, 111 Rn. 34; vom 28.10.2015 — VIII ZR 158/11, aaO Rn. 18, und — VIII ZR 13/12, aaO Rn. 21 []
  2. EuGH, Urteil vom 23.10.2014 — C359/11 und C400/11, NJW 2015, 849 — Schuld und Egbring­hoff []
  3. BGH, Urteile vom 28.10.2015 — VIII ZR 158/11, aaO Rn. 33 ff., und — VIII ZR 13/12, aaO Rn. 35 ff. []
  4. BGH, Urteile vom 28.10.2015 — VIII ZR 158/11, aaO Rn. 66 ff., 83, und — VIII ZR 13/12, aaO Rn. 68 ff., 85 []
  5. vgl. BGH, Urteile vom 28.10.2015 — VIII ZR 158/11, aaO Rn. 99 ff., und — VIII ZR 13/12, aaO Rn. 101 ff. []
  6. BGH, Urteil vom 09.02.2011 — VIII ZR 295/09, WM 2011, 1860 Rn. 41 mwN []